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Die Hurrikan-Saison ist heftiger als sonst

Klima und Unwetter Die Hurrikan-Saison ist heftiger als sonst

Auch wenn sich die Wirbelstürme Harvey, Irma und Maria über dem Atlantik derzeit sozusagen die Klinke in die Hand geben, sollte man sie nicht vorschnell als Beweis für den Klimawandel sehen. Klimaforscher Anders Levermann weist allerdings darauf hin, dass die Ozeane wärmer werden – und dass das die Wahrscheinlichkeit besonders starker Hurrikane erhöht.

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Hurrikan „Harvey“ sorgte im August in Houston für Überflutungen.

Quelle: FOTO: dPA

Offenbach/Potsdam. Harvey lässt Houston in Wasserfluten versinken, Irma verwüstet die Karibikinsel Barbuda, Maria zerstört Puerto Rico und Domenica, Nate tötet mindestens 25 Menschen in Mittelamerika – und jetzt nähert sich auch noch Ophelia der Küste von Portugal. Herrscht zur Hurrikan-Saison 2017 nicht die totale Ausnahmesituation? Der Diplom-Meteorologe und Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Friedrich, gibt dem allgemeinen Gefühl zumindest insofern recht, als die Hurrikan-Saison 2017 die schlimmste seit Jahren ist. „Wir hatten die vergangenen drei bis vier Jahre fast keine Wirbelstürme über dem Atlantik“, sagt er: „Allerdings gab es auch Jahre, wo es viel stärker war als jetzt.“

Tatsächlich notiert das in Miami ansässige National Hurricane Center für das Jahr 2012 insgesamt 19 tropische Stürme und Hurrikane auf dem Atlantik. Darunter findet sich auch der Hurrikan Sandy, der in Kuba, der Dominikanischen Republik und über den Bahamas wütete und zuletzt im Süden New Yorks für eine Sturmflut sorgte. Zuvor hatte Ende August der Hurrikan Issak 19 Menschen auf Haiti durch einstürzende Gebäude getötet. Aber schon im folgenden Jahr gab es nur noch zwei Hurrikane. Die anderen Wetterereignisse wurden von Meteorologen als tropische Stürme eingestuft. Mehr Hurrikane gab es zwar im Folgejahr, dafür war es 2014 insgesamt längst nicht so stürmisch wie in den Jahren zuvor. Auch das Jahr 2015 blieb mit vier Hurrikanen und acht Tropenstürmen über dem Atlantik vergleichsweise ruhig.

Dass es nach einer Pause plötzlich mit den Hurrikanen in aller Heftigkeit wieder losgehe, habe vor allem mit dem Abklingen des El Niño-Phänomens im Zentralen Pazifik zu tun, sagt DWD-Mann Friedrich. Die vergangenen Jahre hatte die immer wieder im Äquatorialpazifik auftretende Strömungsumkehr für ungewöhnlich hohe Temperaturen vor der peruanischen Küste gesorgt. Das Phänomen hat weitläufige Auswirkungen. Unter anderem senkt es auch die Hurrikanwahrscheinlichkeit über dem Atlantik. Jetzt aber hat sich die Strömung umgekehrt – und das Auftreten von Hurrikanen wahrscheinlicher gemacht.

Hinzu kommen Erwärmungen überall in den Atlantikregionen. Die vergangenen drei Jahre zählen zu den wärmsten, die je gemessen wurden. „Hurrikane brauchen zu ihrer Entstehung eine Wassertemperatur von mehr als 26 Grad“, sagt Friedrich: „Das ist dieses Jahr bei vielen Meeresgebieten des Atlantiks der Fall.“ Friedrich warnt aber davor, in den Hurrikanen nun sofort den mahnenden Zeigefinger des Klimawandels zu sehen. Meereserwärmung sei ein Faktor für das Entstehen der zerstörerischen Wirbelstürme – und die sei in den kommenden Jahren tatsächlich weiterhin zu erwarten. Zu den aktuellen Stürmen hätten aber eine Vielzahl von Faktoren beigetragen, die nicht alle etwas mit dem Klimawandel zu tun hätten. Zum Beispiel sind die sogenannten Scherwinde, die es für die Entstehung eines Hurrikans braucht, relativ unabhängig vom Klimawandel.

Der tödlichste Hurrikan, den die USA je erlebte, fegte zum Beispiel schon am 8. September 1900 über Texas hinweg und zerstörte dabei die Stadt Galveston. Der Sturm mit der Kategorie 4 forderte mindestens 8000 Todesopfer. Auch die tödlichsten Karibikstürme spielten sich lange vor der Zeit des Klimawandels ab. Schon im Jahre 1867 fegten nacheinander neun Hurrikane über den Atlantik. Der letzte von ihnen, der sogenannte Narcisco-Hurrikan, ging mit Stärke 3 über die Dänisch- Westindischen Inseln und über Puerto Rico hinweg. Mindestens 811 Menschen starben.

Andererseits sind die Stürme, die bislang die größten Sachschäden verursachten, allesamt schon in die Zeit des Klimawandels zu verorten. Einsame Spitze ist hier der Hurrikan Katrina, der 2005 besonders in New Orleans nicht nur 1200 Todesopfer forderte und damit auch in dieser Kategorie zu den schlimmsten Stürmen gehörte, sondern mit rund 108 Milliarden Dollar Schaden bislang der schlimmste Sturm der USA war. An zweiter Stelle steht der im September 2008 losgezogene Ike, an dritter Stelle Hurrikan Andrew, ein Sturm der höchsten Kategorie 5, der aber schon im August 1992 die Bahamas und Florida streifte. Auffällig ist jedoch, dass alle zehn Stürme mit den schwersten Sachschäden bis auf Andrew in die 2000er-Jahre fallen.

Allerdings ist einer Statistik des National Hurricane Centers in Miami zufolge das Hurrikangeschehen, zumindest was das amerikanische Festland betrifft, seit den 1990er-Jahren gar nicht so schlimm. Es gab in dieser Zeit nur 33 Hurrikane, die das amerikanische Festland erreichten. Von 1880 bis 1900, also in einer Zeit, in der es den von Menschen beeinflussten Klimawandel noch gar nicht gab, waren es 43.

Dass Hurrikane an sich kein guter Indikator für den Klimawandel sind, findet auch Anders Levermann, Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Andererseits bezögen die Hurrikane ihre Energie aus dem Ozean: „Und es ist völlig klar, dass wegen der Erderwärmung mehr Energie zur Verfügung steht.“ Insofern wundert es Levermann nicht, dass die aktuellen Hurrikane Irma und Maria zu den stärksten gehören, die je gemessenen wurden. Maria war mit einer Windgeschwindigkeit von 280 te. „Die Wahrscheinlichkeit, dass stärkere Hurrikane kommen, ist größer geworden“, so Levermann. Insofern sei das Jahr 2017 eben doch eine besondere Hurrikansaison. Und es könne künftig noch schlimmer werden: „Unterm Strich muss man sagen, dass durch den Klimawandel Wetterextreme aller Art häufiger werden“, so Levermann.

Von Rüdiger Braun

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