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20:57 19.12.2017
Der Tannenzapfenpflücker Michail Murusidse klettert im Westen von Georgien an einer Kaukasustanne hoch, um in der Spitze Tannenzapfen zu ernten. In Georgien im Kaukasus wachsen die höchsten Tannen, aus denen die europäischen Weihnachtsbäume entstehen. Quelle: dpa
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Tiflis

Wenn in deutschen Weihnachtszimmern schlanke grüne Tannenbäume leuchten, haben Männer wie Paata Kobachidse daran großen Anteil. Er und andere Georgier lassen sich jeden Herbst für wenig Geld auf eine gefährliche Arbeit ein. In der westgeorgischen Region Ratscha klettern sie in schwindelnde Höhen auf die Kaukasus- oder Nordmanntannen, um Zapfen zu ernten. Daraus werden die Samen gewonnen, aus denen dann in Baumschulen in Dänemark oder Deutschland in acht bis zehn Jahren die klassischen Weihnachtsbäume wachsen.

Samen für 90 Prozent der Nordmanntannen stammt aus Georgien

Die Südkaukasusrepublik Georgien liefert nach Branchenangaben Samen für etwa 90 Prozent der in Europa gezüchteten Nordmanntannen. Dabei kommen im Bezirk Ratscha-Letschchumi nicht alle waldreichen Berge für die Ernte in Frage, sondern fast nur die Umgebung der Dörfer Nikorzminda und Tlugi. Und gesammelt werden die etwa 500 Tonnen Zapfen jährlich nur in einer kurzen Saison von drei Wochen im Herbst.

Aufgeschnittene Zapfen der Kaukasus- oder Nordmanntanne. Quelle: dpa

Klettern ohne Sicherheitsausrüstung

Für diese Zeit lässt der Schreiner Kobachidse seit 20 Jahren seine Familie und seine Bienenstöcke in der Bezirkshauptstadt Ambrolauri zurück und zieht als Pflücker in den Wald. 40 bis 60 Meter hoch sind die Tannen, die er erklimmen muss, und die begehrten Zapfen sitzen in der Spitze. Er steigt nur mit Sicherheitsausrüstung auf, aber manche Kollegen verzichten darauf. «Mit den Seilen und Gürteln benötigt man mehr Zeit zum Pflücken der Zapfen», sagt er. Und Zeit ist Geld für die Männer, denn bezahlt werden sie nach Gewicht ihrer Ernte.

«Früher wollten manche Pflücker keine Zeit durch das Runterklettern verlieren», erzählt Kobachidse. Sie sprangen von Baumwipfel zu Baumwipfel, doch das endete nicht selten tödlich. «Das macht mittlerweile niemand mehr, weil die Unternehmen keine Arbeiter einstellen, die sich so riskant verhalten.»

Der Tannenzapfenpflücker Paata Kobachidse. Quelle: dpa

Eine „sehr, sehr schwere Arbeit“

Auch Michail Murusidse macht seine eigene Wette mit dem Schicksal. Früher habe er sich gar nicht gesichert, sagt der 45-jährige Bäcker, der ebenfalls aus Ambrolauri kommt. Für die Tannenzapfenernte haust er jährlich drei Wochen in einem Zelt im Wald. «Es ist eine sehr, sehr schwere Arbeit. Aber ich habe vier Kinder und keine andere Wahl», sagt er.

Wenn Murusidse sich eine Tanne aussucht, dann ist von unten nicht zu sehen, ob in der Spitze viele Zapfen hängen. Falls die ersten Äste zu hoch sind, nimmt er für die untersten Meter eine Leiter zu Hilfe. Dann klettert er mit bloßen Händen weiter. Doch oben im Wipfel schnallt er sich mittlerweile fest. «Dann habe ich beide Hände frei zum Pflücken.» Wenn er Glück hat, kann er an einer Tanne drei bis vier Säcke voller Tannenzapfen ernten.

Die begehrten Tannenzapfen hängen ganz oben, an der Spitze der Tannen. Quelle: dpa

Tannenzapfenpflücker auf Saisonarbeit angewiesen

Die Pflücker sind auf ihre Saisonarbeit angewiesen, denn die frühere Sowjetrepublik Georgien ist ein armes Land. 1070 Lari (360 Euro) verdient ein Georgier durchschnittlich im Monat. In einer abgelegenen Region wie Ratscha-Letschchumi, 180 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Tiflis, ist Arbeit knapp.

Da kommen Firmen wie der große dänische Samenimporteur Levinsen & Abies gerade recht, der Hunderte Pflücker beschäftigt. «Wir haben die Ernte einzubringen, und die Leute sollen zufrieden sein», sagt der örtliche Vertreter, Lewan Dolidse. «Es gibt viele Leute, die pflücken wollen», bestätigt Murusidse. «Selbst wenn ich nur 40 Cent für ein Kilogramm bekomme, ist es ein stabiles Einkommen.»

Tannenzapfenpflücker nehmen an einer Sicherheitsschulung der dänischen Nichtregierungsorganisation Fair Trees Fund teil. Quelle: dpa

NGO Fair Trees Fund zahlt faire Löhne

Die Arbeit ist zwar für alle gleich schwer und riskant, doch die gezahlten Preise gehen auseinander. Am besten verdienen Pflücker, die wie Kobachidse für die Nichtregierungsorganisation Fair Trees Fund aus Dänemark arbeiten. Mit nur zehn Tonnen Ernte und neun Pflückern ist es die kleinste Firma im Samengeschäft. Aber sie bildet die Pflücker gut aus, bringt ihnen sicheres Arbeiten bei und zahlt 1,60 Euro je Kilogramm, wie Fair-Trees-Gründerin Marianne Bols sagt. «Von jedem in Europa verkauften Weihnachtsbaum kommen 67 Cent wieder nach Georgien zurück.» Davon ist zum Beispiel eine Zahnarztpraxis in Ambrolauri eingerichtet worden, die Kinder kostenlos behandelt.

Die Männer bringen in einer Saison 2000 bis 3000 Lari (650 bis 950 Euro) nach Hause. Doch für die Familien ist die Zapfenernte eine Zeit des Bangens. Murusidses Frau Tamar Janelidse kümmert sich dann allein um die Kinder. Die Englischlehrerin hat gehört, dass andere Pflücker ihren Mann «Eichhörnchen» nennen, weil er gar so hoch in die Wipfel steigt. «Das ist alles gar nicht sicher», sagt sie. «Ich habe Angst, dass er abstürzt.» Wie die meisten Ehefrauen hat sie die Arbeit ihres Mannes noch nie gesehen. Und Nino Kobachidse ist froh, dass ihr Mann bei der dänischen Hilfsorganisation untergekommen ist: «Er ist jetzt sicher, wenn er auf die hohen Bäume klettert.»

Von Irakli Absandse

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