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Wirtschaft Stehen Kfz-Versicherungen vor dem Aus?
Nachrichten Wirtschaft Stehen Kfz-Versicherungen vor dem Aus?
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09:51 25.09.2017
Quelle: @ iqoncept - depositphotos.com

Versicherungen im Wandel, aber nicht vor dem Aus

Obwohl die Vision, künftig bloß noch als „Mitfahrer“ in einem Auto zu sitzen momentan noch utopisch klingen mag, ist die Kfz-Branche nur eine Entwicklungsstufe davon entfernt. Bereits jetzt gibt es Wagen, in denen Assistenzsysteme zum Halten des nötigen Abstandes, zur Hilfe bei Spurwechseln und solche für Notbremsungen in Gefahrensituationen den Autofahrer unterstützen. Die Entwicklung hin zum autonomen Fahren ist unumgänglich. Seit 2014 schon ist ein Teil der Autobahn 9 Teststrecke für selbstfahrende Autos. So wird auch die Zahl der Verkehrsunfälle künftig sinken, sind doch beispielsweise 90 Prozent der Kollisionen auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen.

Langfristige Entwicklung

Doch werden Kfz-Versicherungen dann automatisch überflüssig? Sicher nicht! Zum einen wissen Experten der Kfz-Branche wie auch Versicherer, dass diese Revolution im Straßenverkehr nicht von heute auf morgen passieren wird. So gibt es heute und auch künftig zahlreiche Autofahrer, bei denen der Fahrspaß, also auch das Selbersteuern des Wagens, einen hohen Stellenwert hat. Weiterhin stehen nicht jedem die finanziellen Mittel zur Verfügung, sich ein solch hochmodernes Auto anzuschaffen. Experten sprechen momentan von Kosten für die Technik in der Vorstufe im hohen vier- bis niedrig fünfstelligen Bereich. Zuerst sollen zudem Luxusmodelle mit der nötigen Technik ausgestattet werden. Bis jedes Modell selbstständig fahren kann, wird es noch lange dauern.

Weiterhin, wissen vor allem Versicherer, werden etwa Glasschäden, Elementarschäden durch Hagel oder Sturm und Diebstahlschäden nicht zu verhindern sein. Auch grob fahrlässiges Verhalten des Autofahrers in der Interaktion mit dem technischen System ist nicht auszuschließen. Versicherer schätzen zwar, dass durch die automatisierten Systeme weniger, dafür jedoch deutlich teurere Schadensfälle zu regulieren sein werden. Hochsensible Sensoren oder Kameras beispielsweise sind kostenintensiv und müssen in autonomen Fahrzeugen einwandfrei funktionieren.

Wer zahlt dann bei einem Unfall?

Doch wer haftet eigentlich, wenn durch ein vollautomatisiertes Auto ein Unfall verursacht wird? Diese Frage zu klären, könnte künftig schwierig werden. Genaue Richtlinien gibt es bisher nicht. Laufende Gesetzgebungsverfahren deuten zwar darauf hin, dass Hersteller oder Importeure im Zweifel in die Haftung genommen werden – doch wenn beispielsweise Hacker die Software manipulieren oder eben grobe Fahrlässigkeit des Fahrzeugführers nachgewiesen wird, könnte wieder die klassische Haftpflichtversicherung greifen.