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16:17 13.12.2018
Dieser Fadenwurm stammt aus einer Goldmine in Südafrika und lebt 1,4 Kilometer unter der Oberfläche. Quelle: Gaetan Borgonie/Extreme Life Isyensya/dpa
Berlin

Unter unseren Füßen ist mächtig was los: Viele Hundert Meter tief im Boden leben Millionen verschiedener Mikroorganismen – und zwar so gut wie überall auf der Welt, wie Wissenschaftler des Forschungsverbundes „Deep Life“ berichten. „Vor zehn Jahren hatten wir noch keine Ahnung, dass das Gestein unter unseren Füßen so enorm besiedelt wird“, sagte Isabelle Daniel von der französischen Universität Lyon laut einer Mitteilung des Verbundes.

Der Forschungsverbund, dem mehr als 300 Forscher aus 34 Ländern angehören, widmet sich seit knapp 10 Jahren der Erforschung des Lebens tief im Boden. Die Gesamtmasse an Organismen dort ist gigantisch. Cara Magnabosco vom Flatiron Institute Center for Computational Biology in New York geht davon aus, dass 15 bis 23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den Organismen tief unter der Erde gebunden sind. Zudem schätzen die Forscher, dass der besiedelte Bereich unter der Erdoberfläche rund 2 bis 2,3 Milliarden Kubikkilometer groß ist. Das ist fast das doppelte Volumen, das alle Ozeane zusammen erreichen.

Die meisten Mikroorganismen aus dem Boden sind noch nicht entdeckt

Die Forscher von „Deep Life“ hatten in den vergangenen zehn Jahren an Hunderten Stellen Proben aus dem Boden gezogen. Dabei förderten sie unter anderem Mikroben aus vielen Kilometern Tiefe zutage.

Die meisten Mikroorganismen, die unter der Erde leben oder vermutet werden, sind noch nicht entdeckt oder wissenschaftlich beschrieben. Zu den bereits bekannten Organismen gehört Candidatus desulforudis audaxviator. Die Bakterienart lebt von Wasserstoff und Sulfat. Sie wurde in 2,8 Kilometer Tiefe in Südafrika gefunden. Überraschenderweise war keine andere Spezies in der Probe der Forscher zu finden. Ihnen zufolge könnte es sich damit um das erste bekannte Ökosystem mit nur einer Art handeln.

Mikroben leben seit Millionen Jahren isoliert unter dem Meeresboden

„Trotz der dunklen und energetisch herausfordernden Umgebung haben sich tief im Erdboden unabhängig voneinander Ökosysteme gebildet und Jahrmillionen überlebt“, fasst Fumio Inagaki von der japanischen Agency for Marine-Earth Science and Technology zusammen. Er hofft auf wichtige Erkenntnisse auch für die Suche nach lebensfreundlichen Bedingungen im All. „Wenn wir mehr über das Leben tief im Boden wissen, kann das neue Einblicke in die Bewohnbarkeit von Planeten geben.“

Bereits vor drei Jahren berichteten Forscher um Kai-Uwe Hinrichs vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen von einer erstaunlichen Gemeinschaft von Mikroorganismen tief unter dem Meeresboden. Bis in fast zweieinhalb Kilometern Tiefe fanden sie Mikrobengruppen, die dort schon seit Millionen Jahren isoliert leben. Sie ähneln weniger Mikroorganismen aus dem Meer als eher Lebensformen, die man in einem typischen Waldboden erwarten würde.

Unter welchen Bedingungen kann Leben noch existieren?

Noch sei gar nicht klar, was die natürlichen Grenzen für Leben auf der Erde seien, teilen die „Deep Life“-Forscher mit. Wie hoch dürfen beispielsweise Temperatur und Druck sein, damit Mikroben noch damit klarkommen? Um das herauszufinden, wollen Forscher in Zukunft noch tiefer bohren.

Viele Fragen zu unterirdischem Leben bleiben derweil unbeantwortet. So sei häufig unklar, wovon sich die Mikroorganismen ernähren. Denkbar wären unter anderem Methan oder Wasserstoff. Zudem sei in der Diskussion, ob womöglich gar der Ursprung des Lebens insgesamt tief in der Erde zu suchen ist. Lebewesen wären dann erst später an die Oberfläche gekommen.

Von RND/dpa

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