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Von Menschen und Wölfen: "Kein Anlass zur Panik"

Wissenschaft Von Menschen und Wölfen: "Kein Anlass zur Panik"

Die Wölfe sind zurück. Viele Menschen fremdeln noch mit dem neuen Mitbewohner. Befürworter beschwören immer wieder "Sachlichkeit".

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Ein Wolf steht in Drantum (Niedersachsen) neben einer Straße. Hochrangige Politiker und Wolfsforscher treffen sich zu einer dreitägigen Konferenz in Wolfsburg. Die Experten aus dem In- und Ausland wollen diskutieren, wie das Zusammenleben von Menschen und Wölfen möglichst konfliktarm ablaufen kann.

Quelle: Petra Averbeck

Wolfsburg. Irgendwo da draußen ist er unterwegs - der Wolf. Oder besser gesagt: die Wölfe. Seit dem Fall der Mauer kommen sie zurück nach Deutschland. Einige Hundert sind es schon, und es werden immer mehr.

Die Frage ist nur: Ist das gut oder schlecht? Der Graben zwischen Naturschützern und Wolfsgegnern ist tief.

Der Naturschutzbund Nabu - ein Befürworter des Wolfes in Deutschland - hat deshalb zu einer Konferenz in Wolfsburg geladen. Unter dem Motto "Mensch, Wolf!" diskutieren seit Donnerstag Politiker, Wissenschaftler und Vertreter von Verbänden über das Zusammenleben von Mensch und Tier. Dabei wird klar: Politisch wird die Erholung der Wolfsbestände in Europa und in Deutschland begrüßt.

Derzeit leben laut Nabu 31 Wolfsrudel und 4 Wolfspaare in Deutschland. Ein Rudel besteht aus zwei erwachsenen Tieren und in der Regel aus 2 bis 10 Jungwölfen. Die Wölfe kommen hauptsächlich in Sachsen und Südbrandenburg vor. Auch in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es einige Rudel. Nach Angaben der Landesjägerschaft Niedersachsen wird der bundesweite Bestand derzeit auf rund 350 Tiere geschätzt.

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella, der sich per Videobotschaft äußert, nennt die Rückkehr des Wolfes dabei eine große Herausforderung. Es sei "eine sehr anspruchsvolle Aufgabe", das Tier wieder in den dicht besiedelten Regionen der Europäischen Union anzusiedeln. Mehr Forschung sei nötig, beispielsweise über das Verhalten der Tiere, ihre Verbreitung und das Risiko, das von ihnen ausgeht.

Elsa Nickel, die für den wegen der VW-Krise verhinderten Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, einsprang, sprach sich für eine Versachlichung der Debatte aus. "Es gibt keinen Anlass zur Panik." Zutrauliche Wölfe, die jüngst immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hatten, entsprächen nicht der Norm. Außerdem könnten auffällige Wölfe notfalls per Ausnahmegenehmigung erschossen werden. "Denn der Schutz des Menschen muss immer Vorrang vor dem Artenschutz haben." Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) sagte, es sei sehr spannend, welche Rolle die großen Raubtiere wie der Wolf für die Ökosysteme spielten.

Trotz des Wunsches nach "Sachlichkeit" wird die Debatte um den Wolf über weite Strecken auch hitzig geführt. Einerseits freuen sich Tierschützer und viele Menschen über die Wölfe, die mehr als 150 Jahre nach ihrer Ausrottung wieder in Deutschland leben. Der Nabu hatte mehr als 2000 Menschen in den Bundesländern mit Wolfsbestand zu dem Thema befragen lassen. Ergebnis: Rund 80 Prozent finden es erfreulich, dass der Wolf wieder in der Landschaft anzutreffen ist. Nur 17 Prozent können dieser Tatsache nichts Positives abgewinnen.

Andererseits fürchten sich viele Menschen vor dem Wolf. Sie wollen nicht Gefahr laufen, das Raubtier im Wald zu treffen. In den vergangenen Monaten war es vermehrt zu Begegnungen mit dem Tier gekommen. So hatten Bewohner der Region um Munster (Niedersachsen) immer wieder von Annäherungen bis auf wenige Meter berichtet.

Gleichzeitig melden Schäfer und Landwirte gerissenes Vieh. Sie fordern von den Behörden, ihren Schaden schnell und unkompliziert ersetzt zu bekommen. Zudem melden sie finanziellen Bedarf für Schutzmaßnahmen wie Zäune. Einzelne Tierhalter fordern sogar die Bejagung der Tiere.

Von der Mensch-Wolf-Beziehung hänge die Zukunft des Tieres in Deutschland ab, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Und zeigte Dialogbereitschaft nach allen Seiten: "Es gibt auch sehr intensiv Betroffene. Auch die muss man ernst nehmen."

dpa

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