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Autsch, der Bauch zwickt

Miniserie: Gesunde Ernährung – Teil 1 Autsch, der Bauch zwickt

Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen kommen bei jedem mal vor. Wenn Magen oder Darm häufiger rumoren und die Lebensqualität leidet, ist Ursachenforschung gefragt. In drei Teilen klären wir auf. Heute: Lebensmittel-Unverträglichkeit.

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Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sorgen für ein äußerst unangenehmes Gefühl im Magen-Darm-Trakt – und werden Experten zufolge oftmals übersehen.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Die Regale in den Supermärkten sind voll mit so genannten „Frei von“-Produkten, wie laktosefreier Milch oder glutenfreien Nudeln. Zu den Käufern zählen vielfach Menschen, die regelmäßig an Magen- und Darmbeschwerden leiden. Sie vermuten, dass eine Unverträglichkeit dahinter stecken könnte, dass sie beispielsweise die Laktose in Milch nicht vertragen. Und tatsächlich: „Unverträglichkeiten wie Laktose-Intoleranz und Fruktose-Malabsorption werden bis heute häufig übersehen. Die Ärzte denken oft einfach nicht dran“, sagt Dr. Birgit Terjung, Chefärztin für Innere Medizin an den GFO-Kliniken in Bonn.

Kein Wunder, denn die Forschung ist noch jung: Bis vor zehn, fünfzehn Jahren war zum Beispiel die Laktose-Intoleranz noch relatives Neuland in der deutschsprachigen Wissenschaft. Dabei ist mindestens jeder zehnte Deutsche betroffen. Ihr Körper produziert zu wenig von dem Enzym, das nötig ist, um beispielsweise Milch oder Sahne zu verdauen.

Vor rund zehn Jahren rückte dann auch die Fruktose-Malabsorption verstärkt in den Focus der Mediziner. Bei den Betroffenen löst Fruchtzucker aus Obst, Fruchtsäften oder normalem Haushaltszucker Darm-Beschwerden aus, weil das zur Verdauung nötige Transporter-Protein im Darm nicht richtig arbeitet. Hierzulande leidet nach Schätzungen jeder Fünfte darunter. Und dann gibt es noch das neue Feld der Gluten- beziehungsweise Weizen-Sensitivität: Betroffene haben Beschwerden, nachdem sie Getreide wie Weizen, Gerste oder Roggen gegessen haben, obwohl bei ihnen eine Zöliakie, eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut durch Gluten, ausgeschlossen wurde. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei der Weizen-Sensitivität hoch ist und dass mindestens jeder Zwanzigste davon betroffen ist.

Was tun bei Verdacht auf Lebensmittel-Unverträglichkeit?

Erste Anlaufstelle sollte immer der Hausarzt sein, der die Patienten gegebenenfalls zu einem Gastroenterologen schickt. Ein Gastroenterologe ist ein Internist, der sich auf Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich spezialisiert hat.

Ein Ernährungsprotokoll kann helfen, herauszufinden, welche Lebensmittel möglicherweise für Beschwerden sorgen. Dafür protokolliert man zwei Wochen lang mit Text oder Bild, was man wann gegessen hat und schreibt auf, welche Symptome dabei wann auftraten. Unverträglichkeiten gegen Laktose, Fruktose und den Zuckeraustauschstoff Sorbit lassen sich beim Arzt unkompliziert durch einen Atemtest aufspüren.

Bauchgrummeln, Blähungen, Durchfall

Doch leider ist es nicht immer so einfach: Für Histamin-Intoleranz oder Weizen-Sensitivität gibt es solche Tests nicht. Mehrfach-Unverträglichkeiten und wechselnde Symptome erschweren die Suche zusätzlich: „Jemand, der heute ein histaminhaltiges Lebensmittel nicht verträgt, kann es morgen vielleicht wieder vertragen“, erklärt Professor Joachim Erckenbrecht, Gastroenterologe und stellvertretender Vorsitzender der Gastro-Liga. Helfen können Ernährungstherapeuten, die auf Lebensmittel-Allergien und -Unverträglichkeiten spezialisiert sind (zu finden über die Webseite des Arbeitskreises Diätetik in der Allergologie http://ak-dida.de oder auf Anfrage beim Deutschen Allergie- und Asthmabund, info@daab.de). Empfiehlt der Arzt die Ernährungstherapie schriftlich, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einen Teil der Kosten.

Bei einer Unverträglichkeit kann der Körper bestimmte Lebensmittel nicht richtig verdauen – zumindest nicht in größeren Mengen. Häufige Symptome sind Bauchgrummeln, Blähungen und Durchfall. Zur Zahl der Betroffenen gibt es nur Schätzungen, die zudem extrem voneinander abweichen: mal ist von mindestens 20 Prozent die Rede, mal von bis zu 80 Prozent. Eine Unverträglichkeit ist keine Allergie. Bei einer Lebensmittel-Allergie reagiert das Immunsystem schon auf winzige Mengen eines Allergens (Stichwort: IgE-Antikörper). Die Reaktion reicht von leichtem Kribbeln im Mundraum bis hin zum allergischen Schock. Von echten Lebensmittel-Allergien – zum Beispiel gegen Fisch, Nüsse und Eier – sind mit zwei bis fünf Prozent aller Erwachsenen vergleichsweise wenig Menschen betroffen.

In den nächsten Wochen berichten wir über Reizdarm-Syndrom und falsche Ernährung als mögliche Auslöser für Verdauungsstörungen.

Von Monika Herbst/RND

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