Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft Studie zeigt: Neun von zehn Euro-6-Dieseln zu schmutzig
Nachrichten Wirtschaft Studie zeigt: Neun von zehn Euro-6-Dieseln zu schmutzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:16 04.09.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Berlin

Die Umweltorganisation ICCT, die den Abgas-Skandal 2015 mit ins Rollen brachte, hat Messdaten von Behörden und anderen Organisationen in Europa für insgesamt 541 Diesel-Pkw der Normen Euro 5 und 6 ausgewertet. Im Schnitt stoßen die Euro-6-Diesel auf der Straße demnach 4,5 mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) aus, als die Norm vorgibt, 90 Prozent der Fahrzeuge reißen den Labor-Grenzwert auf der Straße.

Illegal ist das nicht, da erst seit September in der EU für Neuzulassungen die Abgasnorm auch für den Ausstoß auf der Straße maßgeblich ist. Zudem dürfen die Stickoxid-Werte weiterhin um einen sogenannten Konformitätsfaktor über den Grenzwerten liegen. Allerdings gelten die teils drastischen Überschreitungen im Alltag als Grund dafür, dass die Luft in vielen Städten trotz immer strengerer Grenzwerte schmutziger ist, als die EU erlaubt. Gerichte könnten deswegen die Politik zu Fahrverboten zwingen.

„Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse, basieren nun aber auf einer sehr großen Anzahl an Fahrzeugtests und erlauben damit auch Rückschlüsse auf das durchschnittliche Emissionsverhalten einzelner Hersteller“, sagte der Geschäftsführer von ICCT in Europa, Peter Mock. Die realen NOx-Emissionen einiger Euro-6-Fahrzeuge liegen demnach sogar unterhalb des Grenzwerts, während andere den Grenzwert um das Zwölffache überschreiten. Die 541 Diesel-Pkw repräsentieren 145 verschiedene Modelle.

Die ICCT-Forscher fordern für die Zukunft weitere unabhängige Tests unter realen Fahrbedingungen, die nicht nur den Ausstoß von Stickoxiden, sondern auch von CO2 unter die Lupe nehmen – und zwar von Autos, die Kunden oder Mietwagen-Firmen bereitstellen, nicht die Autobauer selbst. 

Merkel berät mit rund 30 Städten über weniger Diesel-Abgase

Wie Städte hohe Luftverschmutzung wegen Diesel-Abgasen reduzieren können, ist am Montag (11.00 Uhr) Thema eines Treffens von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit rund 30 Oberbürgermeistern. Vier Wochen nach einem ersten Dieselgipfel mit der Autobranche soll es um stärkere kommunale Aktivitäten gehen. Dazu gehört zum Beispiel eine Umstellung von Bussen und Müllwagen auf alternative Antriebe, bessere Angebote im öffentlichen Nahverkehr und für Radfahrer. Mehrere Städte forderten bereits eine stärkere finanzielle Unterstützung des Bundes. Ziel ist, drohende gerichtlich erzwungene Fahrverbote zu verhindern. Zu dem Treffen eingeladen wurden auch mehrere Ministerpräsidenten.

Von RND/dpa

Anzeige