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00:22 19.04.2019
Seit Montag sammeln auch Umweltverbände Unterschriften für ihre Volksinitiative. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Potsdam

 Auf einmal fliegen alle auf die Bienen: Seit Montag sammeln Umwelt- und Naturschutzverbände Unterschriften für eine Volksinitiative zum Schutz von Insekten. „Das Artensterben findet nicht in fernen Ländern statt, sondern direkt hier in Brandenburg vor unserer Haustür“, sagte der Vorsitzende des NABU-Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, in Potsdam. Die Initiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ strebt eine pestizidfreie Landwirtschaft sowie Gewässerrandstreifen und die Förderung von Ökolandbau an.

Es ist bereits die zweite Unterschriftensammlung. Erst am Freitag hatte ein Bündnis von Landnutzern eine Volksinitiative unter dem Motto „Mehr als nur ein Summen – Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren“ gestartet. Im Gegensatz zu den Umweltverbänden fordern die Landnutzer kein Verbot von Pflanzenschutzmitteln, sondern lediglich deren Reduzierung. Sie fordern außerdem noch mehr Forschung.

Dramatischer Artenverlust

Wo also unterschreiben, wenn man Insekten schützen will? Die Empfehlung von Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben lautet: „Insekten zu schützen und die Kulturlandschaft zu bewahren geht nur gemeinsam. Einseitige Schuldzuweisungen und gesetzliche Verbote sind der falsche Weg“, sagt er. Deswegen unterstütze er und seine Partei die Kampagne der Landnutzer.

Dagegen steht die „Fördergemeinschaft ökologischer Landbau“ hinter der am Montag gestarteten Initiative der Umweltverbände. „Die Dramatik des Artenverlustes ist längst Konsens und bedarf keines Monitorings mehr, sondern erfordert ein rasches Umsteuern in der Agrarpolitik“, sagt FÖL-Chef Michael Wimmer.

Die Bienen-Retten-Kampagne der Landnutzer-Fraktion hält er für eine „Nebelkerze“. Sie setze auf „wohlfeile Forderungen, die keinem wehtun und gegen die grundsätzlich auch nichts einzuwenden ist – die aber leider auch wirkungslos bleiben“, so Wimmer.

Die Initiative der Umweltverbände

Die Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ wird von den Umweltverbänden Nabu, BUND, die Naturfreunde, die Grüne Liga sowie die Aurelia Stiftung organisiert. Die zentralen Forderungen lauten:

Das Pestizidverbot in Naturschutzgebieten soll konsequent umgesetzt und auf die sogenannten FFH-Gebiete ausgeweitet werden, die in Brandenburg eine Fläche von mehr als 330.000 Hektar ausmachen.

Wenn das Land eigene Flächen verpachtet, soll darauf vorrangig Ökolandbau betrieben und damit auf den Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger und Pestiziden verzichtet werden.

Pestizide und mineralische Stickstoffdünger sollen auch an den Rändern von Gewässern auf einer Breite von zehn Metern tabu sein.

Brandenburg soll die Agrarförderung stärker auf eine naturverträgliche Landwirtschaft ausrichten. Dazu gehört auch ein Beratungsangebot für Bauern, wie sie insektenfreundlicher arbeiten können. Der Ökolandbau ohne chemisch-syhntetische Pestizide soll bis 2025 in Brandenburg einen Flächenanteil von 20 Prozent erreichen. Derzeit liegt er bei elf Prozent.

Auch hell erleuchtete Städte irritieren Insekten. Deswegen soll die Lichtverschmutzung eingedämmt werden, fordern die Umweltschützer. Die Kommunen sollen bei der Erstellung von insektenfreundlichen Beleuchtungskonzepten unterstützt werden.

Mit den Landnutzern einig sind sich die Umweltverbände, dass die Flächenversiegelung den Lebensraum von Insekten zerstört. Brandenburg soll dafür sorgen, dass der Flächenverbrauch deutlich reduziert wird, heißt es.

Die Initiative der Landnutzer

„Mehr als nur ein SummenInsekten schützen, Kulturlandschaft bewahren“, diese Initiative wird von einem breiten Bündnis von Landnutzern getragen (etwa Bauernverband, Jagdverband, Gartenbauverband, Schafzuchtverband und Landesanglerverband).

Grundätzlich sehen die Landnutzer noch Forschungsbedarf zu den Ursachen des Artensterbens. Deswegen soll die Arbeit auf diesem Gebiet verstärkt werden. Auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Auswirkungen auf Insekten soll „unabhängig ermittelt werden“, heißt es.

Zentrale Forderung ist ein „Förderprogramm Artenvielfalt“ zur Anlage von Blühstreifen. Jährlich sollen damit 5000 Hektar insektenfreundlicher Flächen geschaffen werden.

Ein Kulturlandschaftsbeirat, in dem Landnutzer und Umweltverbände sitzen, sollen Landtag und Regierung zum Thema Insektenschutz beraten.

Der Flächenverlust durch Straßen und Städtebau ist für die Landnutzer eine der zentralen Ursachen für das Insektensterben. Deswegen fordern sie, dass der Flächenverlust bis 2030 mindestens halbiert wird. Täglich würden durch Versiegelung 60.000 Quadratmeter natürlicher Fläche verloren gehen.

Von Torsten Gellner

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