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Trendforscher: Der Osten verschläft digitalen Wandel

Digitalisierung in der Wirtschaft Trendforscher: Der Osten verschläft digitalen Wandel

Bei einem Unternehmertreffen in Potsdam wurde eine neue Studie der Leipziger Denkfabrik „2b ahead“ mit alarmierenden Zahlen präsentiert. Danach fehlt es Führungskräften in Firmen an digitalem Wissen. Dennoch sei die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin gut, sagen die Trendforscher. Größtes Sorgenkind: die kleinen mittelständischen Firmen im Osten. Sie könnten die Digitalisierung „verschlafen“.

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Kaiserbahnhof Potsdam: Rund 100 Unternehmer, Banker und Versicherungsvertreter diskutieren den digitalen Wandel.

Quelle: Julian STÄHLE

Potsdam. Verliert die deutsche Wirtschaft bei der Digitalisierung den Anschluss? Zukunftsforscher des Leipziger Instituts „2b ahead“ haben auf einer Unternehmerkonferenz am Mittwoch im Potsdamer Kaiserbahnhof alarmierende Zahlen präsentiert. Grundlage ist eine aktuelle Befragung von deutschen Unternehmenschefs und Managern. Danach fehlt knapp 30 Prozent der Führungskräfte in Unternehmen das notwendige Wissen für den digitalen Wandel. Rund die Hälfte hat dieses Wissen nur teilweise (51 Prozent). Lediglich jeder fünfte Firmenboss sagt, dass seine Führungskräfte dieses Wissen hätten, um die nötigen Innovationen vorzunehmen. Diese Zahlen seien erschreckend, sagt Studienleiter Michael Carl. Den Entscheidern in Unternehmen fehle es an Risikobereitschaft und Mut zum Querdenken.

Als verschärfend wird angesehen, dass sich nur eine Minderheit von Unternehmen (10 Prozent) das notwendige Wissen für die digitale Transformation systematisch aufbaut. Knapp 70 Prozent der Befragten hält „learning by doing“ für die beste Methode, sich auf den digitalen Wandel vorzubereiten, also das eigene Ausprobieren und Testen. Grundlage der Zahlen ist ein sogenannter Trend-Index, der zweimal im Jahr erhoben wird. Diesmal wurden 176 „Trendentscheider“ von kleinen, mittleren und großen Unternehmen von Mitte September bis Anfang Oktober befragt. Die Zahlen würden einen Trend in Deutschland widergeben, hieß es von den Autoren, seien aber nicht repräsentativ.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sei insgesamt gut, hieß es weiter. Diese haben sich in den Unternehmen gegenüber dem ersten Halbjahr sogar noch verbessert. Genannten werden die Zahl der Mitarbeiter und das Budget für Innovationen. Allerdings sagen nur 32 Prozent der Experten, die Entwicklung werde im nächsten Jahr besser (1. Halbjahr: 47 Prozent).

Eine Einteilung in ost- und westdeutsche Unternehmen wurde bei der Studie nicht vorgenommen. Nach Einschätzung des Zukunftsforschers Sven Janszky fällt die Digitalisierung besonders dem kleinen ostdeutschen Mittelstand, also Unternehmen bis zu 500 Mitarbeiter, schwer. Ein Grund sieht Janszky darin, dass Firmen im Osten viel weniger bereit sind, für solche Themen Geld in die Hand zu nehmen. „Das ist eine Fehleinschätzung der Unternehmen“, sagte Janszky. „Deshalb hinkt der Osten bei der Digitalisierung dem Westen hinterher.“ Er werde von kleinere Firmen oft gefragt, ob für das Thema Innovation nicht irgendwo ein Förderprogramm existiere. „Diese Frage habe ich im Westen nie gestellt bekommen“, so Janszky. In den ostdeutschen Bundesländern habe sich in den vergangenen 25 Jahren eine besorgniserregende Mentalität entwickelt. Innovationsinitiativen müssten kostenlos seien oder vom Staat gefördert werden. Das Problem vieler Firmen sei, kein reales Zukunftsbild von sich zu haben, wohin sich das Unternehmen in zehn Jahren entwickeln wolle. Janszky ist Direktor des Instituts „2b ahead“ in Leipzig und Unternehmensberater. Er hat das Treffen in Potsdam, an dem auch Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube teilnahm, organisiert. Mit dabei waren rund 100 Vertreter von Unternehmen, Banken, Versicherungen und Medien.

Einer war auch Andreas Fischer von der AOK Nordost, zu der Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gehören. „Wir sind von der Digitalisierung unmittelbar betroffen“, sagt Fischer. Inzwischen seien viele Dinge auf die Schiene gebracht worden, wie die „Fit App“, die etwa 10 000 Menschen nutzen würden. „Wir waren schneller als andere gesetzliche Kassen.“ Fischer ist sich sicher: Ein Großteil der jetzigen AOK-Tätigkeiten wird künftig der Kunde digital allein machen.

Von Igor Göldner

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