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„Wir sollten über die schönen Dinge sprechen“

Buchneuerscheinung – Dem Glück auf der Spur „Wir sollten über die schönen Dinge sprechen“

Was im Leben macht glücklich und zufrieden? Isabell Prophet hat sich dem Thema wissenschaftlich genähert und dabei herausgefunden, dass schon kleine Dinge viel verändern können bei der Suche nach dem Glück.

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Glück kann man nicht kaufen – aber ein paar bunte Luftballons schon. Es sind die kleinen Dinge, die Menschen zufriedener machen können.
 

Quelle: umsplash

Hannover.  Es ist eine Frage, die wohl ein jeder hin und wieder gestellt bekommt, von Verwandten, Freunden oder auch Arbeitskollegen: „Bist du glücklich?“ Viel zu schnell antworten wir dann meistens mit: „Ja.“ Na klar sind wir glücklich. Oder doch nicht? Für fast jeden Menschen kommt der Tag, an dem er innehält und fragt: „Bin ich eigentlich wirklich glücklich?“ Meist gefolgt von der Frage: „Was bedeutet eigentlich ‚Glück‘ für mich?“ Oft lautet dann die Antwort an sich selbst: „Wenn ich diese Beförderung, dieses Ziel erreiche, dann wird es mir gut gehen.“ Aber stimmt das? „Dein Leben fängt nicht erst nach der Arbeit an“, schreibt die Journalistin Isabell Prophet in ihrem gerade erschienen Buch „Die Entdeckung des Glücks“. Sie geht den großen Fragen nach, was Glück eigentlich ausmacht, mit welchen unbewussten Handlungen wir uns selbst unglücklich machen und wie wir auf lange Sicht lernen können, in unserem Leben glücklich zu sein.

Frau Prophet, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über Glück zu schreiben? Was hat Sie zu diesem Thema inspiriert?

Viele Menschen um mich herum suchten lange nach diesem einen Job, der sie glücklich macht. Plötzlich hagelte es um mich herum Kündigungen. Und ich dachte mir: Der Job wird keinen von uns glücklich machen. Das müssen wir selbst schaffen. Ich habe dann Glück als harte Wissenschaft entdeckt. Da sind Neurologen, die schauen uns ins Gehirn. Das ist wahnsinnig spannend. Bei meinen Recherchen habe ich gemerkt, dass es in der Welt sehr viel Wissen über das Glück gibt – und über die Handlungen, die uns glücklich machen. Dieses Wissen will ich verbreiten.

Wie verlief die Recherche für Ihr Buch? Mit welchen Menschen haben Sie gesprochen?

Recherche für ein Wissenschaftssachbuch funktioniert anfangs ein bisschen wie die Abschlussarbeit an der Uni: Man liest und liest und liest. Und dann habe ich mit sehr spannenden Menschen gesprochen. Einer hat zum Beispiel ein Virus durch Nervenbahnen geschickt, um sie zu kartieren. Dabei hat er – völlig unerwartet und außerhalb seines Spezialgebiets – eine Verbindung zwischen unseren Bauchmuskeln und unseren Stressregulatoren im Gehirn entdeckt. Ich habe auch mit der wahnsinnig klugen Soziologin Christine Carter gesprochen, nachdem ich ihr Buch „The Sweet Spot“ gelesen hatte. Ihr ging es wie vielen von uns: Sie war immer perfekt, sie hatte alles im Griff. Aber sie war nicht glücklich. Das musste sie erst lernen.

Isabell Prophet

Isabell Prophet: „Die Entdeckung des Glücks. Dein Leben fängt nicht erst nach der Arbeit an“. Mosaik Verlag, 256 Seiten, 16 Euro.

Quelle: (c) Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Was ist denn überhaupt „Glück“?

Glück ist eine Empfindung. Es gibt langfristiges Glück, das wir oft als Zufriedenheit bezeichnen. Aber das reicht nicht! Ich kann zufrieden mit meinem Leben sein, aber glücklich geht auch. In unserer Wahrnehmung ist Glück etwas sehr Kurzfristiges. Ich bin glücklich, weil ich vielleicht eine Gehaltserhöhung bekomme. Dieses Glück wird aber nicht lange anhalten.

In Experimenten versuchen Wissenschaftler nun herauszufinden, welche Handlungen im Alltag uns glücklicher machen. Welche Gesprächsthemen, welche Freizeitgestaltung, welche Arbeitsplatzorganisation – und übrigens auch: welches Verhalten des Chefs? Um ihre Erkenntnisse geht es in meinem Buch.

Was glauben Sie – betrachten sich mehr Menschen als glücklich oder als unglücklich in ihrem Leben?

Ich finde es sehr spannend, alte Bekannte zu treffen. Dann erzählt man erst einmal, wie gut das Leben gerade ist. Wenn man uns fragt, dann sind wir glücklich. Treffe ich so einen alten Bekannten dann öfter, hat er plötzlich doch von Problemen zu erzählen. Von seinem Chef, seinem Arbeitsweg, der schwierigen Organisation von Familie und Dienstreisen. Schaut man hinter die Fassade, sind die meisten Menschen nicht mehr so glücklich.

Stimmt es, dass wir uns selbst manchmal unglücklich machen?

Ja, leider. Das sind ganz einfache Dinge. Vielleicht sprechen wir nach Feierabend selten über die guten Erlebnisse des Tages, aber über alles, was genervt hat. Oder wir sagen Treffen mit Freunden ab, weil uns die Energie fehlt. Oder wir lassen uns ständig bei der Arbeit unterbrechen. Viele kleine Dinge können uns unglücklich machen, dabei erwarten wir das gar nicht. Es ist gut, wenn wir mehr darüber wissen.

Hängen Zufriedenheit im Beruf und generelle Zufriedenheit im Leben zusammen? Sprich: Kann jemand, der unglücklich in seinem Job ist, überhaupt ein glückliches Leben führen?

Ausschließen würde ich das nicht, bezogen auf die zweite Frage. Aber: Die meisten von uns verbringen acht oder neun Stunden im Büro, dazu kommen ein bis zwei Stunden Hin- und Rückweg. Das ist verdammt viel Zeit. Wenn ich in dieser ganzen Zeit unglücklich bin, dann ist das schon mal verdammt viel.

Was können wir ändern, um glücklicher im Beruf und im Leben zu werden?

Viele kleine, nicht besonders anstrengende Handlungen. Ein paar Tipps für den nächsten Arbeitstag: Lassen Sie die E-Mails einmal ungelesen, bevor Sie zur Arbeit fahren. Vor Ort lassen Sie sich doch mal weniger unterbrechen. Räumen Sie Ihren Tisch auf. Und nehmen Sie sich etwas Schönes für den Abend vor – ohne lange Diskussionen. Und abends sprechen Sie nur über positive Dinge. Wissenschaftler experimentieren schon seit Jahren mit solchen Ideen – viele haben sich als wirksam erwiesen.

Was können wir von glücklichen Menschen lernen?

Glückliche Menschen haben sich selbst in der Regel sehr gut kennengelernt. Sie wissen, mit welchen toxischen Gedanken sie sich selbst unglücklich machen. Und sie wissen, wie andere ihr Wohlbefinden beeinträchtigen, und haben Strategien dagegen entwickelt. Das hat also sehr viel mit Wahrnehmung zu tun: Was war gut? Das nehme ich mit. Was war nicht gut? Das verarbeite ich für mich und dann lasse ich es hinter mir.

Haben Sie Ihr Leben nach der Recherche für dieses Buch verändert? Würden Sie sich selbst jetzt als glücklicheren Menschen beschreiben?

Ich habe ganz viel verändert. Ich sage Treffen mit Freunden nur noch selten ab, weil ich gelernt habe, dass sie mir guttun. Ich lasse mich bei meiner Arbeit nicht mehr unterbrechen. Die sozialen Medien bleiben auch schon mal ein paar Stunden aus – ein riesiger Fortschritt für mich. Das macht mich produktiver und zufriedener. Ich frage andere – und mich selbst – öfter nach den guten Erlebnissen. Das macht das Leben besser.

Über die Autorin

Über die Autorin: Isabell Prophet wurde 1986 geboren. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften, ehe sie bei der „Celleschen Zeitung“ ein Volontariat absolvierte und die henri-Nannen-Schule besuchte. Als frei Journalistin ist sie unter anderem für „Spiegel Online“, „Spiegel Wissen“ und „FAZnet“ tätig. Für „Zeit Online“ baute sie das Online-Magazin „ze.tt“ mit auf. Für die Multimedia-Reportage „Einsame Spitze“ beim „Zeit-Magazin Online“ war sie für den Deutschen Reporter-Preis nominiert. Isabell Prophet lebt in Berlin.

Quelle: Prophet

Von Johanna Lindermann/RND

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