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Wirtschaft Zum Knutschen: So süß sind die Alpakas in der Uckermark
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00:21 31.10.2018
Großer Ansturm im Alpaka Park in Arendsee (Uckermark). Quelle: Jan Russezki
Arendsee

„Määädels“, ruft Bernd Funke auf seiner Weide am uckermärkischen Arendsee. 35 flauschige Alpakas setzen sich in Bewegung und springen über die Wiese auf den 65-Jährigen zu. Ihre Köpfe auf den langen Hälsen und ihre Beine schlackern wild umher. Funkes Alpaka-Park im äußersten Norden Brandenburgs ist Zucht, Streichelzoo und Wollfabrik in einem.

Alpakas sind im Trend. Ihre Frisuren und den Flausch-Faktor hat Bernd Funke in der Uckermark perfektioniert. Sein Alpaka-Park ist Zucht, Streichelzoo und Wollfabrik in einem.

„Eigentlich wollte ich ja einen Pferdehof“, sagt Funke. Doch dann habe er sich auf Rügen in Alpakas verliebt. Sein Lebenslauf lässt das allerdings nicht erahnen. Der ehemalige Forensiker sicherte in Ostberlin 18 jahrelang Spuren an Tatorten. „Ich wollte den Hinterbliebenen helfen die Verbrechen aufzuklären“, sagt Funke. Kurz vor dem Mauerfall ist er wegen politischer Nicht-Eignung entlassen worden.

Sie spucken nicht – zumindest nicht gezielt

„Ich habe ein Jahr zu früh angefangen zu meckern“, erzählt er. Einen Job als Justiziar fand der studierte Staatswissenschaflter nicht mehr. Es arbeitete bei der Post, zog später einen Autohandel auf und betreibt heute eine Tankstelle –neben seiner Alpaka-Zucht. Neid, Streit und Gier in der Großstadt hätten ihn 2005 in die Uckermark geführt.

Nun steht er inmitten einer Herde tierischer Wollknäuel, die ihm die Nasen zum Kuss entgegenstrecken. Die Alpakas aus den Anden Südamerikas sind die kleinen und feineren Geschwister der Lamas. „Alpakas sind viel ehrlicher als Menschen“, sagt Funke. „Sie merken sofort, wie jemand ist und gehen dann neugierig auf Menschen zu. Sie haben einen anderen Draht und spucken auch nicht – naja, zumindest nicht gezielt.“

Knutschen im Alpaka Park: Bernd Funke in seinem in Arendsee (Uckermark) Quelle: Jan Russezki

Einen Draht, den teilweise auch Therapeuten als Alternative zu teuren Delfintherapien nutzen. Funkes Alpakas haben schon ältere Menschen in Pflegeheimen besucht. Auf der Farm schauen auch immer wieder körperlich oder geistig erkrankte Menschen in Begleitung von Therapeuten vorbei. Funke erzählt von einer 14-Jährigen, die in ihrer Kindheit missbraucht worden sei und seitdem nicht mehr gesprochen habe. Nach einem Spaziergang mit dem Alpaka hätten ihre Augen regelrecht geleuchtet. „Sie hat sich so gefreut“, sagt Funke. Als er ihr das Tier abnahm, um es in den Stall zu bringen, habe sie den Namen des Alpakas gerufen. „Ich sehe noch, wie der Mutter Tränen in den Augen standen. Acht Jahre hat das Mädchen nicht gesprochen! Da kriege ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

Alpaka-Zucht ist eine Sucht

Rauchend erzählt Bernd Funke von seiner Zucht: „Es ist wie eine Sucht. Meine Frau muss die Alpakas verkaufen. Ich kann mich nicht von ihnen trennen.“ 47 Alpakas hat Funke bereits – 35 Stuten, 12 Hengste. Jeden Tag arbeitet er zehn bis zwölf Stunden auf dem Hof, auch an Sonn- und Feiertagen, um den Tieren beste Bedingungen zu bieten.

Das Fell der Alpakas wächst gleichmäßiger als das der Lamas, wofür sie besonders gern gezüchtet werden. „Eine gute Ernährung ist das Allerwichtigste für die Wolle“, sagt Funke. Stroh, Heu und täglich 100 Gramm Mineralien wie Eisen und Kupfer verfüttert er an die Alpakas, bis sie mit etwa drei bis fünf Kilogramm Wolle den Flausch-Faktor Hundert erreichen.

Alpakas stehen für witzige Frisuren, Knopfaugen und Flausch-Faktor 100. Quelle: Jan Russezki

Wo Funke früher seine Pistole trug, hängt heute eine Schere. „Ich brauche 30 bis 45 Minuten für ein Alpaka. Deswegen kommt Adam“, gesteht Funke ein. Adam, ein Amerikaner, gibt den Alpakas das, wofür sie bekannt sind: die witzige Frisur. „Die Haare wachsen natürlich nicht von alleine so, man spricht das schon mit dem Scherer ab“, sagt Funke. Der Haarschnitt dauert bei Adam nur zehn Minuten und kostet 25 Euro.

Hund und Katze in der Wollmühle

In 14 Schritten wird die federleichte Alpaka-Wolle dann in der eigenen Wollmühle versponnen. Aber nicht nur seine – Funke hat eine Marktlücke in Deutschland geschlossen: „Es gab niemanden, der kleine Mengen ab 500 Gramm Wolle verarbeiten konnte.“ Es ist Funkes Hauptgeschäft geworden, die Rohwolle von Stroh und Heu zu befreien, sie mit biologischen Mitteln zu reinigen und zu Garn zu spinnen. „Die Wolle kommt aus ganz Europa zu uns”, erzählt Funke. Jeder könne sein Tier nun scheren und sich daraus eine Mütze machen. Auch Hunde- und Katzenbesitzer. „Es geht, solange die Haare drei bis vier Zentimeter lang sind“, sagt er. Ein Gramm Wolle ist dann zwei Meter lang. Er habe so viel Arbeit, dass die Wartezeit ein Jahr betrage. Da gibt es frühestens zum nächsten Winter eine Katzenmütze.

Viele von Funkes Zucht-Kunden schaffen sich ein Alkapa als Haustier an. Da es sich um Herdentiere handele, solle man idealerweise drei Alpakas halten. Man müsse mit einem Auslauf von 1200 Quadratmeter rechnen. Dafür habe man dann den besten Rasenmäher in der Nachbarschaft und immer einen Kuschelpartner, sagt Bernd Funke.

Von Jan Russezki

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