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Wissen Wasserstoff fürs Auto, neues Herpes-Medikament
Nachrichten Wissen Wasserstoff fürs Auto, neues Herpes-Medikament
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14:05 13.09.2018
Wasserstoff als Treibstoff – das verspricht CO2-neutrale Mobilität. Die Sicherheitsrisiken soll nun eine Speichertechnik reduzieren, die auch für den Deutschen Zukunftspreis nominiert ist. Quelle: Deutscher Zukunftspreis
München

Drei möglicherweise bahnbrechende Technologien sind in diesem Jahr für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Den verleiht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 28. November. Es ist eine der wichtigsten Auszeichnungen in der deutschen Forschungslandschaft.

Unterwegs Richtung „Wasserstoffwelt“

Die Weichen für das Auto der Zukunft scheinen gestellt: Elektromobilität. Das geht nicht nur mit Hilfe großer Batterien. Auch Wasserstoff, der über eine Brennstoffzelle einen Elektromotor antreibt, könnte eine Lösung sein – wäre der Treibstoff nicht so schwer zu speichern. Für einen sicheren Transport musste er bisher aufwendig verflüssigt werden muss.

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und der ausgegründeten Firma Hydrogenious Technologies haben nun eine Methode entwickelt, wie Wasserstoff chemisch auf einer Trägerflüssigkeit gespeichert und so gefahrlos transportiert werden kann. Später werde der Wasserstoff von der Trägerflüssigkeit wieder getrennt. Das Speichermedium bleibe als „flüssige Pfandflasche“ erhalten, erläuterte der Chemie-Ingenieur und Teamsprecher Peter Wasserscheid.

Mit der LOHC-Technologie (liquid organic hydrogen carrier) könne bestehende Infrastruktur an Tankstellen, Tankschiffen und -wagen weiter genutzt und so viel Geld gespart werden. Es ermögliche eine „Wasserstoffwelt“ „im Gewand der heutigen Kraftstoffversorgung“. Neun Anlagen für industrielle Zwecke seien schon im Einsatz, neun weitere in Planung oder im Bau, etwa für Deutschland, die USA und China.

Ein neues und effizienteres Zahnrad

Ein Bauteil der neu entwickelten Getriebegattung „Galaxie“, bei der die Einzelzähne vollständigen Flächenkontakt bei der Kraftübertragung haben. Quelle: Deutscher Zukunftspreis

Ein völlig neue Art von Getriebe haben Ingenieure des Antriebsspezialisten Wittenstein aus dem baden-württembergischen Igersheim gebaut. „Wir haben das Zahnrad neu erfunden“, sagt der Ingenieur und Gruppensprecher Thomas Bayer über das Galaxie-Antriebssystem, das für den Zukunftspreis nominiert ist.

Die Idee dahinter: Anstatt wie bisher mit Zahnrädern, die punktuell im Einsatz sind, arbeitet es mit einer Spiralform und Einzelzähnen. Und Statt gegeneinander zu rotieren, gleiten die Zähne in einer Innenverzahnung auf und ab. Dabei greift ständig eine sehr große Zahl an Zähnen ineinander.

„Wir wollten, dass die Zähne möglichst immer im Einsatz sind. Deshalb haben wir sie anders angeordnet“, sagte Bayer. Dabei habe man sich an der Natur orientiert: Die Zähne sind in einer Spirale platziert, wie sie in Wirbelstürmen oder Galaxien vorkommt - die dem Getriebe auch den Namen gaben.

Das Galaxie-Getriebe ist bereits in Dreh- und Fräsmaschinen im Einsatz. Es könne die Leistung um bis zu hundert Prozent steigern. Künftig soll es auch aus Kunststoff gebaut werden, etwa für die Autoindustrie und für leichte, bewegliche Roboter. „Das Potenzial hinter dieser Technologie ist riesig“, sagte Bayer. Sie biete dem Maschinenbau in Deutschland die Chance, weltweit „weiter ganz vorne dabei zu sein“.

Dem hartnäckigen Herpes zu Leibe rücken

Das neue Präparat blockiert die Herpes-Virus-Vermehrung. Und zwar so schonend, dass es auch bei geschwächten Patienten genutzt werden kann. Quelle: Deutscher Zukunftspreis

Das Projekt der aus Bayer hervorgegangenen Firma AiCuris (Anti-infective Cures GmbH) in Wuppertal hat einem Herpes-Virus den Kampf angesagt. Etwa jeder Zweite trage das Cytomegalie-Virus in sich, meist mache es aber keine Probleme, sagte Firmengründerin Helga Rübsamen-Schaeff. Ein gesunder Organismus könne es „gut in Schach halten“. Aber: „Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann es sehr schnell lebensbedrohlich werden.“ Insbesondere nach Knochenmark-Transplantationen haben Patienten keine Immunabwehr.

Das neue Medikament sei das erste, das am ersten Tag nach Knochenmark-Transplantationen gegeben werden könne, um das Virus vorbeugend in Schach zu halten, sagte Rübsamen-Schaeff. Es greife nicht wie bisherige Arzneien ein Enzym an, das auch der Mensch habe, sondern eines, das nur im Virus bestehe.

Arznei ist schon in Europa zugelassen

Bisherige Mittel hätten schwere Nebenwirkungen und würden erst bei Problemen verabreicht. Rund 40.000 Menschen weltweit sind laut Rübsamen-Schaeff jährlich betroffen. Nach ersten Studien sei mit dem Medikament die Überlebenschance signifikant gestiegen.

Derzeit werde der Einsatz bei Nierentransplantationen geprüft. Auch bei HIV-Patienten, Patienten auf Intensivstationen oder Säuglingen könne sich das Virus im Körper ausbreiten, Organe schädigen, zu Lungenentzündung oder einer Augeninfektion bis hin zur Erblindung führen. „Wir glauben, dass auch außerhalb der Transplantationsmedizin Potenzial ist“, sagte Rübsamen-Schaeff. Die Arznei ist bereits unter anderem in den USA, in Europa und in Japan zugelassen.

Von dpa/RND