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Warum die Dinos wirklich ausstarben

Wissenschaft aus Potsdam Warum die Dinos wirklich ausstarben

Vor 66 Millionen Jahren beendete ein Meteoriten-Einschlag das Zeitalter der Dinosaurier. Doch das ist nur die halbe Wahrheit – wie die junge Potsdamer Forscherin Julia Brugger (27) herausgefunden hat. Sie hat die letzten Tage der Dinos rekonstruiert.

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Wie starben die Dinosaurier wirklich aus?

Quelle: Fotolia

Potsdam. Es wird einiges gemutmaßt über jenen Augenblick vor 66 Millionen Jahren, der das Ende der Dinosaurier sowie der meisten anderen Lebewesen auf der Erde eingeläutet und das Zeitalter der Säugetiere eröffnet haben soll. Eine Explosion unvorstellbaren Ausmaßes muss den Globus erschüttert haben. Abermilliarden Tonnen Gestein, Dreck und Staub wurden in den Himmel gesprengt. Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis verwüsteten Kontinente und Ozeane. Der Einschlag eines Meteoriten dort,wo heute der Golf von Mexiko liegt, machte den Planeten zu einem anderen.

Andauernder Klimawandel und plötzliche Finsternis

Was letztlich den Großteil des alten Lebens auslöschte und neues möglich machte, waren jedoch ein folgender, abrupter und Jahre andauernder Klimawandel sowie plötzliche Finsternis. Das hat jetzt eine 27 Jahre junge Physikerin des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) mit Hilfe eines digitalen Kollegen im Keller auf dem Telegrafenberg erarbeitet. „Das zeigt, wie verletzlich das Klimasystem ist und wie sensibel alle Lebewesen darauf reagieren“, sagt Julia Brugger über ihre Rekonstruktion der letzten Tage der Saurier. Die vor dreieinhalb Jahren nach Potsdam gekommene Doktorandin hat bekannte Daten des Einschlags in den Mega-Computer des Pik im Institutsneubau eingegeben. Erstmals wurden sie mit einem besonderen Klimamodell, das Prozesse in Atmosphäre, Ozean und Meer-Eis koppelt, in Varianten durchgerechnet.

Der Meteoriteneinschlag löste ein globales Massensterben aus

Der Meteoriteneinschlag löste ein globales Massensterben aus.

Quelle: Fotolia

Zusammenhänge von Klimaeffekten und Massensterben

„Eigentlich habe ich mich nicht von Kind auf für Dinosaurier begeistert“, erinnert sich die Physikerin. Der Fokus auf die Urzeit-Ungetüme hat andere Ursachen. Schon beim Studium der Physik in Konstanz hat Brugger sich für Vorlesungen und Gastvorträge speziell der Klimaphysik interessiert. Für sie hatte diese Sparte etwas Greifbares, „die konkrete Sichtbarkeit in der Natur“. Das seien Forschungen, „bei denen ich weiß, wofür sie gebraucht werden“, so die Wissenschaftlerin, die zunächst in der Klima- und Umweltphysik der Uni Bern weiterstudierte. Für ihre Doktorarbeit am Pik beschäftigt sie sich nun mit Zusammenhängen von Klimaeffekten und dem Massensterben von Arten in Vergangenheit und Zukunft. Schon während der Masterarbeit am Pik widmete sie sich dem großen Tod der späten Kreidezeit, dem die Dinosaurier zum Opfer fielen, und einer Ungereimtheit in der Forschung zur Ursache ihres Untergangs.

Julia Brugger

Julia Brugger

Quelle: privat

Hypothesen bisher nicht hinreichend belegt

Zuletzt war zunehmend klarer geworden, dass die Hypothesen zum Meteoriten-Einschlag das weltweite Artensterben nicht hinreichend erklärten. Der in die Atmosphäre katapultierte Staub hätte nach wenigen Monaten verschwunden sein müssen. Der Impakt traf aber offenbar ausgerechnet ein tropisches Flachmeer voll mit Schwefelmineralien. Sie sorgten wohl dafür, dass die Erde letztlich in eine Art Kapsel aus Schwebeteilchen, Aerosole, gehüllt wurde, die für extreme Abkühlung und Dunkelheit sorgten. Bei der Explosion waren demnach mindestens hundert Milliarden Tonnen Schwefel verdampft, der die Aerosole gebildet hat. Sie blieben länger in der Luft – Jahre, vielleicht sogar ein Jahrzehnt.

Auch seine Gattung wurde ausgelöscht

Auch seine Gattung wurde ausgelöscht: das Skelett des Tyrannosaurus Rex „Tristan Otto“ im Berliner Naturkundemuseum.

Quelle: dpa

Durchschnittstemperatur sank rapide

„Es wurde kalt, richtig kalt“, so Brugger. Auch ihre in den Geophysical Research Letters erschienene Studie trägt eine Überschrift, die startet: „Baby, it’s cold outside“ (Baby, es ist kalt draußen). Nach dem für sie wahrscheinlichsten Szenario lag die globale Durchschnittstemperatur vor dem Einschlag bei 18,9 Grad plus. Die Klimafolgen durch den Lichtverlust von zunächst 92 Prozent sorgten aber innerhalb von nur drei Jahren für einen Temperatursturz auf minus acht Grad. In den Tropen sank das jährliche Mittel sogar von 27 auf minus 22 Grad Celsius. Ging man früher von einem eher kurzfristigeren Effekt, ausgelöst durch den Staub, aus, der durch den Einschlag emporgeschleudert wurde, kommen die Pik-Forscher zu anderen Ergebnissen: Die langfristige Abkühlung durch die Aerosole sorgte eher für das Massensterben als der Staub, der nur kurz in der Atmosphäre blieb. Zur Kälte kam die Finsternis, die Fotosynthese nahezu unterband. Pflanzen starben und der Tod wanderte durch die Nahrungskette. Erst starben Pflanzen-, dann die Fleisch- und schließlich die Aasfresser.

Von Gerald Dietz

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