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Wirtschaft Brandenburgs Jäger schießen Wildschweine im Akkord
Nachrichten Wirtschaft Brandenburgs Jäger schießen Wildschweine im Akkord
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13:34 10.10.2018
Um sich vor der Schweinepest zu schützen, sollen Wildschweine verstärkt bejagt werden. Quelle: Bernd Settnik/dpa
Potsdam

Brandenburgs Jäger haben ihren Kampf gegen die drohende Afrikanische Schweinepest deutlich verstärkt: Fast 90.000 Wildschweine wurden in der zurückliegenden Jagdsaison abgeschossen. Das ist ein Rekordwert, wie Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) erklärte: „Das gab es in Brandenburg noch nie, bereits jedes zweite erlegte Stück Schalenwild zählt zu den Schwarzkitteln.“ Zum Schalenwild zählen neben Wildschweinen unter anderem noch Hirsche oder Rehe.

Als Vorsichtsmaßnahme gegen die Schweinepest will das Land den Bestand der Wildschweine deutlich reduzieren. Denn das würde im Falle eines Ausbruchs das Risiko der Verbreitung der Krankheit und damit ein Übergreifen auf Hausschweinbestände deutlich reduzieren.

50 Euro pro erlegtem Schwein

So erhalten Jäger pro erlegtem Wildschwein in den meisten Landkreisen eine Prämie in Höhe von 50 Euro. Den Jägern wurde erlaubt, bei Dunkelheit mit Taschenlampen auf die Pirsch zu gehen. Außerdem wurde die Schonzeit für Bachen, die keine Frischlinge mit sich führen, aufgehoben. Damit seien hinderliche Restriktionen ausgeräumt worden, so Vogelsänger: „Ein großes Lob an die vielen aktiven Jäger und Jagdhelfer, die sich mit viel Leidenschaft und hohem zeitlichen Einsatz bemüht haben, die Schwarzwildstrecke zu erhöhen“, sagte er.

Die Afrikanische Schweinepest hatte sich im vergangenen Jahr in Polen ausgebreitet und war jüngst auch in Belgien festgestellt worden. In Deutschland gibt es noch keinen dokumentierten Fall. Die Krankheit ist zwar für Menschen ungefährlich. Allerdings kann der für Tiere tödliche Erreger auf Hausschweine übergreifen. Als die Pest etwa in Estland ausbrach, kam die Schweineproduktion faktisch zum erliegen. Von 900 Betrieben blieben 140 übrig. Als Reaktion auf das Auftreten der Krankheit in Belgien hatten mehrere Länder, darunter Großmärkte wie China und Südkorea, ein Einfuhrverbot für belgisches Schweinefleisch verhängt.

Waschbär breitet sich immer weiter aus

Die Rekord-Jagdbilanz ist allerdings für die Jäger keinen Grund, die Flinte nun weniger oft einzusetzen. Eine hohe Zahl an erlegten Tieren ist auch ein Zeichen dafür, wie groß die Population ist. Die intensive Bejagung des sehr anpassungsfähigen Schwarzwilds habe deshalb auch in den kommenden Jahren oberste Priorität, hieß es aus dem Ministerium.

Wie die Jagdbilanz für die Saison 2017/18 auch zeigt, breitet sich der Waschbär in Brandenburg immer weiter aus. 35.785 Tiere schossen die Jäger ab – ein neuerlicher Rekord und ein Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am häufigsten trat das Raubtier demnach im Landkreis Barnim auf, wo allein rund 5000 Tiere niedergestreckt wurden. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl der erlegten Waschbären landesweit noch bei rund 10.000.

Prämie kommt aus Sicht der Jäger zu spät

Welchen Anteil die ausgelobte Prämie an der hohen Abschussquote beim Wildschwein hat ist aber umstritten. Sie war erst im Frühjahr ausgeweitet worden, dürfte also auf die vergangene Saison keine allzu großen Auswirkungen gehabt haben, schätzt Matthias Schannwell, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. „Eigentlich kam die Prämie im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest zu spät“, sagte er. „Vielleicht hat sie den einen oder anderen Jäger aber zusätzlich motiviert.“

Mit einiger Sorge blickt der Verbandschef auf die kommende Entwicklung. Denn in diesem Jahr ist der Futtervorrat an Eicheln für die Schweine hervorragend. „Wir werden Schwierigkeiten haben, die Tiere vor die Flinte zu bekommen. Sie werden bis ins nächste Jahr hinein Fraß finden“, so Schannwell. „Ich fürchte, dass wir im kommenden Jahr nicht auf eine so hohe Zahl kommen werden.“

Durch die hohen Abschusszahlen wird es für die Jäger schwieriger, das Fleisch zu vermarkten. Die Preise sinken, der Markt ist übersättigt. Dabei sei Wildbret im Vergleich zu industriell hergestelltem Fleisch aus der Tiermast qualitativ höherwertiger und gesünder. „Mehr Bio als Wildfleisch geht nicht“, sagte Schanwell.

Von Torsten Gellner

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