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Was passiert eigentlich in dieser rosaroten Röhre?

Umlauftank 2 in Berlin Was passiert eigentlich in dieser rosaroten Röhre?

Viele kennen das markante Gebäude aus der S-Bahn: Auf einer Tiergarteninsel steht ein blaues Haus auf einer rosaroten Röhre. Lange Zeit rostete der „Umlauftank 2“, der in den 70er Jahren erbaut wurde, vor sich hin. Nun wurde er saniert. Unser Reporter hat hineingeschaut.

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Markante Außenhülle: Der Umlauftank stammt aus den 70er Jahren.

Quelle: dpa

Berlin. Ein Architekt muss sein Bauprojekt schon sehr liebhaben, wenn er sogar den Kleidungsstil danach ausrichtet. Hans-Günter Merz trägt ein sattblaues Jackett – die Farbe vom Umlauftank 2 der Technischen Universität Berlin. Das verwaschene Hellrot seiner Cordhose kommt dem Rosa der Röhre, die rechts und links aus dem kastenförmigen Gebäude ragt, zumindest sehr nah. Merz huldigt dem Bau, der von außen wie die Kulisse eines Science-Fiction-Films aussieht, nicht nur modisch. Er zeigt auf den laut dröhnenden Lastenaufzug, dem eine sicherheitstechnisch sinnvolle Klappe vorgebaut ist, und schwärmt: „Jede Maschine, jedes Detail hier ist intelligent gestaltet – es gibt nichts, das keinen Sinn macht.“

Der Entwurf des 1974 errichteten Forschungsgebäudes stammt von dem Berliner Architekten Ludwig Leo. Das Büro HG Merz hat die urtümliche Kreuzung aus Kunst, Industriebau und wissenschaftlichem Gerät instandgesetzt. Die Wüstenrot Stiftung initiierte und finanzierte das Projekt. So hat sie das verwahrlost-verrostete Gebäude, das selbst eingeborene Westberliner zwar vom mit der S-Bahn-dran-Vorbeifahren kennen, aber nicht benennen können, wieder in einen Hingucker verwandelt. Ein Wahrzeichen, das so sperrig und futuristisch wirkt, wie es heißt: UT2.

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Die Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau im Berliner Tiergarten wurde sowohl außen als auch innen aufwendig erneuert. Die TU Berlin will den „Umlauftank 2“ künftig wieder als Forschungseinrichtung nutzen. Wir haben uns im Inneren umgesehen.

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Das Gebäude steht direkt am Wasser auf einer Kanalinsel zwischen den Bahnhöfen Zoo und Tiergarten. Ein touristisch unerschlossenes Fleckchen Hauptstadt mit lauter Orten, die neugierig machen, aber gewöhnlichen Passanten den Eintritt verwehren: Hausboote, eine Schleuse und am Festland der Wirtschaftshof des Zoos, von dem aus 19 000 Tiere mit Futter versorgt werden. Und eben jene Versuchsanstalt, in der Studenten und Mitarbeiter der TU unter anderem mit Schiffsmodellen und Strömungsstärken experimentieren.

Wer zum wissenschaftlichen Kern des 35 Meter hohen Kastenbaus gelangen will, muss das – erstens – dürfen und – zweitens – nach etlichen Treppenstufen erstmal Tief Luft holen. Alfred Kracht, 83, kennt den Weg aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Hier habe ich quasi mein ganzes Leben verbracht“, sagt der Schiffbau-Ingenieur, der einen Jutebeutel mit „Moin Moin“-Aufschrift trägt und sich in der Laborhalle an einem restaurierten grünen Stahlpfeiler anlehnt. Die Steuerungspulte der Maschinen sehen aus wie aus der 60er-Jahre-Kultserie „Raumpatrouille Orion“.

Damals funktionierte Forschung noch nicht digital, sie war Handarbeit. Von 1966 bis 2000 habe er an der TU gearbeitet, in dieser Zeit hätte zum Beispiel Boeing hier mit Tragflügelbooten experimentiert, auch Versuche mit Tieren hätte es gegeben. Tatsächlich haben noch vor kurzer Zeit Wissenschaftler in dem von zwei 2750 PS-starken Schiffsdieseln angetriebenen Umlauftank die strömungsgünstige Fortbewegung von Pinguinen getestet. Forscher aus aller Welt hätten die Bedingungen im UT2 gelobt, sagt Kracht.

Sanierte das ungewöhnliche Baudenkmal

Sanierte das ungewöhnliche Baudenkmal: Architekt Hans-Günter Merz.

Quelle: Maurice Wojach

Und das Äußere? Ein vorsichtiges „Ähm, nun ja“ – so richtig auspacken will Kracht nicht, aber er macht deutlich, dass Baukunst à la Pop-Art Anfang der 70er nicht jeden Berliner verzücken ließ. „Mit der rosa Röhre konnten sich viele nicht so arrangieren.“ Mehr als 40 Jahre später gilt manch eine vermeintliche Bausünde als erfrischend innovativer Gegenentwurf zur Massenware gegenwärtiger Architektur. „Alles ist glatt, ausgelutscht und öde – diese Architektur kommt anders daher, und sie entstand nicht am Rechner“, sagt Star-Architekt Hans-Günter Merz.

Es gebe an diesen Bauten vieles zu entdecken – so habe Ludwig Leo zum Beispiel den UT2 sicherlich bewusst ein paar Meter höher gebaut als das einst von den Nationalsozialisten zu Repräsentationszwecken missbrauchte Charlottenburger Tor, das einen Steinwurf über den Landwehrkanal entfernt steht. Die Architektur der 60er und 70er gelte zurzeit als „hip und cool“, insbesondere der Brutalismus – jener Stil, der besonders kantig, schnörkellos und betonbetont daherkommt. Ein Beleg für die Coolness: Gleich nach Ende der Sanierung trafen sich am Wochenende ein Haufen Fotografen zum sogenannten Instawalk, um in dem sozialen Netzwerk Instagram die Nutzer mit Fotos vom Bauwerk zu beglücken. Nun hat es das UT2 endlich geschafft – es ist ein Wahrzeichen geworden.

Von Maurice Wojach

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