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Wirtschaft Vollzeitjob mit Minilohn: Was reizt Jugendliche an sozialer Arbeit?
Nachrichten Wirtschaft Vollzeitjob mit Minilohn: Was reizt Jugendliche an sozialer Arbeit?
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00:19 15.09.2017
Zoe Neumann absolviert ein freiwilliges soziales Jahr bei der Feuerwehr in Teltow (Potsdam-Mittelmark). Quelle: Josefine Kühnel
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Potsdam

Wenn der Alarm ertönt, heißt es: Feuerwehrstange runterrutschen, Schutzkleidung anziehen und auf zum Einsatz. Diesen Adrenalinkick holt sich Zoé Neumann aus Teltow (Potsdam-Mittelmark) seit drei Jahren. Da begann sie, sich bei der Jugendfeuerwehr in Teltow zu engagieren. Im Sommer hat sie ihr Abitur gemacht und möchte Medizin in Greifswald studieren. Da ihr der anstehende Auszug aus dem Elternhaus mit 17 Jahren zu früh ist, entschied sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) bei der Feuerwehr. Im letzten Jahr engagierten sich 761 Brandenburger in einem FSJ . Für diesen Einsatz gibt es trotz 40-Stunden-Woche nur ein schmales Taschengeld. Was also motiviert junge Menschen, sich darauf einzulassen?

Schon seit drei Jahren engagiert sich die 17-Jährige ehrenamtlich bei der Jugendfeuerwehr und bei der Freiwilligen Feuerwehr in Teltow. Quelle: Josefine Kühnel

Helfen statt warten: FSJ zur Überbrückung von Wartesemestern

„Ich möchte viel über die Arbeit hier lernen, weil ich mich später weiterhin ehrenamtlich engagieren möchte. Außerdem möchte ich selbstständiger und selbstbewusster werden“, sagt Zoe. Auch Eva Marie Stein aus Beelitz macht ein FSJ. Ihre Motivation war vor allem die Überbrückung ihrer Wartesemester bis zur Zulassung zum Medizinstudium. Sie entschied sich für das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. „Ich möchte viele positive Erfahrungen sammeln und hoffe, schon Teil des Teams zu werden. Ich freue mich auch darauf, bei den Seminaren vom Deutschen Roten Kreuz neue Freundschaften zu schließen“, sagt Eva. Sie wird je drei Monate auf der Geburtsstation und im Kreißsaal hospitieren. „Die Gynäkologie ist auch der Bereich, in dem ich später gern als Ärztin arbeiten möchte“, sagt die Abiturientin.

Eva muss für das Medizin-Studium Wartesemester in Kauf nehmen. Währenddessen absolviert sie ein FSJ im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Bereits bei einem Schülerpraktikum dort merkte sie, dass ihr die Arbeit im Krankenhaus liegt. Quelle: privat

“Die Jugendlichen wirken nach so einem Jahr wie verwandelt“

Dass ein Freiwilligendienst vor allem zur Persönlichkeitsbildung beiträgt, weiß Simone Dittmar, FSJ-Referentin beim Träger Internationale Jugendgemeinschaftsdienste: „Die Jugendlichen wirken nach so einem Jahr wie verwandelt. Allein die Umgewöhnung von der Schülerrolle zum gleichberechtigten Kollegen ist eine ganz neue Erfahrung für sie.“

Jonas Köhler (19) wusste nach dem Abitur noch nicht, wo es hingehen sollte. Deshalb entschied er, sich bei der Grünen Liga in Potsdam für Naturschutz einzusetzen. Quelle: privat

Persönlichkeitsentwicklung oder Ausbeute?

Ob die Hoffnungen der Jugendlichen erfüllt werden können, wissen diejenigen, die ihren Dienst bereits absolviert haben. Einer von ihnen ist Jonas Köhler aus Wildenbruch (Potsdam-Mittelmark). Der 19-Jährige macht ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) beim Netzwerk ökologischer Bewegungen „Grüne Liga“ in Potsdam. Dort ist er etwa für die grafische Gestaltung und Recherche für das Mitgliedermagazin verantwortlich. Nach dem Abitur wusste Jonas nicht, was er mit sich anfangen sollte und wollte sich deshalb für die Natur einsetzen. Hat ihn die Zeit weitergebracht? „Ja, auf jeden Fall. Ich konnte mich so schon vor dem Studium an einen Arbeitsalltag gewöhnen. Bei den Seminarfahrten habe ich viel über ökologische Themen gelernt“, sagt Jonas.

FÖJ-Jahrgang September 2017 der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste Quelle: Internationale Jugendgemeinschaftsdienste Landesverein Brandenburg e.V.

Träger sorgen für Arbeitsmarktneutralität

Ausgebeutet fühlt er sich nicht: „Von dem Taschengeld kann man sicher nicht leben. Deshalb muss die Motivation da sein, sich zu engagieren“, sagt er. Dass Jonas vom FÖJ und nicht von Freiwilligendiensten allgemein spricht, hat einen Grund: „Ich hörte, dass besonders im Pflegebereich viele FSJler als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Außerdem ist die individuelle Betreuung beim FÖJ besser“, sagt Jonas. Diese Vorwürfe hört Simone Dittmar häufig. „Das ist der größte Kritikpunkt. Wir sind als Träger verantwortlich, dass die Arbeitsmarktneutralität für die FSJler gewahrt wird.“ Dies bedeute, dass die Freiwilligen unabhängig von etwa Personalmangel ihrem Ehrenamt nachgehen könnten. Aufgrund seiner positiven Erfahrungen empfiehlt Jonas, ein FÖJ zu machen und gibt den Tipp, sich frühzeitig eine den persönlichen Interessen entsprechende Stelle zu suchen. „Ob es passt, merkt man meist schon im Bewerbungsgespräch, deshalb sollte man da auch unbedingt ehrlich sein“, sagt er. Sein FÖJ hat er im September um ein halbes Jahr verlängert. Danach sei er auch bereit für das Kommunikationsdesign-Studium in Potsdam.

Von Josefine Kühnel

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