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Nachrichten Wissen Klimawandel im Ausland trifft auch die deutsche Wirtschaft
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17:04 14.12.2018
Starkregen wird auch in Deutschland häufiger zu Überschwemmungen führen – und schwere Schäden anrichten.Helge Treichel/dpa
Kattowitz

Immerhin hat es den Abschlussentwurf am Freitagmorgen ein erstes Mal als zusammenhängendes Dokument gegeben. Auf den 144 Seiten fanden sich allerdings noch 185 eckige Klammern. Was eingeklammert ist, ist noch umstritten. So haben die Delegierten bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz noch bis spät in den Abend um letzte Formulierungen gerungen. Zwischendurch versprühte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) Optimismus: „Wir bewegen uns auf die Zielgerade zu“, sagte sie. „Es gibt hier und da noch Unzufriedenheit, insgesamt aber sieht es gut aus, dass wir das hinbekommen.“

Während es in Polen also um globale Randnotizen-Bürokratie geht, warnen deutsche Wissenschaftler abermals eindringlich vor den Folgen des Klimawandels – diesmal konkret vor jenen, die den Außenhandel betreffen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat erstmals Klimarisiken im Rahmen der internationalen Handelsbeziehungen untersucht. Das Ergebnis: Die Risiken aus Klimafolgen im Ausland seien für die deutsche Wirtschaft mindestens so groß sein wie aus jenen im Inland, konstatieren die Experten.

Auswirkungen auf Ernten und Schifffahrt

„Auswirkungen in anderen Weltregionen können auch bei uns mit erheblichen wirtschaftlichen Schäden durchschlagen – zum Beispiel wenn extreme Wetterereignisse Infrastrukturen und Handelswege beschädigen, die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigen oder gar ganze Ernten vernichten“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger am Freitag. Darüber hinaus machten Extremwetterereignisse und der Anstieg des Meeresspiegels auch der Schifffahrt und Hafenanlagen zu schaffen. Bei Investitionen solle es selbstverständlich werden, die Risiken zu kennen, zu bewerten und klimaangepasst zu bauen, so Krautzberger.

Die Importe und Exporte der deutschen Unternehmen belaufen sich auf rund eine Billion Euro pro Jahr. Allein sechs Prozent der deutschen Importe (55 Mrd. Euro) und vier Prozent der Exporte (knapp 50 Mrd. Euro) verteilen sich der Studie zufolge auf zwölf Länder oder Regionen, die als besonders verwundbar für die Folgen des Klimawandels gelten.

Andererseits ergaben sich bei den Exporten auch Chancen aufgrund des Klimawandels. Zwar sinke die Kaufkraft in anderen Ländern, wenn dort Geld für Schäden ausgegeben werden müsste. Neue Möglichkeiten eröffne aber die steigende globale Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen rund um Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel.

Deutschland hat Defizite bei der Prävention

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnt indes vor den Konsequenzen, sollte Deutschland nicht mehr Geld für die Prävention im eigenen Land ausgeben. Beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels habe Deutschland ähnliche Defizite wie beim Klimaschutz, schlussfolgern die Fachleute.

Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Insgesamt zählen Bund und Länder 3,1 Milliarden Euro, die in den vergangenen fünf Jahren für Maßnahmen zur Klimaanpassung bereitgestellt wurden. Das sind durchschnittlich rund 600 Millionen Euro pro Jahr, wie eine Recherche des WDR jetzt ergab. Allerdings hatte das UBA bereits 2012 einen jährlichen Bedarf von etwa fünf Milliarden Euro errechnet – also fast zehnmal mehr, als von den Behörden gemeldet.

Petra Mahrenholz vom Umweltbundesamt dazu: „Wenn Deutschland genug tun würde, dann gäbe es weder Schäden im Hochwasserschutz, noch hätten wir Hitzetote zu beklagen. Meiner Meinung nach ist da noch viel Potenzial nach oben.“

Neue Studie bestätigt mehr Niederschlagextreme

Den erhöhten Bedarf an Vorsorge untermauert eine neue Studie der Klimaforscher aus Potsdam, die nun vor noch mehr Niederschlagextremen warnen. Die Studie ist laut PIK die erste, die systematisch die Veränderungen der monatlichen Rekord-Niederschlagsereignisse aus aller Welt analysiert und quantifiziert, basierend auf Daten von rund 50.000 Wetterstationen weltweit.

„Wir haben die monatlichen Beobachtungsdaten zum Niederschlag genau untersucht – wenn es nicht nur wenige Tage, sondern mehrere Wochen rekordnass ist, kann sich das Wasser anstauen und zu großen Flussüberschwemmungen führen – oder zu Dürren, wenn es rekordtrocken ist“, sagt Leitautor Jascha Lehmann vom PIK.

Anstieg in Europa bis 37 Prozent

Laut dem Bericht stiegen in den USA die rekordnassen Monate in den östlichen und zentralen Regionen von 1980 bis 2013 um mehr als 25 Prozent an. In Argentinien und den angrenzenden Ländern nahmen sie um 32 Prozent zu. In Mittel- und Nordeuropa liegt der Anstieg zwischen 19 und 37 Prozent. Signifikante Veränderungen der Trockenextreme sehen die Forscher in Afrika südlich der Sahara und in der Sahel-Zone, wo die Trockenrekorde um bis zu 50 Prozent zugenommen haben.

„Es ist bedenklich, dass wir bereits bei nur einem Grad globaler Erwärmung einen so deutlichen Anstieg solcher Extreme sehen“, sagte Lehmann. Die Klimaschützer hoffen, dass die bedrohlichen Fakten nicht im bürokratischen Regelwerk in Kattowitz untergehen werden.

Von Sonja Fröhlich/RND

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