Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wirtschaft Wie findet Europa aus dem Krisenmodus?
Nachrichten Wirtschaft Wie findet Europa aus dem Krisenmodus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:34 27.02.2017
Welches Europa wollen wir? Darüber diskutierten die Zuschauer mit Martin Kotthaus (M.), Marina Kormbaki und Thoralf Cleven. Quelle: Friedrich Bungert
Innenstadt

Angenommen, es gäbe einen europäischen Pass. Würden Sie Ihren Personalausweis dafür eintauschen? Wenn es nach den Besuchern ginge, die am Montagabend im Potsdamer Filmmuseum beisammen saßen, lautete die klare Antwort: ja. Bei einer spontanen Abstimmung hielten die meisten Zuschauer zustimmend grüne Karten in die Höhe. „Ein europäischer Pass wäre doch enorm identitätsstiftend“, sagte eine Besucherin. Ein mit einer roten Karte gewappneter Potsdamer hielt dagegen: „Europa bedeutet doch Vielfalt. Warum soll man diese Vielfalt nicht auch nach außen tragen?“

Steinmeier: „Klinkenputzen für Europa“

„Welches Europa wollen wir?“ – diese Kernfrage stand im Zentrum eines gemeinsamen Forums der MAZ und des Auswärtigen Amts. Die Veranstaltung findet in derzeit ähnlicher Form auch in anderen deutschen Städten statt. Das Auswärtige Amt will dabei Stimmen, Wünsche und Kritik einfangen. „Wir gehen Klinkenputzen für Europa“, hatte der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Reihe in einem MAZ-Interview angekündigt.

Die Zuschauer konnten abstimmen. Quelle: Friedrich Bungert

Also werden Zuhörerbeiträge aus ganz Deutschland gesammelt und Mitte März in einer „Bürgerwerkstatt“ vorgestellt. Angesichts der gefühlt allgegenwärtigen Krisen gibt es genügend Gesprächsstoff, wie MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven und Marina Kormbaki, Politikredakteurin des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), feststellten, als sie durch den Abend führten.

Seit 2009 im ständigen Krisenmodus

Seit 2009 befindet sich Europa im Krisenmodus, räumte Martin Kotthaus, Leiter der Europaabteilung im Auswärtigen Amt, ein. Erst die Finanz-, dann die Flüchtlings-, schließlich die Legitimationskrise, die im Brexit mündete. Aber Europa habe sich trotzdem als handlungsfähig erwiesen, meinte der Diplomat. „Wir haben eine europäische Bankenaufsicht hinbekommen“, so Kotthaus. Und während 2015 an den griechischen Küsten täglich bis zu 2500 Flüchtlinge strandeten, seien es heute nur noch etwa 30. Sein Eindruck: In 90 Prozent der Politikfelder funktioniert die EU.

Diese Einschätzung teilten aber nicht alle Zuhörer. Europa habe kein soziales Programm und müsse dringend eine Antwort für die „Abgehängten“ finden, alles andere würde den Populisten in die Karten spielen, warnte ein Zuschauer. Europa stehe vor einem Epochenwechsel, so der Eindruck einer anderen Besucherin. Ob es Pläne für eine Alternative zur EU gebe? „Auch ich sehe die Probleme“, räumte Kotthaus ein. „Aber einen großen Plan B für Europa sehe ich nicht.“

„Die blöden Idioten aus Brüssel“

Auch wenn es schwierig sei. müsse man weiter an der Einheit Europas arbeiten. „Der Weg dahin ist manchmal strittig bei 28 Mitgliedsstaaten“, so Kotthaus. Man müsse auch damit leben können, dass unpopuläre Entscheidungen der EU in die Schuhe geschoben werden. „Wenn etwas schlecht läuft, waren es eben die blöden Idioten aus Brüssel“, scherzte er.

Und wie verhält es sich nun mit der viel beschworenen europäischen Identität und dem europäischen Pass? Es sei doch ein Trugschluss zu glauben, dass man seine regionale Identität mit einem solchen Pass einfach aufgäbe, meinte ein Potsdamer und verwies auf die kulturelle Vielfalt der Landeshauptstadt: Holländisches Viertel, Alexandrowka, Weberviertel, die italienischen Baustile und so fort: „Und trotzdem sind wir hier Potsdamer.“

Von Torsten Gellner

Mühlenfeld ist ein erfahrener Manager aus der Industrie – doch am politisch kontrollierten BER gelten andere Gesetze. Der Ingenieur ist kein Diplomat. Nun sind wieder Empfindlichkeiten verletzt. Für Mühlenfeld könnte das ernsthafte Konsequenzen haben. Am Mittwoch muss er zum Rapport in den Aufsichtsrat.

27.02.2017

Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ prüft BMW wegen des Brexits, ob der für 2019 geplante Elektro-Mini statt in England in Leipzig, Regensburg oder in den Niederlanden gefertigt werden kann. Die Entscheidung hierüber müsse im zweiten Halbjahr fallen. Eine Konzernsprecherin in München sprach jedoch von Spekulationen.

27.02.2017

Ein Prestigeprojekt droht zu scheitern: Auch im dritten Anlauf sieht es nicht gut aus für die geplante Fusion der Börsen in Frankfurt und London. Wieder einmal könnten zu hohe Hürden der EU den Ausschlag geben.

27.02.2017