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So soll das Meer vom Plastikmüll befreit werden

Ocean Cleanup So soll das Meer vom Plastikmüll befreit werden

Gigantische Mengen Plastikmüll verseuchen die Ozeane. Der junge Niederländer Boyan Slat startet jetzt mit einem weltweiten Reinigungsprojekt. Seine Meeresstaubsauger haben viel zu tun.

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Das „Ocean Cleanup“-Projekt will den Plastikmüll aus dem Pazifischen Ozean mit riesigen Sieben herausfiltern.

Quelle: Fotos: dpa, The Ocean Cleanup

Den Haag. Die Strände der Henderson-Insel im Pazifischen Ozean sind menschenleer. Im Umkreis von 5000 Kilometern gibt es keine Zivilisation. Und doch werden hier täglich gigantische Mengen Müll angespült: Zahnbürsten, Dominosteine, Spielzeug und andere verwaschene Plastikteile in jeder Größe und Farbe haben Forscher der Universität von Tasmanien im Sand des abgelegenen Eilandes entdeckt – 38 Millionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von rund 17 Tonnen. Das sei die höchste Mülldichte, die weltweit je festgestellt wurde, erklärten die Wissenschaftler am Dienstag. Es gibt also viel zu tun für Boyan Slat, einen 22-jährigen Niederländer, der die Ozeane vom Kunststoffmüll befreien will. Sein Plan klingt aberwitzig – und doch kann er sogar früher als geplant in die Tat umgesetzt werden.

Müll so weit das Auge reicht

Müll so weit das Auge reicht: Am Strand von Henderson Island im Pazifik werden gigantische Mengen Unrat angespült.

Quelle: AP

Slat entwickelte eine Technik, mit der die vielen Plastikteile abgefischt werden können, die zu einer immer größeren Gefahr für Fische und Meerestiere werden. Kilometerlange, schwimmende Röhren werden dazu im Meer ausgelegt, von denen eine Art Sieb ins Wasser hängt. Die Röhren sind so konstruiert, dass sich der Plastikmüll an einer bestimmten Stelle des Gebildes sammelt und dort gezielt eingesammelt werden kann. Der erste „Meeresstaubsauger“, den Slat entwickelt hat, ein kleiner Prototyp, wurde bereits ein Jahr lang in der Nordsee getestet.

Eine Art Sieb, das an schwimmenden Röhren befestigt ist, soll den Plastikmüll im Meer auffangen

Eine Art Sieb, das an schwimmenden Röhren befestigt ist, soll den Plastikmüll im Meer auffangen.

Quelle: The Ocean Cleanup

Und der Probelauf hatte Erfolg: Das Müllsammelprojekt „Ocean Cleanup“ soll schon im kommenden Jahr im Pazifik starten – dank technischer Neuerungen und einer Geldspritze. Zunächst sollen im Pazifik 50 der Müllsammler eingesetzt werden, um das ,,Great Pacific Garbage Patch‘‘, einen riesigen Plastikmüllfleck zwischen Hawaii und Kalifornien, zu entsorgen. „Ich schätze, dass wir insgesamt bis zu drei Millionen Tonnen Plastik aus den Ozeanen fischen müssen,‘‘ sagt Boyan Slat. Seine Ziele sind ehrgeizig: „Innerhalb von fünf Jahren haben wir 50 Prozent des Mülls aufgeräumt“, meint Slat.

Möglich wird das, weil es dem Niederländer gelungen ist, über Crowdfunding im Internet rund 20 Millionen Euro einzusammeln, sodass nun genügend Geld in der Kasse ist, um 50 Meeresstaubsauger herstellen zu lassen. Mit der Produktion dieser Systeme zur Reinigung der Ozeane haben Unternehmen in den USA bereits begonnen.

Junger Erfinder

Junger Erfinder: Boyan Slat ist erst 22 Jahre alt.

Quelle: AP

Dank der breiten finanziellen Unterstützung aus der Bevölkerung konnte der umtriebige Niederländer inzwischen auch 65 Ingenieure und Meeresforscher einstellen, die ihn bei der Realisierung seines riesigen Reinigungsprojekts unterstützen. Unter den Sponsoren sind viele Firmen aus dem Silicon Valley in den USA, einer der prominenten privaten Geldgeber ist Peter Thiel, der Erfinder des Paypal-Systems. Er allein spendete 100 000 Dollar.

Dass so viele Leute Vertrauen und in der Folge Geld in das Projekt von Slat investieren, ist nicht zuletzt dem Lob renommierter Wissenschaftler und Meeresbiologen für den kühnen Plan zu verdanken. Es gibt aber auch einige kritische Stimmen. ,,Das ist die falsche Herangehensweise,‘‘ sagt etwa Hans van Haaren vom Königlich-Niederländischen Seeforschungsinstitut an der Technischen Universität Delft. „Man muss die Verschmutzung der Meere mit Plastik nach dem Verursacherprinzip anpacken – das heißt, man muss an Land ansetzen, bei den Menschen, die Plastik benutzen und es dann achtlos wegwerfen.“ Und wenn der Müll schon eingesammelt werden soll, dann, so meint van Haaren, sei es sinnvoller, dies an den Flussmündungen zu tun, damit das Zeug gar nicht erst in die Ozeane gelangt.

Den bereits verschmutzten Weltmeeren hilft das indes nicht mehr. Und so hoffen nun viele darauf, dass Slat sein ambitioniertes Projekt umsetzen kann. Damit eines Tages auch die Henderson-Insel, die als Unesco-Weltnaturerbe gilt, nicht länger eine Müllkippe der fernen Zivilisation ist.

Boyan Slat – der Retter der Meere

Er ist erst 22 Jahre alt – und gilt schon als Retter der Meere: Boyan Slat aus dem südholländischen Delft will die Ozeane vom Plastikmüll befreien. Der niederländische Erfinder hat dafür ein passives System zum Auffangen des in den Meeresströmungen treibenden Plastikmülls entwickelt. Als Auslöser für das Projekt nennt Slat einen Urlaub im Jahr 2011 auf der griechischen Insel Lesbos: Der damals 16-Jährige war erschrocken, dass er beim Tauchen mehr Müll als Fische im Wasser sah. Fortan tüftelte er an einer Idee, das Meer von eben diesem Unrat zu befreien.

2013 schmiss Slat sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik und gründete die Organisation The Ocean Cleanup. „Sich um das Abfallproblem der Weltmeere zu kümmern ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit“, schrieb Slat auf seinem Blog. Der Niederländer wird für seine Arbeit hoch geschätzt: Im November 2014 gewann er den Preis Champions of the Earth des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.

Von Helmut Hetzel/RND

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