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Studie: Windkraft fördert Artenschutz

Energiewende Studie: Windkraft fördert Artenschutz

Der Ausbau der Windkraft soll den Klimawandel stoppen, doch selbst Umweltschützer sehen den erneuerbaren Energieträger kritisch. Die Rotoren der hochhaushohen Türme stehen in Verdacht, seltene Vogelpopulationen wie Rotmilan, Seeadler und Uhu zu bedrohen. Eine neue Studie widerspricht dieser These – doch die Untersuchung ist umstritten.

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Vogelschlag an Windrädern: Über das Ausmaß sind selbst Umweltschützer uneins.

Quelle: dpa

Berlin. Der Rotmilan ist im Sinkflug begriffen, so warnt mancher Vogelkundler, und auch Gegner der eingeschlagenen Energiewende fürchten um den Bestand dieser Art und anderer seltener Populationen. Die ungleiche Allianz eint die Kritik an einem angeblich uferlosen Ausbau der Windenergie: weil die hochhaushohen Türme die Landschaft verschandeln, Anwohner mit Lärm plagen und zur Todesfalle für bedrohte Vogelarten werden.

Der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell kann diesen Argumenten nichts abgewinnen. Dass Windkraftgegner den Artenschutz ins Feld führen, um gegen den Ausbau des erneuerbaren Energieträgers zu opponieren, hält das langjährige Bundestagsmitglied für einen Widerspruch. Der Koautor des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes meint: „Die Windkraft ist indirekt auch eine Maßnahme, die den Artenschutz befördert.“

Wer Hans-Josef Fell folgen will, muss mit ihm um die Ecke denken. Was den Bestand seltener Tierarten am stärksten bedroht, darin sind sich führende Wissenschaftler einig, ist die von Menschen hervorgerufene Erderwärmung. Um den Klimawandel zu stoppen, müssen fossile durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Das ist die Gleichung, die Fell aufmacht: mehr Windkraft gleich weniger Erderwärmung gleich besserer Artenschutz.

Aber was ist mit den Vögeln, die in nennenswerter Größenordnung von den Rotorblättern zermetzelt werden, wie Kritiker vorhalten? Für Oliver Kohle ist das ein „Scheinproblem“ – das Schlagwort überschreibt eine Studie, die der Schweizer am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.

Das gut 20-seitige Papier stützt die Position des Grünen Fell. „Der Bestand des Rotmilans in Deutschland ist in den vergangenen 15 Jahren um 40 Prozent angestiegen, parallel zum Bau von 26.000 Windenergieanlagen“, resümiert Kohle. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung in Brandenburg und Berlin: Die Zahl der Brutpaare stieg der Studie zufolge von 1100 bis 1350 im Jahr 2000 auf 1900 in den Jahren 2010 bis 2013 – eine Steigerung um 55 Prozent.

„Das passt überhaupt nicht mit der Theorie zusammen, dass Windkraft den windkraftsensiblen Vögeln schadet“, erklärt Kohle. Zwar gebe es nachgewiesenermaßen Vogelschlag, aber bei den Todesursachen „macht Windenergie nur einen ganz geringen Anteil aus“. Auch die Populationen anderer bedrohter Vogelarten, wie Uhu, Seeadler, Wanderfalke und Schwarzstorch, hätten sich in den vergangen 20 bis 30 Jahren europaweit erholt – obwohl sie zeitweise vor dem Aussterben gestanden haben. Für Kohle steht fest: „Artenschutz und Energiewende gehören zusammen. Man macht die Energiewende für den Artenschutz.“

Kohle selbst ist mit seinem Ingenieurbüro KohleNusbaumer aktiv an der Projektierung von Windkraftanlagen beteiligt – was ihm Kritiker wie Lars Lachmann vom Naturschutzbund (Nabu) vorhalten, der die Studie als „interessengeleitetes Lobby-Papier“ verurteilt. Der Vogelschutzexperte beruft sich auf eine andere frühere Untersuchung, wonach allein in Brandenburg pro Jahr 320 Rotmilane an Windkraftanlagen verenden. Bundesweit sollen es mehr als 1000 Todesfälle sein, bei einem Bestand von 12.000 bis 18.000 Vögeln.

Auch die – bislang unveröffentlichte – Studie mit dem Titel „Progress“ im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums kommt zu dem Schluss, dass die Rotmilan-Bestände unter dem Windkraftausbau zu leiden haben.

Für einen Ausbaustopp sind Kritiker wie Lachmann allerdings nicht. Er verweist auf das „Helgoländer Papier“ der Länderarbeitsgemeinschaft der staatlichen Vogelschutzwarten, das Mindestabstände zwischen sensiblen Vogelvorkommen und Windrädern empfiehlt. „Wir können nicht uferlos und unreglementiert Windkraft ausbauen“, meint der Grüne Fell. „Das passiert aber auch nicht in Deutschland.“

Protest in Potsdam

23.061 Brandenburger haben bislang an dem Volksbegehren gegen Windräder im Wald und für größere Mindestabstände beteiligt, wie der Landesabstimmungsleiter zur Halbzeit mitteilte. Die im Januar gestartete Unterschriftensammlung läuft noch bis 7. Juli. Benötigt werden 80 000 Unterschriften.

Die meisten Unterstützer hat das Volksbegehren in den Landkreisen Potsdsam-Mittelmark (2,18 Prozent Abstimmungsbeteiligung) und Teltow-Fläming (1,98). Landesweit sind es 1,10 Prozent.

An diesem Samstag, 10 bis 13 Uhr, demonstrieren die Initiatoren auf dem Bassinplatz in Potsdam. Im Rahmen der Aktion wird darüber informiert, wie sich Brandenburger am Volksbegehren beteiligen können.

Von Bastian Pauly

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