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Wirtschaft Vattenfall will Braunkohle-Geschäft abstoßen
Nachrichten Wirtschaft Vattenfall will Braunkohle-Geschäft abstoßen
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21:01 17.07.2015
Brandenburgs Wirtschaftsminister Gerber (SPD).
Potsdam

Vattenfall macht Druck: Bereits im nächsten Jahr will der schwedische Energiekonzern den Verkauf seiner Braunkohle-Sparte in der Lausitz abgeschlossen haben. Das sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Vattenfall betreibt in der Lausitz als zweitgrößtem Braunkohlerevier Deutschlands fünf Tagebaue sowie vier Braunkohlekraftwerke. In Brandenburg und Sachsen arbeiten 8000 Menschen im Kohlerevier, direkt und indirekt hängen an der Braunkohle 15 000 Arbeitsplätze. In beiden Bundesländern baggert der Energieriese jährlich rund 60 Millionen Tonnen Kohle ab.

Bislang ist nicht bekannt, wer das Kohle- und Kraftwerksgeschäft übernimmt. Vattenfall will aber noch in diesem Jahr einen Käufer finden. Die Sondierungen seien in vollem Gange hieß es. Die Verkaufspläne wurden im vergangenen Herbst bekannt. Die Regierung in Stockholm will, dass der Staatskonzern verstärkt auf erneuerbare Energien setzt. Dazu passt der Klimakiller Braunkohle nicht.

Dringend Entscheidung gefordert

Wie Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) am Freitag nach einer Belegschaftsversammlung am Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) der MAZ sagte, habe ihn nicht überrascht, dass Vattenfall mit dem Verkaufstermin 2016 offen operiere. „Wir brauchen im Interesse der Beschäftigten eine zügige Entscheidung. Eine jahrelange Hängepartie wäre schlecht für die Region“, so Gerber. Ursprünglich wollte Vattenfall bereits 2015 Klarheit schaffen, aber die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ins Gespräch gebrachte Klimaabgabe für alte Kraftwerke habe zu Verzögerungen geführt. Seit die Strafabgabe vom Tisch sei, werde der Verkauf der Kohlesparte offenbar energisch vorangetrieben, so Gerber.

Ganze Dörfer werden in der Lausitz für die Braunkohle abgebaggert. Quelle: dpa-Zentralbild

Der Minister erneuerte sein Forderung an Vattenfall, einen soliden Käufer zu finden, der die Arbeitsplätze sichert und sich für die strukturelle Umgestaltung der Region einsetzt. Bereits im Vorjahr hatte der mitteldeutsche Braunkohleförderer Mibrag sein Interesse an den Lausitzer Gruben und Kraftwerken bekundet. Der tschechische Mibrag-Eigner EPH soll nach Medienberichten bereit sein, die Übernahme zu finanzieren. Kaufinteresse kam auch vom halbstaatlichen tschechischen Stromkonzern CEZ und dem führenden polnischen Energieunternehmen PGE. Auch eine Reihe von Finanzinvestoren soll in den Startlöchern stehen.

Kohlesparte wird separat geführt


In der seit April geltenden neuen Organisationsstruktur von Vattenfall kommt die Braunkohlesparte nicht mehr als Geschäftsfeld vor. Angesichts des Verkaufs wird sie in einer separaten Unternehmenseinheit geführt.

Geschäftsfelder des schwedischen Konzerns sind weiter die Versorgung von Kunden in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Dänemark mit Fernwärme und Strom sowie der Betrieb von 1000 Windturbinen in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien.

Der Konzern erzeugt zudem aus Mit Wasserkraft und Kernernergie Strom. Vattenfall betreibt auch Übertragungs- und Verteilnetze für Enregie in Schweden und in Berlin .


Das Handelsgeschäft von Vattenfall deckt alle Energie-Rohstoffe ab.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Vattenfall Europe Mining, Rüdiger Siebers, betonte in Jänschwalde, dass es bei der Veräußerung nicht um den maximalen Kaufpreis, sondern um den deutlich erkennbaren Investitionswillen eines neuen Eigentümers gehen müsse. Zugleich forderte Siebers vom Bund, die Lausitz bei der Gestaltung des Strukturwandels bevorzugt zu behandeln. Die Braunkohle bietet vielen tausend Menschen in der eher strukturschwachen Region Arbeitsplätze.

Alternative Energie-Zukunft in der Lausitz

Angesichts der massiven Klimafolgen durch die Braunkohleverstromung verlangte die Umweltorganisation Greenpeace von Vattenfall erneut, sich für eine alternative Zukunft der Lausitz einzusetzen. Das Unternehmen sei weiter in der Pflicht, den Strukturwandel für die Zeit nach der Braunkohle mitzugestalten, sagte Energie-Expertin Susanne Neubronner.

Die Bundesregierung hatte sich jüngst darauf geeinigt, dass die Betreiber gegen Ausgleichszahlungen einzelne Kraftwerksblöcke in Reserve halten und dann abschalten sollen. Davon seien „sicherlich“ auch zwei Blöcke des Kraftwerks Jänschwalde betroffen, sagte Betriebsratschef Siebers. Mit der langfristigen Abschaltung der Kohlekraftwerke will die Koalition gut 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Der Bundestag muss dem allerdings noch zustimmen. Die Pläne sind umstritten.

Von Volkmar Krause

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