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19:29 05.12.2017
Der kleine Junge ist in Dallas gesund auf die Welt gekommen. Quelle: AP
Dallas/Tübingen

Er ist erst wenige Tage alt, aber er macht jetzt schon Tausenden Frauen Hoffnung: Nach der ersten Geburt eines Jungen in den USA nach einer Gebärmuttertransplantation geht es Mutter und Sohn nach Angaben des Krankenhauses gut. Die frisch gebackene Mama habe die Klinik bereits verlassen können, teilten Ärzte der Baylor-Universität in Dallas im US-Bundesstaat Texas am Montag bei einer Pressekonferenz mit. Das Baby sei noch unter Beobachtung im Krankenhaus. „Wir sind optimistisch, dass dieser anfängliche Erfolg in der Zukunft zu vielen weiteren führen wird“, teilten die Eltern mit.

Der im vergangenen Monat geborene Junge ist nach Angaben der Klinik das weltweit neunte nach einem solchen Eingriff zur Welt gekommene Kind. In Deutschland kam noch kein Baby nach einer solchen Transplantation zu Welt, Tübinger Ärzte stehen aber kurz davor, einer Patientin mit transplantierter Gebärmutter eine befruchtete Eizelle einzusetzen.

Bereits 15.000 Eingriffe in Deutschland

Als Pionier des riskanten Verfahrens gilt der Schwede Mats Brännström. In seiner Klinik in Göteborg kam im September 2014 Vincent zur Welt, das erste nach einer Gebärmuttertransplantation geborene Baby. Vincent gehe es gut, sagte Brännström am Montag. Insgesamt sind bei Brännström nach dessen Angaben acht Kinder nach Gebärmuttertransplantationen geboren worden – alle per Kaiserschnitt. „Alle sind gesund und munter“, sagte er.

In Deutschland bekamen bereits Patientinnen die Gebärmutter einer Spenderin – etwa ihrer Mutter – eingepflanzt. Schätzungen zufolge könnte hierzulande auf diese Weise bis zu 15.000 Frauen geholfen werden, die keine eigenen Kinder bekommen können, weil sie ohne Gebärmutter geboren wurden oder das Organ durch Operationen verloren haben. Als am erfolgversprechendsten gilt die Transplantation von Organen lebender Verwandter – etwa die Gebärmutter der Mutter oder Schwester.

Gebärmutter wird wieder entnommen

Besonders Patientinnen mit dem sogenannten Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS) könnten von der Transplantationsmethode profitieren, denn ihnen fehlen von Geburt an Scheide und Gebärmutter. Eierstöcke, Brüste und Schamlippen sind aber normal ausgebildet. In Deutschland haben sie bisher aber keine legale Möglichkeit, ein genetisch eigenes Kind zu bekommen, denn Leihmutterschaft und Eizellenspende sind verboten.

Trotzdem ist eine solche Transplantation mit Risiken sowohl für die Empfängerin als auch für die Spenderin verbunden und nicht immer erfolgreich. Einigen Frauen musste die transplantierte Gebärmutter wieder entnommen werden, weil die Abstoßungsreaktionen zu stark waren. Wie bei anderen Transplantationen zum Beispiel von Nieren müssen die Frauen Immunsuppressiva nehmen. Das sind Medikamente, die eine Abstoßungsreaktion des Körpers verhindern sollen. Auch während einer Schwangerschaft müssen diese genommen werden. Ob die Babys dabei gesundheitliche Schäden davontragen, ist bisher unklar. Damit die Frauen nicht ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen müssen, wird ihnen nach Abschluss der Familienplanung die Gebärmutter wieder entnommen.

An der Universitätsklinik in Tübingen transplantierten Ärzte im Oktober 2016 zum ersten Mal in Deutschland eine Gebärmutter. In den kommenden Wochen wird der 24-jährigen Patientin ihre eigene befruchtete Eizelle eingesetzt, die ihr vor der Transplantation entnommen wurde. „Zwei Wochen später kann man einen Schwangerschaftstest machen“, sagte die Tübinger Gynäkologin Sara Brucker. Wie bei normalen Schwangerschaften seien die ersten drei Monate aber kritisch. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

Von Gisela Ostwald und Julia Polley

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