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Schwere Verstöße gegen Tierschutz auf Gut Jämlitz

Agrarindustrie Schwere Verstöße gegen Tierschutz auf Gut Jämlitz

Die Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ hat erschütternde Filmaufnahmen aus der Putenmastanlage auf Gut Jämlitz (Ostprignitz-Ruppin) veröffentlicht. Thomas Storck, Chef des Hofs, hat die Vorwürfe inzwischen eingeräumt, schiebt die Schuld aber auf andere. Das Pikante: Storck ist ein hoher Agrarfunktionär.

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Quelle: dpa (Archivfoto)

Potsdam. Schwere Verstöße gegen den Tierschutz im brandenburgischen Gut Jämlitz in Roddahn (Ostprignitz-Ruppin). Der Chef des Hofs, Thomas Storck, räumte nach Vorwürfen von Tierschützern die Missstände in seinem Betrieb ein. Die Verantwortung für teils dahinsiechende und sterbende Puten habe aber bei seinen Mitarbeitern gelegen, die seine Anweisungen missachtet hätten, erklärte Storck am Freitag. Die betreffenden Tierbetreuer habe er Anfang des Jahres entlassen. Storck ist auch Präsident des Verbands Deutscher Putenerzeuger und Vize-Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG).

Entzündungen und blutende Wunden

Hintergrund sind heimliche Videoaufnahmen von Tierschützern der Organisation „Animal Rights Watch“ in Storcks Betrieb aus dem vergangenen Jahr, die Puten etwa mit Entzündungen oder offenen, handtellergroßen, blutenden Wunden zeigen. Einige Tiere würden apathisch auf dem verkoteten Boden liegen und auf ihren Tod warten, hieß es. „Es sind aus Sicht eines Putenhalters schlimme Bilder“, sagte Hof-Chef Storck.

„Animal Rights Watch“: Keine Einzelfälle

Die Vorwürfe der Aktivisten betreffen deutschlandweit insgesamt zwölf Schweine-, Puten- und Hühneranlagen, die bedeutenden Vertretern von Landwirtschaftsverbänden gehören. „Die Bilder beweisen, es handelt sich keineswegs um Einzelfälle“, sagte eine Sprecher von „Animal Rights Watch“. Über die Anschuldigungen hatten zuerst NDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Demzufolge haben unabhängige Tierschutzexperten auf einigen der Aufnahmen eindeutige Gesetzesverstöße erkannt. In Thüringen prüft das für den betroffenen Betrieb von Landesbauernpräsident Helmut Gumpert zuständige Landratsamt die Vorwürfe.

Schweine fressen sich gegenseitig

Betroffen ist auch der Hof des Vorsitzenden des Zentralverbands der deutschen Schweineproduktion (ZDS), Paul Hegemann, der das Entstehen der Bilder bedauerte. Die Videoaufnahmen zeigen Schweine mit Geschwüren oder entzündeten Augen; außerdem fressen sich die Tiere gegenseitig.

Reaktionen

„Derartige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz – sollten sie zutreffen – dürfen wir keinesfalls tolerieren.“

Christina Jantz-Herrmann,

Tierschutzbeauftragte SPD-Bundestagsfraktion

„Das ältere Bildmaterial stammt offenbar aus widerrechtlichem Eindringen in Ställe im Jahr 2015. Erkrankte Tiere wurden nachweislich ordnungsgemäß behandelt und tiermedizinisch versorgt. Die Betriebe haben Praktiken bereits vor längerer Zeit abgestellt.“

Erklärung Deutscher Bauernbund

„Die grausamen Enthüllungen zeigen einmal mehr die gravierenden Missstände im System der industriellen Massentierhaltung.“

Anton Hofreiter,

Grünen-Fraktionschef im Bundestag

Von Gudrun Janicke

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