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Sterilisierte Fliegen aus Israel gegen Plage in Südeuropa

Wissenschaft Sterilisierte Fliegen aus Israel gegen Plage in Südeuropa

Rami Friedman nimmt vorsichtig einige hellbraune Fliegenlarven in die Hand. "Sie sehen aus wie Sesamkörner", sagt der Export-Manager der israelischen Firma BioBee lachend.

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Ofir Levi zeigt die gezüchteten Larven.

Quelle: Sara Lemel

Sde Eliahu. Das Unternehmen in einem Kibbuz im Norden des Landes exportiert jede Woche Millionen sterilisierter Larven nach Kroatien und Jordanien. Die ausgeschlüpften Insekten werden dort zur Bekämpfung der Mittelmeerfruchtfliegen (Ceratitis capitata) eingesetzt.

Die Methode ist raffiniert: Die Larven werden in großen Mengen gezüchtet und dann mithilfe radioaktiver Gammastrahlung sterilisiert. Der Vorgang wird finanziert von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die sich für eine friedliche Nutzung von Atomenergie einsetzt. Die israelische Firma hat eine entsprechende Ausschreibung für das Projekt gewonnen.

Nach Angaben der IAEA ist BioBee einer der Pioniere in dem Bereich. Es gibt auch in anderen Ländern ähnliche Farmen zur Züchtung solcher Fliegenlarven, eine der größten davon in Guatemala. Weltweit existieren noch etliche weitere Projekte, bei dem sterilisierte Insekten zur Bekämpfung ihrer Artgenossen eingesetzt werden - zum Beispiel gegen Mücken, die Malaria übertragen oder gegen die Tsetse-Fliegen, die Erreger der Schlafkrankheit verbreiten.

Dabei werden Insekten nicht immer mit radioaktiven Strahlen sterilisiert. In einigen Projekten werden Männchen gezielt genetisch verändert, etwa durch den Einbau eines zusätzlichen Gens. Andere Unternehmen infizieren beispielsweise Gelbfiebermücken mit dem Bakterium Wolbachia pipientis, das bei den Männchen die Spermien verändert. Paaren sie sich mit nichtinfizierten Weibchen, so stirbt der Nachwuchs in einer frühen Entwicklungsphase. Diesen Ansatz verfolgt unter anderem die US-Firma Mosquitomate.

Ähnliche Folgen verursachen die sterilisierten Männchen der Firma BioBee. "Die männlichen Fruchtfliegen paaren sich mit den örtlichen Weibchen", erklärt Ofir Levi, der für das Projekt zuständig ist. "Diese legen dann aber unfruchtbare Eier." So werde die Natur ohne den Einsatz von Pestiziden ausgetrickst.

Ziel ist eine drastische Verkleinerung der Mittelmeerfruchtfliegen-Bevölkerung. "Eine vollständige Ausrottung ist unmöglich", sagt Friedman. Am meisten betroffen von den Schädlingen seien Zitrusfrucht-Haine. "Besonders die Weibchen richten großen wirtschaftlichen Schaden an."

"Bio-Fly" ist nur eines der Projekte der Firma, die sich auf Biotechnologie spezialisiert hat. Das Unternehmen liegt in dem religiösen Kibbuz Sde Eliahu in der Nähe von Bet Schean und südlich vom See Genezareth - unweit vom besetzten Westjordanland und der jordanischen Grenze. Das Jordantal ist eines der heißesten Gebiete Israels. Friedman und Levi führen in der brütenden Hitze durch den Ort - schon am späten Vormittag klettern die Temperaturen auf 40 Grad.

In der in den 1930er Jahren gegründeten Gemeinschaftssiedlung lebt auch Mario Moshe Levy, der als ein Pionier des Bio-Anbaus in Israel gilt. Er sei schon über 90 Jahre alt, arbeite aber noch jeden Tag. "Manchmal fährt er sogar mit dem Traktor", erzählt Friedman mit einem Schmunzeln.

Beim Betreten des Gebäudes, in dem die Larven gezüchtet werden, schlägt dem Besucher ein starker Hefegeruch entgegen. "Das ist die Nährlösung für die Larven", erklärt Levi. Um die männlichen Larven von den weiblichen zu trennen, werden einfach alle leicht erhitzt. "Die Weibchen sind empfindlicher gegenüber Hitze, deshalb sterben sie ab."

Dann kommt die Sterilisierung: Die männlichen Larven werden dafür in einen Mini-Reaktor versenkt und mehrere Minuten lang der Gammastrahlung ausgesetzt. Vor dem Transport werden sie dann in kleine Plastiksäcke verpackt - in jedem davon haben etwa 150 000 Larven Platz.

In Kroatien dienen die israelischen Larven zur Bekämpfung der Mittelmeerfruchtfliegen in der Gegend zwischen Split und Dubrovnik, wie Levi erläutert. Die israelische Firma schickt pro Woche 20 Millionen Larven, für eine Dauer von 30 Wochen - also mehr als eine halbe Milliarde speziell präparierter "Kampf-Fliegen".

Nach ihrer Ankunft werden die Larven zunächst bis zum Schlüpfen in speziellen Behältern aufbewahrt. Danach starten die Fliegen ihr kurzes Leben in Freiheit - und beginnen mit der folgenlosen Paarung.

dpa

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