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Volkswagen gibt bei CO2-Skandal Entwarnung

Auto Volkswagen gibt bei CO2-Skandal Entwarnung

Mehr als einen Monat trug VW die Zahl von 800 000 Autos mit falschen Angaben zum Klimakiller CO2 vor sich her. Am Ende wohl weitgehend grundlos: Die "Unregelmäßigkeiten" sollen weniger umfassend sein.

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Die von VW zunächst auf zwei Milliarden Euro geschätzten Kosten für die CO2-Unregelmäßigkeiten könnten deutlich geringer ausfallen.

Quelle: Jan Woitas/Archiv

Wolfsburg. Kurz vor der Jahreswende kann Volkswagen zumindest bei einer Großbaustelle Entwarnung geben: Anders als ursprünglich befürchtet sind nach Angaben des Konzerns nicht 800 000, sondern nur maximal 36 000 Fahrzeuge von den falschen CO2-Abgaswerten und Spritverbrauchs-Daten betroffen.

Dies teilte VW am in Wolfsburg unter Verweis auf umfassende interne Prüfungen mit. "Abweichungen wurden in den internen Messungen nur bei neun Modellvarianten festgestellt", hieß es. Der Verdacht auf rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben habe sich nicht bestätigt. Zuvor hatte bereits die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (online) darüber berichtet.

Volkswagen habe der Untersuchungskommission der Bundesregierung und dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Ergebnisse vorgetragen, hieß es. Das KBA hält trotz des laut VW geringeren Ausmaßes der CO2-Falschangaben an allen vorgesehenen Nachmessungen fest. "Diese Messungen werden ungeachtet der nunmehr vorliegenden Bewertung durch Volkswagen in vollem Umfang durchgeführt", hieß es vom Bundesverkehrsministerium in Berlin. Für eine abschließende Bewertung - auch zur Frage möglicher Steuer-Nachzahlungen - müssten diese Messungen abgewartet werden.

Fast zeitgleich ernannte der VW-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung auf dem Werksgelände den Stahlmanager Karlheinz Blessing zum neuen Personalvorstand. Ab Januar soll der 58-Jährige den derzeit vakanten Posten übernehmen. Der bisherige Personalchef Horst Neumann war Ende November in den Ruhestand gegangen. In der Zwischenzeit übernimmt VW-Chef Matthias Müller den hoch dotierten Vorstandsposten.

"Dr. Blessing ist eine Persönlichkeit mit hoher unternehmerischer und sozialer Kompetenz", sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch laut Mitteilung. Er übernehme die Aufgabe in einer schwierigen Zeit. Er wolle sich "mit aller Kraft dafür einsetzen", die Erfolgsgeschichte von Volkswagen fortzusetzen, erklärte Pötsch nach der Ernennung.

Auch Niedersachsens Regierungschef und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil lobte die Personalentscheidung: Blessing sei ein "hochkompetenter Manager mit breiten industriellen Erfahrungen". Zugleich zeigte sich Weil angesichts der gesunkenen Zahl an Autos mit CO2-Manipulationen erleichtert: "Gerade diese Frage hatte in den vergangenen Wochen für Verunsicherungen gesorgt, die jetzt weitgehend beseitigt sind."

Blessing selbst sieht bei Volkswagen eine große Bereitschaft für Veränderungen. Seine neue Aufgabe sei eine "große Herausforderung, aber auch Riesenchance", den Konzern umzubauen, sagte Blessing am Saarbrücker Flughafen. "Jetzt weiß jeder, dass das Unternehmen ein Problem hat. Das müssen Sie nicht mehr kommunizieren."

Ob bei VW wegen der immensen Kosten für den Abgas-Skandal auch Arbeitsplätze gefährdet seien, könne er "beim besten Willen" noch nicht sagen, sagte Blessing. Seine Entscheidung, zu VW zu wechseln, sei kurzfristig gefallen.

Blessing tritt sein Amt mitten in der schweren VW-Krise an. Die gesunkene Zahl bei Fahrzeugen mit falschen CO-Angaben löst nur ein Problem des Autobauers. Ungeklärt sind die finanziellen und strafrechtlichen Folgen der Stickoxid-Manipulationen bei mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen. VW hatte hierzu bislang allein für die technischen Nachbesserungen rund 6,7 Milliarden Euro eingeplant, mögliche Schadenersatz- und Strafzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe sind noch nicht berücksichtigt.

Die internen CO2-Messergebnisse sollen laut VW bis Weihnachten unter behördlicher Aufsicht bei einem neutralen technischen Dienst erneut überprüft werden. Anschließend könnten alle Fahrzeuge, bei denen die Richtigkeit der Angaben bestätigt werde, "uneingeschränkt angeboten und verkauft werden". Für alle anderen müssten die Genehmigungswerte noch angepasst werden. Ähnliche Fälle habe es in der Vergangenheit auch bei VW und anderen Autoherstellern bereits gegeben.

Nach Angaben von Volkswagen stoßen die besagten neun Modellvarianten entsprechend dem gültigen Europäischen Prüfzyklus auf dem Prüfstand "im Mittel nur wenige Gramm CO2" mehr aus als bislang angegeben. Dies entspreche zugleich einer Erhöhung des Verbrauchs im Messzyklus von etwa 0,1 bis 0,2 Litern auf 100 Kilometer.

Für den Einsatz auf der Straße bleibe aber alles beim Alten: "Die Realverbrauchswerte der Kunden ändern sich nicht, zudem sind keine technischen Maßnahmen an den Fahrzeugen notwendig", hieß es weiter.

"Es gab anfangs Unplausibilitäten", sagte ein VW-Sprecher auf die Frage, warum man Anfang November überhaupt und ohne Druck von außen an den CO2-Werten von 800 000 Autos gezweifelt hatte, "und es gab Mitteilungen von Mitarbeitern, die sich nicht sicher waren, ob bei Messungen alles mit rechten Dingen zugegangen war."

Damit dürften auch die von VW zunächst auf zwei Milliarden Euro geschätzten Kosten für das Kohlendioxid-Problem deutlich geringer ausfallen. Die ursprüngliche erwartete Ergebnisbelastung habe sich damit nicht bestätigt. Ob dennoch Kosten entstünden, hänge von den Nachmessungen ab.

Zumindest an der Börse stieß die Nachricht umgehend auf positives Echo: Die VW-Vorzüge legten zwischenzeitlich um über sieben Prozent zu. Anfang November war die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Verdachts auf CO2-Falschangaben um zeitweise annähernd 11 Prozent abgesackt.

dpa

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