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Jagd in China: Singvogel-Population drastisch eingebrochen

Umwelt Jagd in China: Singvogel-Population drastisch eingebrochen

Die Population der kanariengelben Weidenammer ist einer Studie zufolge weltweit um 90 Prozent eingebrochen. Als Grund vermuten Forscher aus Deutschland, England, Russland, Finnland und Japan die illegale Jagd auf den Singvogel in China.

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Die etwa sperlinggroße Weidenammer ist in China eine Delikatesse.

Quelle: Urich Schuster/Uni-Münster

Münster/Boston. Dort gilt die sperlingsgroße Ammer (Emberiza aureola) als Delikatesse, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Conservation Biology" schreiben.

Zwar steht die Weidenammer seit anderhalb Jahren auf der internationalen Roten Liste für gefährdete Arten. Die neue Studie dokumentiere aber erstmals den extremen Rückgang. 1980 schätzten Vogelkundler den weltweiten Bestand noch auf Hunderte Millionen Tiere. Bis 2013 schrumpfte die Zahl auf nur noch 10 Prozent. So verschob sich das eurasische Verbreitungsgebiet der Weidenammer um 5000 Kilometer nach Osten. Im europäischen Teil Russlands gilt der Vogel als so gut wie ausgestorben.

Laut Studie erstreckten sich die Brutgebiete des Vogels ehemals über 16 Millionen Quadratkilometer von Finnland im Westen bis zur Pazifikküste und Japan im Osten. Um zu überwintern, ziehen die Vögel über China nach Südostasien. "Ein so schneller und starker Rückgang einer über ein solch riesiges Gebiet verbreiteten Art ist sehr selten", betont Johannes Kamp, Erstautor der Studie und Landschaftsökologe von der Uni Münster. "Wir kratzen mit unserer Studie gerade an der Oberfläche eines Problems, das ein noch größeres Thema werden wird – auch andere Singvogelarten sind betroffen", sagt Kamp. Ob es noch weitere Faktoren neben der illegalen Vogeljagd für den Rückgang gibt, können die Forscher nicht ausschließen. Hinweise auf Krankheiten oder Pestizide gebe es aber nicht.

Obwohl China versuche, Wilderei und illegalen Verkauf der Vögel einzudämmen, seien die Tiere auf dem Schwarzmarkt erhältlich, so der japanische Ornithologe und Mitautor Simba Chan. Bei eine Razzia im Jahr 2011 hatte die chinesische Polizei nach Angaben der Forscher im Südosten Chinas zwei Millionen gefangene Singvögel beschlagnahmt. Darunter waren auch 20 000 Weidenammern. Aufgrund von Hochrechnungen gehen die Autoren von mehreren Millionen gefangener Weidenammern in Südostasien pro Jahr aus.

Für die Studie werteten sie Daten von Langzeitbeobachtungen verschiedener Brutgebiete aus Finnland und Russland mit Schwerpunkt Sibirien aus. Mit Hilfe von Computersimulationen stellten sie bei der Bestandsentwicklung Zusammenhänge mit den aus China bekannten Fängen her.

In der vergangenen Woche hatte die Europäische Union elf Vogelarten benannt, die auf der Roten Liste als kritisch gefährdet eingestuft sind. Neben zehn weiteren Vögeln wurde auch die Weidenammer aufgelistet.

dpa

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