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Sexistische Werbung: Maas-Vorstoß erntet Unverständnis

Bestimmte Motive sollen verboten werden Sexistische Werbung: Maas-Vorstoß erntet Unverständnis

Leicht bekleidete Frauen, die für Autos werben – geht es nach Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) soll Werbung mit sexistischen verboten werden. Über einen entsprechenden Gesetzesentwurf will die Regierung bald beraten. In der Wirtschaft wird darauf mit Unverständnis reagiert, von Geschmacksvorschrift ist die Rede.

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Werbung wie diese will Bundesjustizminister Maas (SPD) nicht mehr auf der Straße haben.

Quelle: Imago

Berlin. „Sex sells“ ist einer der ältesten Grundsätze der Werbebranche. Die Beispiele für nackte Haut als Hingucker sind ebenso zahlreich wie peinlich: Leicht bekleidete Frauen stehen sinnlos neben Baugerüsten, Autofelgen, Werkzeugen. Eine Brünette in Dessous wirbt für einen Tierfuttermarkt mit dem Satz „Hier gibt’s Frischfleisch“. Solche sexistischen Motive will Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) jetzt verbieten.

Sexistische Werbung

Justizminister Heiko Maas (SPD) will sexistische Werbung verbieten lassen. Richtig so?

Gesetzesänderungen stoßen auf Kritik

Doch der im aktuellen „Spiegel“ bekannt gewordene Vorstoß zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb stößt auf Kritik. Das liegt auch an seiner Begründung: Unter dem Eindruck der Kölner Silvesterübergriffe beschloss der SPD-Parteivorstand Mitte Januar auf einer Klausur im havelländischen Groß Behnitz Maßnahmen zur „gesellschaftlichen Modernisierung“. Dort wurde auch die schon lange bestehende Forderung nach einem „Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung“ aufgenommen. Dafür lobbyiert vor allem die Initiative „Pinkstinks“. Deren Chefin Stevie Schmiedel will verhindern, dass „Frauen als Dekoration“ für Produktwerbung benutzt werden. „Nackte Haut ist per se nicht das Problem. Es gibt wunderschöne Werbung mit nackter Haut. Aber es prägt das Frauenbild, wenn weibliche Körperteile rein als Blickfang verwendet werden.“

Geschmacksvorschriften werden abgelehnt

Maas’ Vorstoß aber trifft parteiübergreifend auf Unverständnis: „Die SPD scheint aus den Fehlern der Grünen nicht zu lernen. Die Bevölkerung möchte zu Recht möglichst wenig Vorschriften“, meint Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), ein früherer Werber. Heilmann sagt der „Bild“-Zeitung: „Wir brauchen weder einen Veggie Day noch Geschmacksvorschriften für Werbeplakate.“ Doch auch die Grünen lehnen den SPD-Vorschlag ab: „Ich wäre vorsichtig, den Tatbestand des Sexismus in der Werbung per Gesetz zu definieren und durchsetzen zu wollen“, sagte Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Statt dessen sollte der Werberat schärfer und sensibler handeln.“

Der Staat muss die Werbe-Bilder nicht vorsortieren

Der Werberat ist das Organ für Selbstdisziplin des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Er geht Beschwerden nach, fordert Firmen zum Ändern ihrer Kampagnen auf und spricht als letztes Mittel eine öffentliche Rüge aus. Durchsetzungsmöglichkeiten hat er nicht. So fährt der vor einem Jahr öffentlich gerügte Tierfutter-Transporter mit dem „Frischfleisch“-Model nach wie vor durch Mecklenburg. „Wir wollten eine Werbung, die nicht jeder hat“, sagt der Firmenchef. „Außer dem Werberat hat sich niemand bei uns beschwert.“ ZAW-Geschäftsführer Manfred Parteina nennt die Werbeverbot-Pläne einen „geplanten Missbrauch des Wettbewerbsrechts für Werbezensur. Die Bürger brauchen nicht den Staat, damit er ihnen Werbebilder vorsortiert und vorschreibt.“

Auch einen anderen Vorstoß lehnt der ZAW ab: Tabakwerbung soll ab 2020 auf Plakaten und im Kino untersagt sein. Das plant Bundesverbraucherschutzminister Christian Schmidt (CDU). Werber und Tabaklobbyisten sprechen von einem verfassungswidrigen „Totalwerbeverbot“. Weiter erlaubt wäre Werbung an Verkaufsstellen wie Tabakläden und Tankstellen. Auch Werbung für E-Zigaretten soll unter das Verbot fallen.

Von Jan Sternberg

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