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Wissen Experte: Extreme Stürme nehmen zu
Nachrichten Wissen Experte: Extreme Stürme nehmen zu
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21:48 08.09.2017
Auch auf Puerto Rico wütete der Wirbelsturm „Irma“ und zerstörte zahlreiche Ortschaften. Quelle: Foto: AP
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Potsdam

Nach seinem verheerenden Zug über die Karibik nimmt Hurrikan „Irma“ Kurs auf den US-Bundesstaat Florida, wo er am Sonnabend nach Einschätzung von Experten „Zerstörungen historischen Ausmaßes“ anrichten könnte. In der Metropolregion Miami riefen die Behörden 650 000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser auf. Es handele sich dabei um die größte Evakuierung in der Geschichte der Region, sagte Carlos Giménez, Bürgermeister von Miami-Dade.

Potsdamer Klimaforscher prophezeien, dass solche gigantischen Stürme in Zukunft Normalität werden könnten. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagte am Freitag der MAZ, er gehe davon aus, dass solche Wetterextreme weiter zunehmen werden. „Der Hurrikan Irma ist der stärkste Wirbelsturm, den wir je gemessen haben.“ Besonders an ihm sei auch, dass er über lange Zeit mit solcher Kraft wüte. „Das ist ein wirkliches Monster.“ Die Gefahr für die Menschen in Florida sei sehr hoch. „Diese Art von Hurrikan kann nicht einmal ein Steinhaus unbeschadet überstehen, wenn es von der vollen Wucht des Sturms getroffen wird.“

Levermann erklärt, durch die globale Erwärmung komme immer mehr Energie ins globale System. „Das bedeutet, der Ozean wird wärmer. Es steht mehr Energie für Hurrikane zur Verfügung.“ Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas erhöht nach seinen Worten die Temperatur des Planeten und liefert damit Energie für immer stärkere tropische Stürme. Levermann betont: „Der Klimawandel verursacht die Stürme nicht, aber er kann die Hurrikans verstärken.“ Diese dramatische Entwicklung lasse sich nur stoppen, wenn keine Kohle mehr verbrannt werde. „Wenn wir das Pariser Klimaabkommen noch einhalten wollen, dann müssen wir aus der Kohle raus. Man kann nicht aus Bequemlichkeit den Leuten sagen, das mit der Kohle ist in Ordnung und wir müssen nichts ändern“, warnt der Klimaforscher.

Auch der Chef des Potsdamer PIK, Hans Joachim Schellnhuber, drängt auf eine schnelle Umsetzung des UN-Klimaschutzabkommens. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Wissenschaft genügend Belege dafür hat, dass es mit dem Klimawandel zu tun hat, dass die Stürme stärker werden“, sagt Schellnhuber. An die Politik gerichtet, meint er: „Es gibt da eine Mauer des Schweigens und des Verdrängens.“

„Irma“ ist laut der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf ein Rekordsturm. Mit einer über mehr als 37 Stunden ununterbrochenen Windgeschwindigkeit von fast 300 Kilometern in der Stunde sei der Hurrikan weltweit der am längsten wütende Wirbelsturm seit Beginn der Aufzeichnungen Anfang des letzten Jahrhunderts.

Bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 hatten sich die Staaten dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad bis zwei Grad Celsius zu begrenzen und dafür die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. US-Präsident Donald Trump hat allerdings angekündigt, aus dem Abkommen wieder auszusteigen.

Während Florida vor „Irma“ zittert, wurden die Menschen in Mexiko von einer anderen Naturgewalt heimgesucht. Bei einem schweren Erdbeben gab es Dutzende Tote.

Von Igor Göldner

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