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Shoppen oder Verzicht? Der Kauf-Nix-Tag ist umstritten

Gesellschaft Shoppen oder Verzicht? Der Kauf-Nix-Tag ist umstritten

Knapp vier Wochen vor Weihnachten soll der Kauf-Nix-Tag die Konsumenten pünktlich zur Shopping-Hochzeit zum Nachdenken anregen. Der 24-stündige Einkaufsboykott schert Handel und Konsumenten zwar wenig, Umweltorganisationen wie Greenpeace sehen aber schon Erfolge.

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Konsum muss nicht immer sein, sagen die Initiatoren des internationalen Kauf-Nix-Tags.

Quelle: Marc Müller

Nürnberg. Der schnelle Kaffee zum Mitnehmen beim Bäcker, die Hose aus dem Kaufhaus im Sonderangebot, der Glühwein am Abend auf dem Weihnachtsmarkt: Wer den Kauf-Nix-Tag unterstützen möchte, sollte auf all das am Samstag verzichten.

Aus Protest gegen den Kaufrausch soll der letzte Samstag im November alljährlich eine kleine Auszeit vom Shopping-Wahn bringen - rechtzeitig zum Start des Vorweihnachtstrubels. Allerdings ist der seit 1997 mit vereinzelten Aktionen in Deutschland begangene Aktionstag nur wenigen bekannt. Und die Konsumfreude der Deutschen zur Weihnachtszeit scheint weiter ausgeprägt vorhanden zu sein - trotz wachsender Sorgen um die Konjunktur.

Die Verbraucherstimmung hat sich insgesamt zwar erneut leicht eingetrübt, wie das Marktforschungsinstitut GfK am Freitag mitteilte. Doch die Deutschen wollen auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit wieder kräftig shoppen, rund 274 Euro planen sie laut GfK für Geschenke ein. Das sind zwar elf Euro weniger als im Vorjahr, allerdings spendeten die Menschen in diesem Jahr deutlich mehr. Die Neigung zu größeren Anschaffungen stieg pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

So werden auch verkaufsoffene Adventssonntage in diesem Jahr wieder die Kassen der Geschäfte klingeln lassen: Nach GfK-Berechnungen dürfen sich die Händler auf rund 14,3 Milliarden Euro Umsatz im Weihnachtsgeschäft freuen. Doch während der Handelsverband kritisiert, dass die gesetzliche Ausnahmegenehmigung für Kaufrausch-Sonntage von den Kommunen nicht voll ausgenutzt werde, würde Umweltökonom Niko Paech von der Uni Oldenburg diese am besten ganz abschaffen.

"Wir sind so reizüberflutet, wir leiden unter Konsumverstopfung und Konsum-Burn-Out" sagt er. Ladenöffnungszeiten zu verringern bedeute ja nicht die Abschaffung des Konsums. "Man fängt sogar an, den Konsum wieder zu genießen", meint Paech. Beim Kauf-Nix-Tag geht es dem Wachstumskritiker vor allem um die symbolische Bedeutung. Dass der Motto-Tag auch wegen seiner geringen Bekanntheit keine ökonomischen Auswirkungen für den Handel habe, sei klar. Einkäufe einen Tag aufzuschieben sei ebenfalls nicht der Sinn der Sache. Vielmehr müsse Aufmerksamkeit dafür geweckt werden, "dass wir brutal über unseren Verhältnissen leben, vor allem ökologisch", sagt Paech.

Beim Kauf-Nix-Tag gehe es darum, eine neue Balance zu finden, meint auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Konsumenten müssten mehr darauf achten, nicht mehr nur "Ver-Braucher" zu sein und mit dem eigenen Konsum so Ausbeutung und das Geiz-ist-geil-Syndrom zu unterstützen. Kleidung zum Beispiel könne wieder mehr wertgeschätzt werden, wenn man sie pflege und repariere.

Die Organisation sieht schon kleine Erfolge. "Konsumverzicht löst inzwischen kein Entsetzen mehr aus", sagt Greenpeace-Aktivistin Kirsten Brodde. Gebraucht statt neu, Qualität statt Quantität, leihen, tauschen, selber machen - das alles seien moderne Mottos, die auch ihre Unterstützer fänden.

Doch ist solch ein minimalistischer, konsumarmer Lebensstil mit Blick auf die Wirtschaft auch massentauglich? Kritiker sagen: Wenn alle Menschen nur das kauften, was sie zum Überleben brauchen, würde das europäische Wirtschaftssystem nicht mehr funktionieren. Paech meint dagegen: "Unser Wirtschaftssystem bricht zusammen, wenn wir weiter so konsumieren wie jetzt." Zu viele ökologische Probleme seien ungelöst.

"Alle Ressourcen auf der Welt sind endlich, und im Moment verbraucht die Wachstumsgesellschaft mehr, als da ist." Beim Weihnachtsshopping rät er deshalb dazu, nur das zu kaufen, was man auch selbst reparieren könne. Und am besten: "Etwas schenken, was man selbst produziert hat."

dpa

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