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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat einen neuen Chef

In Berlin erwartet den EZB-Ökonomen Marcel Fratzscher eine Mammutaufgabe / Er soll die Einrichtung zurück in die öffentliche Diskussion führen Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat einen neuen Chef

Zuletzt hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Aufsehen erregt mit Forderungen nach einer Abgabe für Vermögende in Europa, um die hohen Staatsschulden zu finanzieren.

POTSDAM. Ob es solche aus dem Spektrum politisch eher links stehender Ökonomen stammende Appelle künftig noch geben wird, steht dahin. Der Kandidat für die Spitze des DIW Marcel Fratzscher gilt in Institutskreisen als den wirtschaftswissenschaftlichen Richtungen neutral gegenüber stehender Ökonom.

Der Leiter der Abteilung Internationale wirtschaftspolitische Analysen der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde von der Findungskommission des DIW unter Leitung von Bert Rürup für die Führung des mit 200 Wissenschaftlern größten der sechs staatlich finanzierten Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland vorgeschlagen. Das DIW verbinde „wissenschaftliche Stärke mit der für die Beratung so wichtigen politischen Unabhängigkeit“ gab denn auch Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, der das DIW angehört, dem in Bonn geborenen Fratzscher mit auf den Weg.

Die für August geplante Wahl des seit elf Jahren für die EZB tätigen Sohns eines Agrarökonomen durch das DIW-Kuratorium gilt als sicher. Rürup erwartet von dem „hervorragend ausgewiesenen Wirtschaftswissenschaftler neue Impulse“ für die Politikberatung.

Gerade da steht vor dem erst 41-jährigen in Oxford und Harvard studierten Ökonomen und Philosophen Fratzscher eine Mammutaufgabe. So ruhen die Hoffnungen auf ihm, das DIW in den Kreis der führenden Forschungsinstitute zurückzuführen, die für die Bundesregierung die halbjährliche Konjunkturprognose verfassen. Aus dem Gremium war das Berliner Institut 2007 nach dem Verlust qualifizierter Forscher herausgeflogen.

Zudem soll Frazscher dem Institut nach unruhigen Jahren unter Ex-Präsident Klaus Zimmermann zurück zu altem Glanz und öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen. Die waren an die Münchner Konkurrenz, das Ifo-Institut mit seinem vor populistischen Äußerungen nicht zurückschreckenden Chef Hans-Werner Sinn verloren gegangen. Zuletzt hatte Sinn sich mit dem Aufruf von Ökonomen gegen eine Bankenunion im Zusammenhang mit der Euro-Rettung erneut in die Öffentlichkeit gedrängt.

Bislang ist Fratzscher gemäß der EZB-Richtlinien nicht sonderlich öffentlich in Erscheinung getreten. Sein dortiges Team aus zwei Dutzend Ökonomen hat sich mit globalen volkswirtschaftlichen Fragen befasst. Themen wie das Verhältnis der Industrie zu Schwellenländern oder der Regulierung der internationalen Finanzmärkte standen auf der Agenda.

In der Eurokrise scheint Fratzscher prädestiniert für die DIW-Führung. Zu den Spezialgebieten des wegen seiner Publikationen als forschungsstark geltenden Ökonomen gehören Risikoaufschläge für Staatsanleihen, die vielen europäischen Ländern den Zugang zu den Kapitalmärkten verbauen. (Von Gerald Dietz)

Nachfolge am IWH Eine neue Führung sucht derzeit nicht nur das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Nach dem der langjährige Chef des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, nach politischem Druck aus der Landesregierung in Sachsen-Anhalt, seinen Hut genommen hat, gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger als schwierig.

Nach langer Hängepartie hat sich die Berufungskommissionen des IWH mit der Universität Magdeburg nun auf die Tübinger Wirtschaftsprofessorin Claudia Buch als Nachfolgekandidatin geeinigt. Die 1966 geborene Volkswirtin und Finanzexpertin Buch ist auch Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. gd

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