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Diabetes mit Bewegung lindern

Stoffwechselerkrankung mit Sport lindern Diabetes mit Bewegung lindern

Durch eine Lebensstiländerung lässt sich bei Typ-2-Diabetes viel erreichen – so senken Sport und Ernährung das Risiko für Folgekrankheiten.

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Eine Behandlung mit Insulin ist in vielen Fällen erforderlich.

Quelle: Fotolia

Hannover.  Der Anfang scheint harmlos: Die Haut ist sehr trocken und juckt, hinzu kommen ein starkes Durstgefühl und vermehrtes Wasserlassen. Auch eine unerklärliche Müdigkeit kann zu den ersten Symptomen gehören. Diabetes ist keine Erkrankung, die plötzlich ausbricht. Sie schleicht sich vielmehr in das Leben. Der extreme Durst ist dabei eine Reaktion des Körpers auf eine zu hohe Zuckerkonzentration im Blut: Da die Zellen den Zucker aus der Nahrung nicht mehr ausreichend aufnehmen können, versucht der Körper den überflüssigen Zucker mit dem Urin auszuscheiden.

Nicht jeder Diabetiker muss sofort Insulin nehmen. Besonders wenn der Diabetes früh entdeckt wird, schaffen es manche Patienten, ihren Blutzuckerspielgel mit Ernährung und Sport zu stabilisieren. Von Diabetikern, die bereits auf Insulin angewiesen sind, hört Nicola Haller hingegen oft folgende Frage: „Was meinen Sie, werde ich das wieder los?“ Bei ihrer Antwort legt sich die Diabetesberaterin nicht fest. „Grundsätzlich ist es immer möglich, die Krankheit zu stoppen“, sagt Haller, die auch stellvertretende Vorsitzende von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und zugleich Vorsitzende des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland ist. „Versprechungen mache ich aber nicht.“ Doch sie kennt aus der Praxis auch Erfolgsgeschichten. So betreut sie einen Patienten, der inzwischen Tag für Tag zehn Kilometer läuft. „Wenn er so weitermacht, hat er gute Chancen, vom Insulin wegzukommen“, sagt sie. „Aber so etwas sind Einzelfälle.“

Klar ist, dass Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 durch Bewegung und geeignete Ernährung einen wichtigen Beitrag zur Therapie leisten können. „Vor allem dann, wenn der Diabetes früh entdeckt wird, kann man durch eine Lebensstiländerung viel erreichen“, sagt Prof. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Wird das Programm konsequent durchgehalten, normalisieren sich die Blutzuckerwerte bei manchen Patienten, sodass sie keine Medikamente mehr brauchen.

Besonders beeindruckend sind die Erfolge bei Menschen, bei denen sich die Krankheit erst anbahnt. So zeigten Studien, dass eine Lebensstiländerung einen Großteil der Patienten mit sogenanntem Prädiabetes vor Schlimmerem bewahren konnte: „Bei 60 Prozent konnte dadurch verhindert werden, dass sich in fünf Jahren ein Diabetes entwickelt hat“, berichtet Gallwitz. „Das ist mehr, als Medikamente schaffen.“ Die Patienten hatten die Anweisung, sich unter anderem eine halbe Stunde pro Tag zu bewegen und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die weniger Fett, Weißmehl und Kalorien enthielt.

Derlei Maßnahmen haben mehrere Effekte: Eine ballaststoffreiche Ernährung, die zum Beispiel reichlich Vollkornprodukte enthält, wirkt sich günstig auf die Blutzucker- und Blutfettwerte aus. Außerdem sorgen solche Lebensmittel für ein längeres Sättigungsgefühl und tragen dadurch zur Gewichtsregulation bei.

Diese wiederum kommt dem Zuckerstoffwechsel zugute. Auch Sport hilft beim Abnehmen, und nicht nur das: „Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit im Körper“, erklärt Haller.

Wer regelmäßig Sport treibt, kann den Blutzuckerspiegel senken

Wer regelmäßig Sport treibt, kann den Blutzuckerspiegel senken.

Quelle: iStock

Welcher Ansatz am effektivsten ist, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. „Worauf man am stärksten anspricht, ob eher auf eine Ernährungsumstellung oder auf ein Sportprogramm, muss man letztendlich ausprobieren“, sagt Gallwitz. Von Hungerkuren hält der Diabetologe jedenfalls wenig: „Eine Gewichtsreduktion sollte man über eine Ernährungsumstellung, nicht über eine Crashdiät erreichen“, betont er. „Bei einem extremen Gewichtsverlust ist die Gefahr da, dass der Körper gegenreguliert.“ In der Folge schnellt das Gewicht nach kurzer Zeit dann wieder nach oben, der gefürchtete Jo-Jo-Effekt tritt ein. „Es ist deshalb besser, langsam abzunehmen.“ Haller sieht das genauso und rät, nicht mehr als 5 bis 10 Prozent Gewichtsverlust innerhalb eines Jahres anzustreben.

Nach der Erstdiagnose geben Ärzte Patienten in der Regel drei Monate Zeit, um durch eine Lebensstiländerung die Blutzuckerwerte zu senken. Erst wenn die Umstellung nicht gelingt oder nicht den gewünschten Effekt bringt, werden Medikamente verschrieben: „Es ist dann wichtig, möglichst bald mit der medikamentösen Therapie zu beginnen“, erklärt Gallwitz. Mittel der Wahl ist zunächst Metformin in Form von Tabletten. Der Stoff bewirkt unter anderem, dass der Körper weniger Glukose produziert, und erhöht nicht – wie einige andere Diabetes-Medikamente – das Risiko für eine Unterzuckerung. Erst wenn die Krankheit länger besteht, kann es sein, dass sich ein Patient Insulin spritzen muss.

Immer wieder hört Haller, wie ihre Patienten von „dem bisschen Zucker“ sprechen. „Das regt mich richtig auf. Die Krankheit wird so oft unterschätzt!“, sagt sie. Vom Diabetes selbst spürt man zwar erst mal wenig, doch drohen zahlreiche Folgen. So kann die Krankheit Veränderungen der Blutgefäße sowie Nervenschäden nach sich ziehen und unter anderem zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nierenschäden, Sehstörungen oder zum „diabetischen Fuß“ führen, bei dem Wunden schlecht heilen und Infektionen drohen. Sogar das Risiko für Depressionen und Demenz ist erhöht.

Besonders groß ist die Gefahr für Folgekrankheiten bei Menschen, bei denen der Diabetes spät entdeckt wird, deren Blutzuckerwerte schlecht eingestellt sind und die weitere Risikofaktoren (Bluthochdruck, gestörte Blutfettwerte) haben, wie Gallwitz erklärt. Für sie sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt besonders wichtig, damit die Therapie optimal angepasst wird. Oft geht es darum, neben den Blutzuckerwerten auch Blutdruck und Blutfettwerte durch entsprechende Medikamente zu verbessern. Aber auch in diesem Stadium kann der Patient viel beitragen: „Wer raucht, sollte unbedingt aufhören“, sagt Gallwitz. Ansonsten seien gesunde Ernährung und Bewegung auch bei fortgeschrittener Krankheit „Allroundmedikamente“. „Bewegung verbessert auch die Durchblutung“, erklärt der Diabetologe. Und das verringert wiederum das Risiko, Probleme mit den Füßen zu bekommen.

Von Angela Stoll

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