Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wissen Zuckerfrei: So ernähren Sie sich ohne das süße Gift
Nachrichten Wissen Zuckerfrei: So ernähren Sie sich ohne das süße Gift
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:00 10.01.2019
Anastasia Zampounidis lebt seit einigen Jahren zuckerfrei. Quelle: Thomas Meyer/Ostkreuz

Frau Zampounidis, vor zwölfeinhalb Jahren haben Sie aufgehört, Zucker zu essen. Was war passiert?

Der Auslöser war ein Besuch bei einer Ärztin der traditionellen chinesischen Medizin. Eigentlich war ich nur wegen meines schmerzenden Nackens dort, am Ende ging ich mit der Empfehlung, den Industriezucker aus meiner Ernährung zu streichen, wieder hinaus. Ich fand das zunächst absurd, denn ich hatte bereits vor 2006 drei Jahre lang versucht, meinen Zuckerkonsum zu reduzieren, indem ich von Schokolade, Kuchen und Eiscreme die Finger ließ. Ohne Erfolg! Aber als ich dann erfuhr, dass Zucker auch in meiner Sojasoße, im Senf, im Putenaufschnitt und in der Biotomatensoße steckt, wurde mir einiges klar. Ich fing an, Zutatenlisten zu studieren, und bin aus allen Wolken gefallen. Ich war so schockiert und wütend – ich konnte gar nicht anders, als einen radikalen Schlussstrich zu ziehen und mein Leben umzukrempeln.

Sie nennen sich einen trockenen Sugarholic. Was haben Sie denn damals alles in sich hineingestopft?

Alles, was es so gibt. Kekse, Schokoriegel, Bäckerteilchen, Fruchtjoghurt, Torte, Gummibärchen. Ich habe täglich etwas gebraucht, ich hatte immer viel Heißhunger. Das liegt in der Natur der Sache: Wenn man Zucker isst, schüttet der Körper das Hormon Insulin aus. Aber nach einer halben Stunde fällt der Insulinspiegel wieder ab. Man will wieder essen, hauptsächlich süß. Mein Körper hatte sich an ein bestimmtes Zuckerlevel gewöhnt. Sobald ich keinen Zucker zu mir nahm, merkte ich das: Ich war unterzuckert, schlecht gelaunt, nervös und bekam Heißhunger. Mir ging es erst besser, wenn ich an Zucker kam. Es war ganz klar eine Sucht, ich war abhängig von Zucker.

Es heißt doch immer, unser Körper brauche Zucker. Etwa nicht?

Wenn der Homo sapiens Industriezucker brauchen würde, um zu überleben, dann säßen wir hier nicht. Industriezucker ist für die breite Masse erst seit maximal 150 Jahren zugänglich. 300 000 Jahre lang hat der Mensch keinen künstlichen Zucker zu sich genommen. Was wir brauchen, ist die Glukose aus natürlichen Lebensmitteln, aus Getreide, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, eigentlich aus fast allem außer Fleisch. Glukose ist für uns überlebenswichtig, wir brauchen sie fürs Gehirn, fürs Blut, für die Nieren. Aber den Industriezucker aus dem Labor, den brauchen wir nicht.

Warum ist verarbeiteter Zucker denn so böse? Man hat ihn ja schließlich nicht umsonst erfunden.

Weil er Heißhungerattacken auslöst und zum Überfressen verführt. Ich hatte vor 2006 kein richtiges Hungergefühl mehr, im Gegenteil: Ich hatte immer Appetit. Heute habe ich zu dem natürlichen Rhythmus zurückgefunden, mit dem wir auf die Welt kommen. Babys haben keinen Heißhunger auf Industriezucker. Sie haben zwar Lust auf Süßes, aber das kann auch durch süßes Obst und Gemüse befriedigt werden. Wir sind auf Zucker konditioniert und essen viel zu viel davon. Laut WHO kann unsere Bauchspeicheldrüse täglich mit Ach und Krach 25 Gramm Industriezucker verkraften. Der Durchschnittsdeutsche nimmt aber bereits mehr als 100 Gramm zu sich, das ist bald das Fünffache.

Moderatorin Anastasia Zampounidis hat viele Tipps, wie es auch ohne Zucker schmeckt. Quelle: Thomas Meyer/Ostkreuz

Was hat man davon, den Zucker wegzulassen?

Man fühlt sich fitter, man schläft besser, man ist weniger krank. Früher lag ich mindestens einmal im Jahr mit Erkältung flach, jetzt hatte ich seit Jahren nicht einmal mehr Halskratzen oder Schnupfen. Mein Haar ist voller, meine Haut reiner, feinporiger und jünger. Cellulitis hat sich verabschiedet. Frühjahrsmüdigkeit und Nachmittagstief sind wie weggeblasen. Meine Stimmung ist generell gelassener, ich bin emotional stabiler. Und das i-Tüpfelchen: Ich habe zwei Kleidergrößen abgenommen – ganz ohne zu hungern. Das ist für viele Frauen doch der Traum.

Wie haben Sie Zucker in Ihrem Speiseplan ersetzt?

Ich habe Zucker nicht ersetzt – ich habe ihn einfach weggelassen. Ich verwende nur Obst und Trockenobst zum Süßen, und selbst das ist mir oft viel zu süß.

Wo steckt Zucker denn überall drin, ohne dass man es weiß?

Zucker wird gern als billiger Füllstoff, Geschmacksträger oder Konservierungsstoff verwendet. Er steckt heute in vielen Lebensmitteln, in denen man ihn nicht vermutet – in Gewürzgurken, Wurst, Dosensuppen, Salzstangen, Ketchup, Studentenfutter. Es ist leider unverzichtbar, Zutatenlisten genau zu studieren und sich ein paar verdächtige Begriffe einzuprägen.

Die da wären?

Alle Begriffe auf -ose, also Glukose, Fruktose, Dextrose, Maltose und Laktose. Sobald sie künstlich zugesetzt wurden, ist das Lebensmittel tabu. Finger weg auch von allem, wo irgendetwas mit Zucker (zum Beispiel Kokosblütenzucker), Dicksaft, Nektar, Sirup oder Malz draufsteht oder Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe drinstecken.

Wenn ich mich ab jetzt zuckerfrei ernähren möchte, welche Tipps für den Einstieg haben Sie?

Ruhig bleiben, Zeit nehmen, kein Druck. Als Erstes den Kühlschrank und die Speisekammer durchgehen und alles aussortieren, was Zucker enthält und im Supermarkt durch zuckerfreie Produkte ersetzen. Und dann: selbst Kochen. Das musste ich mit 37 Jahren auch erst einmal lernen. Aber man wird belohnt!

Rezept ohne Zucker für Spinat-Muffins

Leckere Muffins lassen sich auch mit Gemüsefüllung herstellen. Quelle: Lübbe Verlag

Info – das wird gebraucht für 12 Stück: je 20 g Pinienkerne und Sonnenblumenkerne, 80 g Tofu (Natur), 1 kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 300 g frischer Spinat, 100 ml Leinöl (alternativ Sonnenblumenöl), 125 g Sojajoghurt, 200 ml Mineralwasser (mit Kohlensäure), 250 g Dinkelvollkornmehl, 1 Päckchen Backpulver, 1 EL Sonnenblumenöl, 1 TL Senf, Pfeffer, Salz. Außerdem: Fett für die Muffinmulden

Rezept ohne Zucker für Aprikosen-Kugeln

Aprikosenkugeln schmecken auch ohne industriellen Zucker Quelle: Lübbe Verlag

Die Aprikosen mit etwas Wasser im Mixer glatt pürieren. In eine Schüssel umfüllen. Salz und Zimt dazustreuen, Hanfsamen, Haferkleie und Nüsse dazugeben und alles gut vermischen. Sesam in einer beschichteten Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Mit feuchten Händen aus der Masse kleine Kügelchen formen, diese dann in Hanfsamen und gerösteter Sesamsaat wälzen.

Info – das wird gebraucht für etwa 10 Stück: 80 g getrocknete Aprikosen, je 1 Miniprise Salz und Zimt, 50 g Hanfsamen, 50 g Haferkleie, 50 g gemahlene, Haselnüsse. Zum Wälzen: 2 EL Sesamsaat, 2 EL Hanfsamen

Rezept ohne Zucker für Ayurveda-Linsen

Der cremige Linseneintopf kommt ganz ohne Zucker aus. Quelle: Lübbe Verlag

Knoblauch, Zwiebel und Ingwer schälen. Knoblauch und Ingwer hacken, Zwiebel würfeln. Paprika putzen, waschen und würfeln, Chilischote putzen und hacken. Das Kokosöl in einer großen Pfanne erhitzen. Den Kreuzkümmel darin kurz anbraten, dann Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Chilischote dazugeben. Lorbeer, Korianderblätter, Nelke und Kurkuma unterrühren, dann Paprikawürfel und Linsen untermischen. Alles unter Rühren etwa eine Minute weiterbraten. 400 Milliliter Wasser dazugießen, aufkochen lassen und alles bei mittlerer Hitze mit geschlossenem Deckel 25 Minuten gar kochen. Die Linsenmischung mit einem Stabmixer kurz pürieren, dann Sojasoße, Curry und Joghurt dazurühren. Mit Pfeffer abschmecken und servieren.

Info – das wird gebraucht für 2 Portionen: 1 Knoblauchzehe, 1 Zwiebel, 1 Stück frischer Ingwer (ca. 2 cm), 1 rote Paprikaschote, ½ Chilischote, 2 EL Kokosöl, 1 Msp. Kreuzkümmelsamen, 1 Lorbeerblatt, 2 Stängel Koriander, 1 Nelke, 1 Msp. Kurkuma, 200 g rote Linsen, 1 EL Sojasoße, 1 Msp. Currypulver, 1 EL Sojajoghurt (alternativ griechischer Joghurt), Pfeffer.

Von Sophie Hilgenstock/RND

In der Eifel kommt es immer wieder zu kleineren Erdbeben. Potsdamer Forscher haben jetzt an einer Studie gearbeitet, die aufsteigende Magma unter dem Laacher-See-Vulkan als Ursache dafür nennt. Eine Gefahr für die umliegenden Orte soll nicht bestehen - zumindest derzeit.

09.01.2019

Laut Ernährungsreport der Bundesregierung essen die Deutschen gesünder. Aber lange nicht genug, meint TV-Köchin und Unternehmerin Sarah Wiener. Im Interview erklärt sie, was alles dazu gehört.

09.01.2019

Laute Detonationen schon frühmorgens sind in Bayern und Österreich derzeit keine Seltenheit. Ausgebildete Sprengtrupps sind allerorts im Einsatz, um Lawinen künstlich auszulösen – ein lebensgefährlicher Job.

09.01.2019