Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Streit um hohe Zinsen: Herbe Schlappe für Bausparkasse vor Gericht

Banken Streit um hohe Zinsen: Herbe Schlappe für Bausparkasse vor Gericht

Der Fall schien klar, schließlich war der Bausparvertrag uralt. Doch von wegen: Ein Stuttgarter Gericht schlägt sich überraschend auf die Seite der Verbraucher. Für Bausparkassen ist das Urteil die bisher bitterste Niederlage.

Voriger Artikel
Inflation im März leicht gestiegen
Nächster Artikel
Der Handelsriese Metro soll aufgespalten werden

Seit vergangenem Jahr sind deutsche Gerichte mit einer Klagewelle gegen die Kündigung von Bausparverträgen beschäftigt.

Quelle: Uli Deck/Symbolbild

Stuttgart. Erstmals hat eine Bausparkasse im Streit um gut verzinste Sparverträge eine höherinstanzliche Niederlage hinnehmen müssen.

Die Kündigung eines mit drei Prozent verzinsten Vertrags durch die Bausparkasse Wüstenrot aus dem Jahr 1978 sei unberechtigt gewesen, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart am Mittwoch (Aktenzeichen 9 U 171/15).

Das Urteil in dem Berufungsverfahren war insofern eine Überraschung, als Wüstenrot in erster Instanz rechtbekommen hatte. Zudem hatten andere OLG - etwa in Koblenz, Celle, Hamm und München - zugunsten der Bausparkassen entschieden. Diese Gerichte hatten nur schriftliche Beschlüsse gefasst, da ein mündliches Verfahren aus ihrer Sicht keine Aussicht auf Erfolg hatte. Das OLG Stuttgart fuhr nun eine ganz andere Linie.

Seit vergangenem Jahr sind deutsche Gerichte mit einer Klagewelle gegen die Kündigung von Bausparverträgen beschäftigt, von den etwa 200 Urteilen an Amts- und Landgerichten gingen nach Angaben des Verbands der Privaten Bausparkassen etwa 90 Prozent zu Gunsten der Geldinstitute aus. Die Vergleiche, in denen die Bausparkassen den Kunden weit entgegenkommen, sind hierin aber nicht inbegriffen.

Der strittige Bausparvertrag war seit 1993 zuteilungsreif, die Sparerin hätte also ein Darlehen in Anspruch nehmen können, was sie nicht tat. Knackpunkt in dem Streit ist eine Art Sonderkündigungsrecht (Paragraf 489 im Bürgerlichen Gesetzbuch), bei dem ein Darlehensnehmer zehn Jahre nach Empfang der vollständigen Leistung einen Vertrag kündigen kann.

In der Sparphase eines Bausparvertrags sehen sich die Finanzinstitute als Darlehensnehmer, die Geld vom Kunden bekommen. In dem strittigen Fall ging es um eine Bausparsumme von 40 000 D-Mark (etwa 20 500 Euro), von denen die Sparerin 15 000 Euro als Guthaben einzahlte, dann aber mit den Einzahlungen aufhörte.

Der Richter bemängelte, dass die Kasse der Sparerin nicht längst gekündigt habe, als die Einzahlungen aufgehört hatten. Dadurch habe es das Geldinstitut zugelassen, dass der Vertrag ruhe. Da es das getan habe, könne sich die Bausparkasse nicht später auf ein gesetzliches Kündigungsrecht berufen, so der Richter.

Ein Sprecher der Privaten Bausparkassen sagte, man halte an der Auffassung fest, dass die Kündigungen grundsätzlich rechtmäßig seien. Ein Wüstenrot-Vertreter sagte, man werde das Urteil prüfen. Ob das Finanzinstitut in Revision geht, wollte er nicht sagen. Geschieht dies, müsste der Bundesgerichtshof ein Machtwort sprechen.

Der Anwalt der Klägerin, Filippo Siciliano, bezeichnete das Urteil als absolut richtig. Er ging von einer BGH-Revision aus. "Es bleibt spannend", sagte Siciliano. "Das letzte Wort hat wohl der BGH."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
DAX
Chart
DAX 12.432,00 -0,05%
TecDAX 2.094,25 +0,05%
EUR/USD 1,0896 ±0,00%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LINDE 164,24 +1,63%
DT. POST 32,90 +1,51%
VOLKSWAGEN VZ 145,35 +0,80%
HEID. CEMENT 84,89 -2,27%
FMC 81,33 -1,41%
RWE ST 15,17 -1,40%

Wertpapiersuche

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 133,90%
Crocodile Capital MF 122,38%
Morgan Stanley Inv AF 119,10%
Polar Capital Fund AF 115,25%
Fidelity Funds Glo AF 110,96%

mehr

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Sollte der Flughafen Tegel auch nach Eröffnung des BER offen bleiben?