Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Vergleichsportale wirbeln Markt für Autoversicherungen durcheinander

Auto Vergleichsportale wirbeln Markt für Autoversicherungen durcheinander

Herbstzeit ist Wechselzeit für Kunden von Kfz-Versicherungen. Zum Preisvergleich nutzen immer mehr Verbraucher Online-Portale, die den Markt verändern. Als neuer Konkurrent könnte Internet-Riese Google antreten, der bereits kräftig mitverdient.

Voriger Artikel
Triumph enthüllt neue Power-Cruiser
Nächster Artikel
Damals Blei, heute Bio - Neue Benzinarten sorgen für Aufsehen

Welche Kfz-Versicherung soll es sein? Immer mehr Verbraucher nutzen Online-Portale, um Policen zu vergleichen.

Quelle: Arne Dedert

Frankfurt/Main. Bislang machen sie nur einen kleinen Teil des deutschen Marktes für Autoversicherungen aus - doch den Vergleichsportalen gehört nach Meinung der Branche die Zukunft. Versicherungen sind komplizierte, nur schwer vergleichbare Produkte mit erheblichen Preisschwankungen. Portale bieten da scheinbar einen echten Mehrwert, weil sie Orientierung im Angebotsdschungel versprechen. Ihr Geschäftsmodell besteht aber darin, die ratsuchenden Konsumenten nach ein paar Klicks in Versicherungskunden zu verwandeln - und pro Neuabschluss zwischen 50 und 100 Euro Provision zu kassieren.

Nur jeder vierte Versicherer in Deutschland kann es sich laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC noch leisten, nicht mit den Portalen zusammenzuarbeiten. Obwohl die sogenannten Aggregatoren im vergangenen Jahr erst 6 Prozent der rund 17 Millionen jährlichen Neuverträge (Haftpflicht und Kasko) für sich verbuchen konnten, rechnen alle befragten Versicherungsmanager damit, dass ihr Anteil stark steigen wird. 92 Prozent sind zudem der Auffassung, dass sie mit ihren Vergleichen den Markt verändern werden. Schon in diesem Jahr werden Check24, Transparo und weitere Portale rund 1,5 Millionen Verträge abschließen, so PwC. 2012 waren es erst rund eine Million.

Die Vergleichsseiten sind einer weiteren Studie der FH Köln zufolge längst Hauptimpulsgeber für den Wechsel, wenngleich die allermeisten Verträge immer noch offline zustande kommen. Dass das nicht so bleiben muss, zeigt der britische Markt, wo laut PwC 55 Prozent aller Autopolicen im Netz abgeschlossen werden. Gut zwei Drittel davon gehen auf das Konto der Portale, die übrigen über die Homepages der Versicherer. Die Pflicht-Versicherung gilt zudem als Türöffner für weitere Produkte, was den Preiskampf befeuert.

Die Ergebnisse der Portale seien wegen der Provisionszahlungen mit Vorsicht zu genießen, sofern es sich um Makler handele, warnt Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Wer sich nur auf ein Portal verlässt, erhält möglicherweise nicht die günstigste Police." Schwierig sei es für die Konsumenten auch, eine wirklich individuell optimierte Versicherung zu finden. "Der eine benötigt vielleicht die Mallorca-Police ganz dringend, der andere legt nur Wert auf einen günstigen Rabattschutz." Die Bedürfnisse könnten am besten in einer persönlichen Beratung erörtert werden.

Haftpflichtversicherungen sind laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft 2012 im Schnitt 3,8 Prozent teurer geworden. Dass bei Portalen halbwegs günstige Preise zu finden sind, scheint einigermaßen schlüssig. Dafür sprächen die "Preisgarantien" der großen Anbieter und deren weite Marktabdeckung, sagt der Leipziger Versicherungswissenschaftler Fred Wagner. Auch die PwC-Berater gehen davon aus, dass der "Preispunkt" in den Vergleichsportalen niedriger ist als im Autohandel oder beim Versicherungsvertreter um die Ecke.

Der hart umkämpfte Markt hat sich auf der Anbieterseite bereits verändert, erklärt Experte Wagner. Einzelne Anbieter hätten das margenschwache Kfz-Geschäft weitergegeben, neue Online-Anbieter drängten dafür in den Markt. Allerdings profitierten vor allem solche Versicherungen, die bereits als günstig bekannt sind, von den Portalen: Unter den Top-Ergebnissen entscheide letztlich die bekannte, Vertrauen ausstrahlende Marke darüber, ob der Verbraucher abschließt oder im letzten Moment doch noch wegklickt.

Die Anbieter tun fast alles, um den potenziellen Neukunden auf der viel beworbenen Seite zu halten - denn schon lange vor dem Abschluss hat das Unternehmen häufig richtig Geld ausgeben müssen. Bis zu 15 Euro müssen die Portale pro Klick auf ihre Werbebanner an den Such-Giganten Google zahlen, berichtet Check24-Sprecher Daniel Friedheim - ein lohnendes Geschäft für den US-Konzern, der gleichwohl erwägt, einen eigenen Preisvergleich für deutsche Kfz-Versicherungen anzubieten. Vorgespräche mit den Sachversicherern laufen bereits.

"Wir zittern hier nicht gerade", sagt der Check24-Sprecher und verweist auf das über Jahre erworbene Know-how und die Kompetenz der eigenen Berater an den Hotlines. Es sei fraglich, ob Google eine ähnliche Organisation aufbauen und zudem auf das Stammgeschäft der Internetwerbung verzichten wolle. Transparo-Vorstand Johannes Hack verweist auf die schwierige technische Anbindung an die Systeme der Versicherer und versucht auch, einen Nutzen aus der NSA-Spähaffäre bei US-Unternehmen zu ziehen: Die Kundendaten würden nur auf eigenen Servern in Deutschland gespeichert.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Verkehr