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Wirtschaft Mieten in Brandenburg steigen langsamer an als Baukosten
Nachrichten Wirtschaft Mieten in Brandenburg steigen langsamer an als Baukosten
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11:21 05.12.2018
Die Baukosten in Brandenburg steigen an. +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Roland Holschneider/dpa
Potsdam

 In Brandenburg droht auf absehbare Zeit ein Investitionsstau auf dem Wohnungsmarkt: Die Mieten steigen mäßig an, während die Baupreise und Kosten für Handwerkerleistungen in die Höhe schnellen. Auch in einer stark nachgefragten Stadt wie Potsdam stiegen die Mieten nur um 1,8 Prozent an und lagen bei Neuvermietungen bei 6,84 Euro pro Quadratmeter.

„Selbst in Brandenburgs größten Städten können die Neuvermietungsmieten nicht mit der für unsere Branche so wichtigen Entwicklung der Preise für Handwerks- und Bauleistungen Schritt halten“, erklärte Maren Kern, Vorstandschefin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Wenn das so weitergeht, wird die Investitionskraft der Unternehmen mittelfristig leiden.“

Anstieg um 3,5 Prozent

2017 lagen die Mieten bei Neuabschlüssen in Brandenburg bei durchschnittlich 5,61 Euro pro Quadratmeter. Das waren 3,5 Prozent mehr als im Jahr 2016. Das geht aus einer Auswertung von 20.300 Mietverträgen durch den BBU hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Im gleichen Zeitraum nahmen die Baupreise im Land um 3,7 Prozent zu.

Was für die Mieter auf den ersten Blick positiv wirkt, bereitet dem Verband, hinter dem mehr als 300 Wohnungsunternehmen und Genossenschaften in der Region mit 400.000 Wohnungen allein in Brandenburg stehen, Sorgen. Denn die Neumieten halten laut BBU-Vorstand Maren Kern nicht mit der Entwicklung der Kosten mit. Vor der Neuvermietung würden im Schnitt fünfstellige Beträge in die Sanierung investiert, erklärte Kern.

BBU-Chefin: „Brandenburg ist ein Mieterparadies“

Noch schwächer fiel die Entwicklung der abgefragten 238.100 Bestandsmieten aus: Sie lag 2017 in Brandenburg bei 5,03 Euro pro Quadratmeter. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Brandenburger Speckgürtel lebt es sich trotz des großen Zuzugs immer noch deutlich günstiger als in Berlin. 6,44 Euro nettokalt wurden bei Neuverträgen im Schnitt fällig. In Berlin waren es 7,45 Euro. Ein Unterschied von 14 Prozent. Auch im Speckgürtel waren die Mieten um 3,5 Prozent angestiegen.

Jenseits des Speckgürtels liegen die Mieten weiterhin noch einmal günstiger. BBU-Chefin spricht von einem „Mieterparadies“. 5,25 Euro pro Quadratmeter und Monat wurden hier für die Kaltmiete fällig. Das entspricht einer Kaltmiete von 315 Euro im Monat für 60 Quadratmeter. Eine vergleichbare Wohnung im Bestand der BBU-Unternehmen in Berlin würde pro Jahr 1600 Euro mehr kosten.

Wer in Cottbus wohnt, spart 3500 Euro

„Wer in Brandenburg wohnt und in Berlin mit seiner Berufstätigkeit ein Durchschnittseinkommen erzielt, bekommt in Form der günstigeren Miete sozusagen ein zusätzliches Monatsgehalt“, sagte Kern. Wer etwa im letzten Jahr in Cottbus eine Wohnung neu gemietet hatte, sparte im Vergleich zum Berliner Wohnungsmarkt 3500 Euro. Die Mieten lagen hier um 47 Prozent niedriger. In Brandenburg an der Havel lagen die Mieten um 29 Prozent niedriger. 2017 wurde dort jedoch im Bestand der BBU-Mitgliedsunternehmen keine neue Wohnung neu vermietet. „Und dass, obwohl Brandenburg über den ÖPNV sehr gut angeschlossen ist“, sagte Kern.

Insgesamt scheinen die Märker recht zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Das geht aus einer Umfrage unter Mietern und Wohneigentümern hervor. 80 Prozent der Brandenburger fühlen sich demnach „vollkommen wohl“ in ihrem Umfeld. Das ist deutlich mehr als die Zufriedenheit im Bundesdurchschnitt mit 71 Prozent. „Das ist ein beeindruckender Beweis für die hohe Wohnqualität in Brandenburgs Städten, mit der unbedingt mehr geworben werden sollte“, sagte Kern. In Berlin äußerten sich nur 46 Prozent voll zufrieden mit ihrem Viertel.

Wie verlässlich sind die Zahlen?

Die Zahlen des Verbands weichen teilweise stark von anderen Erhebungen zum Mietmarkt in Brandenburg ab. So geht der Immobilienverband Deutschland (IVD) davon aus, dass 2017 in Potsdam im Schnitt für eine Neuvermietung 10 Euro pro Quadratmeter verlangt wurden. Der IVD berücksichtigt aber auch Wohnungen in allen Wohn- und Preislagen, also auch Luxusbauten, während im BBU viele kommunale Wohnungsgesellschaften vertreten sind, die einfache Wohnungen anbieten. In der Fläche hat der BBU auch viele Plattenbauwohnungen im Bestand, in denen noch immer ein großer Leerstand herrscht. Die Mieten im BBU-Bestand lägen im Schnitt 27 Prozent unter dem Marktniveau, hieß es. Die Genossenschaften inserieren auch seltener in Immobilienportalen. Deren Datenerhebungen gehen regelmäßig auch von höheren Werten aus.

Von Torsten Gellner

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