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Ab jetzt zähle ich: Wechseljahre bieten die Chance auf Neues

Familie Ab jetzt zähle ich: Wechseljahre bieten die Chance auf Neues

Viele Frauen fühlen sich in den Wechseljahren emotionaler und reizbarer. Es ist Zeit, sich auf die eigenen Wünsche zu besinnen. Der Austausch mit anderen hilft - auch bei der Erkenntnis: Hier beginnt nicht das Ende, sondern es entsteht etwas Neues.

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Einfach mal machen, was einem gut tut: Viele Frauen finden in der Phase der Wechseljahre den Mut dazu. Foto: Diagentur

Berlin. In afrikanischen oder asiatischen Kulturen gelten Frauen, deren Menstruation ausbleibt, als weise und anbetungswürdig. In unserer westlichen Kultur gilt für solche Frauen der Satz: "Jetzt wird sie etwas seltsam." Manch eine Frau durchlebt in der Tat eine psychische Achterbahnfahrt. Seltsam ist sie deshalb noch lange nicht.

"Die Wechseljahre zeigen sich bei jeder Frau anders", sagt Christian Albring, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Hannover. "Ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren hat starke Beschwerden, ein Drittel leichte, und ein Drittel merkt so gut wie nichts."

Gemeint sind nicht nur körperliche Anzeichen, sondern auch seelische. Dorli Lechner, zertifizierte Beraterin für Frauen in den Wechseljahren in Hamburg, erinnert sich: "Ich habe an allem gezweifelt, kaum geschlafen. Das Grundgefühl war: Keiner liebt mich."

Auslöser ist einerseits die hormonelle Umstellung. "Wenn das Östrogen fehlt, kann eine Frau sich von heute auf morgen miserabel fühlen", erklärt Albring. Doch es kommen auch existenzielle Fragen auf, einschneidende Erlebnisse.

Meist beginnt es damit, dass sich der 50. Geburtstag nähert - ein Moment, das Leben Revue passieren zu lassen. Manch eine stellt fest, dass sich ihr Alltag nur um Kinder, Ehemann und Eltern gedreht hat oder dass sie oft Konflikten ausgewichen ist. "Man kommt an den Punkt, an dem man schreien will: "Es reicht!"", beschreibt es Entertainerin Gayle Tufts aus Berlin, die die Wechseljahre in ihrer Show und ihrem Buch "Some like it heiß" zum Thema gemacht hat.

Außerdem sieht man seine Eltern älter werden, erkranken - oder muss ihren Tod verkraften. Nicht zuletzt spüren Frauen, dass sie nicht mehr 20 sind. "Die Frage kann einen beschäftigen, ob man nun zum alten Eisen gehört", sagt Albring. Vor allem, wenn im Job jüngere Kolleginnen nachrücken.

Im Englischen heißen die Wechseljahre "The Change". Und tatsächlich bietet die Zeit die Möglichkeit, in sich zu gehen und etwas zu verändern. "Es ist ein Signal, sich damit auseinanderzusetzen, wer man ist, wo man im Leben steht und wohin man möchte", findet Tufts.

Das kann ein mitunter anstrengendes Unterfangen sein - aber auch ein reinigendes. "Es ist ein Weg der kleinen Schritte", sagt Lechner. Er beginne damit, sich selbst wichtig zu nehmen. "Man sollte darauf schauen, welche positiven Eigenschaften man hat, was man bereits geleistet und erreicht hat."

Lechner rät, sich zu überlegen, welche Pläne man einst hatte - als Anregung für Neues. Wer Goldschmiedin werden wollte, hat mit Schmuckfertigen nun ein neues Hobby. Der Motorradführerschein war immer ein Traum? Prima, auf geht's. Es sei wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen, einen gesunden Egoismus zu entwickeln.

Die Experten empfehlen, sich außerdem mit anderen auszutauschen. "Der Frauenarzt hat Adressen", sagt Albring. "Es muss nicht gleich eine tiefe Analyse sein, sondern die Möglichkeit eines Gesprächs." Auch Beraterinnen, die sich auf Wechseljahrsbeschwerden spezialisiert haben, bieten Einzel- oder Gruppengespräche an. Nicht selten gewinnen Frauen in ihnen die Erkenntnis, dass sie weder verrückt noch seltsam sind.

 

Literatur:

 

Gayle Tufts: Some like it heiß, Rütten & Loening. Aufbau Verlag, 16,99 Euro, ISBN-13: 978-3352008368

dpa

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