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VW in den USA: Noch mehr Autos im Visier

Auto VW in den USA: Noch mehr Autos im Visier

Auf den letzten Drücker legt Volkswagen in den USA Vorschläge zur Beseitigung von Manipulations-Software in Diesel-Autos vor. Kurz zuvor wird bekannt, dass 75 000 weitere Fahrzeuge unter Verdacht stehen. In Wolfsburg kündigt der Konzern Sparmaßnahmen an.

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Ein eingeschneiter Volkswagen Tiguan steht in Lübeck bei einem Autohändler.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Washington/Wolfsburg. Für VW wird die US-Baustelle in der Abgas-Affäre immer größer. Die amerikanischen Umweltbehörden haben weitere 75 000 Autos ins Visier genommen.

Bei einem Treffen am Donnerstag hätten Vertreter des Konzerns eingeräumt, dass sämtliche Diesel-Fahrzeuge der Marken VW und Audi mit 3,0-Liter-Motoren aus den Modelljahren 2009 bis 2016 mit einer verdächtigen Software ausgestattet seien, teilten die US-Umweltbehörden EPA und CARB mit. Derweil reichte Volkswagen in den USA kurz vor Ablauf eines Ultimatums erste Vorschläge zur Bewältigung des Abgas-Skandals ein.

Bei den von der jüngsten EPA-Mitteilung betroffenen Fahrzeugen handelt es sich der Behörde zufolge um den Volkswagen Touareg und den Porsche Cayenne sowie um verschiedene Luxusmodelle von Audi. Bereits am 2. November hatten die Umweltbehörden VW und die Konzerntöchter mit einem entsprechenden Verdacht konfrontiert. Bislang war in diesem Fall aber nur wegen etwa 10 000 Wagen der Baujahre 2014 bis 2016 ermittelt worden.

Die Software ist eine andere, als die bereits als Schummelprogramm ("Defeat Device") überführte, deren manipulativen Einsatz bei Emissionstests von etwa 480 000 Diesel-Fahrzeugen mit 2,0-Liter-Motoren VW bereits im September eingestanden hatte. Die zweite verdächtige Software wird "Auxiliary Emissions Control Device" (AECD) genannt und betrifft auch die VW-Premiummarke Porsche. VW hat bislang stets abgestritten, dass die Software, um die es bei den 3,0-Liter-Modellen geht, ein Schummelprogramm ist.

Fest steht: CARB-Testergebnisse zeigten, dass Abgaswerte auf dem Prüfstand auch hier deutlich geringer ausfielen als im Normalbetrieb. Ein Sprecher erklärte aber, bislang könne noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob das - wie bei den 2,0-Liter-Diesel-Modellen - an einer absichtlichen Manipulation liege. Ein Schuldgeständnis von VW liege bislang nicht vor. Auf jeden Fall habe es der Konzern aber versäumt, den US-Behörden den Einbau der strittigen Software vorschriftsgemäß zu melden und müsse nun mit Konsequenzen rechnen.

Ein VW-Sprecher wollte dies am Wochenende nicht kommentieren und verwies auf die Tochter Audi, die das Triebwerk federführend für den VW-Konzern entwickelt hat. Ein Audi-Sprecher bestätigte die Zahl der betroffenen Fahrzeuge aus den Modelljahren 2009 bis 2016. Er bekräftigte jedoch, die beanstandete Software sei jedoch kein Schummelprogramm. Es reagiere auf Umgebungstemperaturen und diene zum schnelleren Warmlaufen des Katalysators in der Aufheizphase. Der Konzern sei über Einzelheiten weiter im Gespräch mit den US-Umweltbehörden.

Der Sprecher widersprach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die Audi-Techniker hätten anerkannt, dass sie "Schummel-Software" eingesetzt hätten. Anders als bei Vier-Zylinder-Motoren könne die Software der Sechs-Zylinder-Motoren nicht erkennen, ob das Fahrzeug auf einem Prüfstand getestet werde. Man habe lediglich anerkannt, dass es sich um Software handele, die nicht ausreichend dokumentiert sei. "Wir gehen davon aus, dass wir an der Software etwas machen müssen", sagte der Audi-Sprecher.

VW legte unterdessen in den USA einen Rückrufplan für die rund 480 000 von der Affäre um manipulierte Messwerte bei Emissionstests betroffenen Fahrzeuge der Modelljahre 2009 bis 2015 mit 2,0-Liter-Motoren vor. Dies teilten EPA und CARB in der Nacht auf Samstag mit. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Die Aufseher haben nun bis zu 20 Geschäftstage Zeit, die Vorschläge zu prüfen. Sie hatten den Wolfsburgern eine Frist bis Mitternacht (Ortszeit) gesetzt. VW hat zum Zeitplan des Rückrufs bislang nur vage Angaben gemacht. VW-USA-Chef Michael Horn hatte bei einer Kongressanhörung am 8. Oktober gesagt, es werde wohl mehrere Jahre dauern, bis die komplizierte Aktion abgeschlossen sei. VW teilte mit, weiterhin voll und ganz mit den Behörden zu kooperieren.

Obwohl das ganze Ausmaß noch nicht abzusehen ist, kommt Volkswagen der Abgas-Skandal bereits teuer zu stehen. Angesichts der immensen Kosten muss der Konzern seine Investitionen kürzen - wenngleich VW-Chef Matthias Müller am Freitag klarmachte, dass vorerst keine massiven Einschnitte geplant seien.

Der Konzern wolle nicht auf Kosten der Zukunft sparen, sagte Müller am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg. Zugleich betonte er: "Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht." Man werde in den nächsten Wochen weitere Ausgaben überprüfen und gegebenenfalls auch streichen oder strecken. In der Abgas-Affäre drohen Milliardenkosten.

Für das kommende Jahr will VW die Sachinvestitionen auf maximal zwölf Milliarden Euro begrenzen. Das sei etwa eine Milliarde Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Müller sagte, VW wolle sich auf die Technologien der Zukunft konzentrieren - das sind die Elektromobilität und die Digitalisierung der Branche mit immer mehr Internet im Auto.

dpa

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