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Nachrichten Wirtschaft Der lange Weg zum Hausarzt in Brandenburg
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12:30 11.03.2018
Blick ins Wartezimmer: Häufig liegen Arztpraxen in Deutschland in der Nähe. Aber in Brandenburg kann es schon mal länger dauern. Quelle: picture alliance / Klaus Rose
Potsdam

99,8 Prozent der Menschen in Deutschland haben einen Hausarzt in weniger als zehn Kilometer Entfernung. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Wieland Schinnenburg hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. Das Ministerium verweist auf eine Auswertung der im Bundesarztregister hinterlegten Adressdaten von Hausarztpraxen.

Demnach wohnten 2016 nur circa 173 000 Menschen in Deutschland – das entspricht etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung – weiter als zehn Kilometer vom nächst erreichbaren Hausarzt entfernt. „Davon betroffen sind neben der Inselbevölkerung vor allem dünn besiedelte Gebiete im Bundesgebiet insgesamt, insbesondere in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen sowie im Grenzgebiet zu Österreich und Luxemburg“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium.

Selbst in Cottbus weist Lücken auf

Tatsächlich zeigt die Auswertung, dass auch Brandenburg eine relativ gute Versorgung mit Hausärzten hat. Allerdings gibt es hier auch viele Lücken im Versorgungssystem – sogar in Städten, bei denen man es nicht vermuten würde. So zählen die Städte Angermünde (Uckermark), Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) oder Forst (Spree-Neiße), ja selbst die kreisfreie Stadt Cottbus zu Gemeinden, bei denen man mitunter mehr als zehn Kilometer unterwegs ist, bis man im Wartezimmer Platz nehmen kann. Dabei sei ausdrücklich zu beachten, dass nicht die gesamte Gemeinde, sondern nur ein – teilweise sehr kleines – Gebiet innerhalb dieser Gemeinde betroffen ist.

Zu den weiteren Orten in Brandenburg, bei denen man zum Teil längere Touren unternehmen muss, gehören Kyritz, Wittstock/Dosse (Ostprignitz-Ruppin), Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark), Milower Land (Havelland) oder Jüterbog und Niederer Fläming (Teltow-Fläming).

Nur in Portugal und Irland gibt es mehr Ärzte pro Einwohner

Den Angaben zufolge ist die Hausarztdichte in der Bundesrepublik mit 1,7 je 1000 Einwohner größer als in den meisten europäischen Ländern. Lediglich in Portugal und Irland liegt der Wert mit 2,4 beziehungsweise 1,9 höher. Nach Ministeriumsangaben ist die Zahl der Hausärzte im ländlichen Raum in den vergangenen Jahren nur geringfügig gesunken – von 16 966 (2012) auf 16 895 (2016).

Demgegenüber steigt die Zahl der zugelassenen medizinischen Versorgungszentren, die seit 2004 zur vertragsärztlichen Versorgung berechtigt sind. Im Jahr 2016 gab es 2490 Zulassung für solche Einrichtungen im ländlichen Raum. Das Bundesgesundheitsministerium kündigt in seiner Antwort an, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum werde „auch in dieser Legislaturperiode“ ein Schwerpunkt sein.

Ärztevereinigung warnt vor Rückzug von Ärzten auf dem Land

FDP-Gesundheitspolitiker Schinnenburg pocht auf konkrete Pläne. „Ich fordere die Bundesregierung auf, für eine verlässliche Datengrundlage zu sorgen und moderne Versorgungskonzepte wie E-Health und mobile Praxen intensiver zu fördern“, sagte er dem RND. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert ein Ende der Budgetierung. Es sei möglich, den wachsenden Bedarf an medizinischer Versorgung zu organisieren.

„Die Voraussetzung dafür ist, dass die Budgetierung der Finanzierung der Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung beendet wird“, sagte der stellvertretende KBV-Vorsitzende Stephan Hofmeister dem RND. „Außerdem müssen wir uns als Gesellschaft der ehrlichen Diskussion stellen, wie wir mit ländlichen Regionen umgehen wollen, aus denen jegliche Infrastruktur immer mehr verschwindet. Es kann nicht erwartet werden, dass es in Orten selbstverständlich Arztpraxen geben soll, in denen keine Bürgerämter, keine Feuerwehr oder Polizei, ja selbst keine Tante-Emma-Läden mehr vorhanden sind.“

Die Große Koalition hat sich auf Anreize für Landärzte geeinigt. Wie das System aussehen soll, ist aber noch unklar. Mediziner, die in „wirtschaftlich schwachen und unterversorgten ländlichen Räumen praktizieren, werden über regionale Zuschläge besonders unterstützt“, heißt es.

Von Rasmus Buchsteiner und Torsten Gellner

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