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Freude in Potsdam über Physik-Nobelpreis

Wissenschaft Freude in Potsdam über Physik-Nobelpreis

Es war die wissenschaftliche Sensation des Jahres 2015: Erstmals haben Astrophysiker Gravitationswellen gemessen, die seit Albert Einstein bisher nur Theorie waren. Für die Entdeckung der Gravitationswellen gab es nun den Nobelpreis für Physik für drei US-Forscher. Auch Potsdamer Wissenschaftler waren beteiligt.

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Die Simulation zeigt, wie zwei Schwarze Löcher verschmelzen. Dabei entstehen Gravitationswellen.
 

Quelle: dpa

Stockholm, Potsdam. Jubel am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut/AEI) in Potsdam: Der diesjährige Nobelpreis für Physik ging an die Amerikaner Rainer Weiss, Barry C. Barish und Kip Stephen Thorne für die erstmalige Messung der von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. An dem Nachweis waren auch Forscher des AEI beteiligt.

Physik-Nobelpreisträger Rainer Weiss

Physik-Nobelpreisträger Rainer Weiss.

Quelle: dpa

Der frisch gekürte Physik-Nobelpreisträger Rainer Weiss glaubte zuerst selbst nicht, dass seinem Team der Nachweis von Gravitationswellen tatsächlich gelungen war. "Wir brauchten zwei Monate, bis wir wirklich überzeugt waren", sagte der 85-Jährige in einem Telefonat nach Bekanntgabe seines Nobelpreises. "Inzwischen bin ich völlig überzeugt." Die Entdeckung werde "eine neue Wissenschaft ermöglichen". In Zukunft könnten Forscher "noch tiefer und tiefer ins Universum schauen", sagte der gebürtige Deutsche mit US-Pass voraus. Es gebe noch "eine Vielzahl an Dingen zu entdecken". Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet etwa 940 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Weiss erhält die Hälfte des Preisgeldes, Barish und Thorne teilen sich die andere.

Der Beitrag des Albert-Einstein-Instituts

Im Wissenschaftspark Potsdam-Golm haben rund 45 Menschen die Nobelpreis-Verleihung im Hörsaal verfolgt. Alessandra Buonanno, einst Postdoc bei Kip Thorne und heute Direktorin des AEI, sagte: "Unser Beitrag: Wir haben sehr genaue Wellenmodelle entwickelt, die man in den Detektoren einsetzen konnte." Das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) im Wissenschaftspark Potsdam-Golm hat sich seit seiner Gründung 1995 als international führendes Forschungszentrum für Gravitationsphysik etabliert. Hier wird der gesamte Bereich der Gravitationsphysik erforscht – von den riesigen Dimensionen des Kosmos bis hin zu den winzigen Abmessungen der Strings. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen die Struktur von Gravitationswellen, die von Neutronensternen und Schwarzen Löchern ausgesendet werden – teils unter Anwendung numerischer Lösungen der Einsteinschen Gleichungen. Außerdem werden auf der Basis von Einsteins Theorien die mathematischen Grundlagen der Raumzeit und der Gravitation untersucht.

Alessandra Buonanno freut sich über die Vergabe des Physik-Nobelpreises.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Dass der direkte Nachweis der von Albert Einstein vorhergesagten Gravitationswellen nobelpreiswürdig ist, war schon im vergangenen Jahr debattiert worden. "Jeder der Preisträger von 2017 war mit seinem Enthusiasmus und seiner Entschlossenheit von unschätzbarem Wert für den Erfolg des Ligo", hieß es von den Juroren. "Die Pioniere Rainer Weiss und Kip Thorne haben zusammen mit Barry Barish - dem Forscher, der das Projekt vollendete - gewährleistet, dass vier Jahrzehnte der Forschung darin mündeten, dass schließlich Gravitationswellen beobachtet werden konnten."

Kip Thorne und Rainer Weiss entwickelten seit den 70er Jahren die grundlegende Technik, mit der die Wellen gemessen wurden. Barry Barish perfektionierte die Technologie. Forscher wollen die Gravitationswellen nutzen, um mehr im All zu erspähen als je zuvor.

Albert Einstein hatte die Gravitationswellen vorhergesagt

Albert Einstein hatte die Gravitationswellen vorhergesagt.

Quelle: dpa

Erster Nachweis im September 2015

Nach dem ersten Auffangen eines Gravitationswellensignals im September 2015 sind schon mehrmals weitere Signale dieser Art nachgewiesen worden. So wurden gerade jetzt wieder Gravitationswellen verschmelzender schwarzer Löcher im All aufgefangen – das Golmer AEI war beteiligt. Sowohl der europäische Advanced-Virgo-Gravitationswellendetektor in Italien als auch die beiden Advanced-Ligo-Observatorien in den USA und das zum AEI gehörende Instrument GEO 600 in Hannover registrierten die Erschütterungen von Raum und Zeit im August.

Gravitationswellen, die von enormen Massebeschleunigungen etwa bei der Entstehung schwarzer Löcher und der Explosion von Sternen herrühren können, waren von Albert Einstein bereits 1916 als eine Konsequenz seiner Forschungen geschlussfolgert worden.

So entstehen und wirken Gravitationswellen >

Neues Fenster zum Universum

Durch die Messung der Kräuselungen von Raum und Zeit erhofft sich die Wissenschaft ganz neue Möglichkeiten der Erkundung des Kosmos. Vielfach ist die Rede davon, durch sie sei ein „neues Fenster“ zum Universum aufgestoßen worden

1993 gab es schon einmal einen Physik-Nobelpreis für einen - allerdings nur indirekten - Nachweis von Gravitationswellen: Die US-Astronomen Joseph Taylor und Russell Hulse hatten 1974 zwei einander umkreisende Neutronensterne beobachtet. Ihre Umlaufzeit nimmt langsam ab, was sich exakt mit dem Energieverlust durch Gravitationswellen erklären lässt.

Am Mittwoch werden die Träger des Chemie-Nobelpreises verkündet. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur und am Freitag die des Friedensnobelpreisträgers. Am kommenden Montag ist dann die Wirtschaft dran. Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im vergangenen Jahr hatten die gebürtigen Briten David Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz den Nobelpreis für Physik erhalten. Sie hatten exotische Materiezustände beschrieben, die für die Entwicklung von Quantencomputern und neuen Materialien wichtig sein könnten.

Glückwünsche aus Brandenburg

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) : „Das ist ein großer Erfolg für die Spitzenforschung in unserem jungen Land Brandenburg und im geeinten Deutschland und ein wunderbares Geschenk zum Tag der Deutschen Einheit. Mein Glückwunsch und mein Dank für diese Leistung. Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie hat im 20. Jahrhundert das Weltbild der Physik revolutioniert – damit wurde der Weg geebnet, alle bisher bekannten Phänomene der Gravitation zu beschreiben. 100 Jahre später ist es nun gelungen, den Nachweis für diese Theorie zu erbringen. Ich bin stolz, dass unser Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik zu dieser Jahrhundertsensation maßgeblich beigetragen hat. Das ist ein eindrücklicher Beleg dafür, dass im vergleichsweise jungen Wissenschaftsland Brandenburg internationale Spitzenforschung betrieben wird.“

 

Auch  Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) verwies darauf, dass das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik zu den Hochkarätern in der internationalen Forschung gehört. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik haben in mehreren Schlüsselgebieten entscheidend zum direkten Nachweis der Gravitationswellen beigetragen: Mit der Entwicklung und dem Betrieb extrem empfindlicher Detektoren an den Grenzen der Physik, mit effizienten Methoden der Datenanalyse, die auf leistungsfähigen Computerclustern laufen sowie mit hochgenauen Wellenformmodellen, um das Signal aufzuspüren und astrophysikalische Information daraus zu gewinnen. Der Physik-Nobelpreis geht damit verdientermaßen auch an Brandenburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – dazu herzlichen Glückwunsch!“

 

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) : „Die heutige Vergabe des Nobelpreises für Physik wirft ein kleines, aber bedeutendes Licht auf Potsdam. Denn im Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Golm sind die Gravitationswellen erforscht worden. Ich bin stolz, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf so außerordentlicher Weise an der Entdeckung und dem Nachweis beteiligt waren. Das zeigt, dass in Potsdam Wissenschaft von Weltformat gelebt wird.“

Von MAZonline, Rüdiger Braun, Gerald Dietz, dpa

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