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Erfolg durch Erfindungsreichtum: Spiele boomen im Computerzeitalter

Familie Erfolg durch Erfindungsreichtum: Spiele boomen im Computerzeitalter

Digitalen Welten zum Trotz: Das Gesellschaftsspiel ist nicht tot zu kriegen. Wohl auch weil es sich immer wieder neu erfindet: Auf der "Spiel '13" gibt es sogar Computerspielklassiker als Brettspiel zum Anfassen.

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Tim Ford, Erfinder des Spiels «Stick Storm» baut auf der Messe in Essen die Spielhölzchen zusammen.

Quelle: Roland Weihrauch

Essen. Auf der weltgrößten Messe für Gesellschaftsspiele haben Computerspiele nichts verloren. Eigentlich. Wenn aber ein Videospielklassiker der 1980er Jahre die digitale Welt verlässt, ist er auch auf den

internationalen Spieltagen 2013 (24. bis 27. Oktober) ein willkommener Gast: IT-Experte Norman Sommer hat mit "Whacky Whit" den kleinen gefräßigen Pacman und sein digitales Labyrinth zum Brettspiel werden lassen.

 

"Und zwar ganz ohne Strom", sagt der Spieleerfinder stolz. Aus Holz und mit magnetischer Mechanik ist sein Erstlingswerk ein Videospiel zum Würfeln und Figuren setzen statt Klicken - für stolze 400 Euro. Wenn digitale Spielfiguren zum Anfassen daherkommen wird klar: Nicht das Computerspiel ist die Bedrohung für Brettspielklassiker, das Gesellschaftsspiel ist Ausweg und Auszeit im digitalen Zeitalter.

Davon ist zumindest Messe-Veranstalterin Dominique Metzler vom Spieleverlag Friedhelm Merz überzeugt. "Wir sind den ganzen Tag von Technik umgeben, sitzen am Computer und die Handys bimmeln", sagt sie. "Miteinander direkt Spaß zu haben, ist das Schönste, was es gibt". So entdeckten immer mehr Familien und Erwachsene das Spiel wieder für sich.

Die Branchenzahlen geben ihr recht: Das fünfprozentige Umsatzplus sei vor allem durch eine starke Nachfrage nach Erwachsenenspielen zu erklären, berichtet Hermann Hutter vom Verbund Fachgruppe Spiel. Die kosten oft mehr, sind aber dafür opulent ausgestattet. "Qualität ist gefragt", so Hutter.

Um bei Spielefans gut anzukommen, bedürfe es dabei nicht zwangsläufig Anleihen aus der digitalen Welt, betont Metzler. Pacman oder die Tetrisversion des Bauklotz-Klassikers Jenga blieben die erfindungsreiche Ausnahme. Zwar ergänzen viele Spieleverlage inzwischen ihre Klassiker mit Apps für den Tablet-PC, "es geht aber nicht darum, Brettspiele zu ersetzen, sondern zu erweitern", so Metzler.

Das klassische deutsche Strategiespiel, das Mitspieler vor die Herausforderung stellt, sich mit Klugheit und guter Planung in einer fremden Welt zurechtzufinden, seien der Renner. "Nicht umsonst sind solche Spiele deutscher Verlage weltweit als 'German Games' bekannt und gefragt", erklärt Metzler. Und auch die Deutschen setzen beim Spieleabend gerne den Verstand ein: Das Strategiespiel "Terra Mystica", Erstlingswerk vom Spielverlag Feuerland, wurde in diesem Jahr von Publikum zum Gewinner des Deutschen Spielepreises gekürt.

Wer keine langen Spielanleitungen studieren will, komme auch auf seine Kosten, ergänzt Metzler: Actionspiele mit kinderleichtem Mechanismus, wie das rasante Stapelspiel "Speed Cups", bei dem bunte Becher möglichst schnell aufeinandergestapelt werden müssen, oder das Zungenbrecherspiel "Brautkraut" funktionieren ohne komplexe Strategie.

Tüftlergeist und Fingerfertigkeit dagegen sind bei einer weiteren Neuheit gefragt: Der amerikanische Luftfahrtingenieur Tim Ford hat es in den USA mit seiner Erfindung als erfolgreicher Teilnehmer einer TV-Talent-Show zu Bekanntheit gebracht. Er verbindet Holzstäbchen zu riesigen Konstruktionen, die so unter Spannung stehen, dass sie auf ein Kommando in die Luft fliegen. Mit dem Spiel "Stick Storm" von Goliath Toys will er die Spielidee der explodierenden Holzstäbchen in die Kinderzimmer weltweit exportieren.

"Ich hatte auch einmal die Sorge, dass alles irgendwie digital werden würde", sagt er. "Aber was machst du wenn dein Computer kaputt ist?" Ford und alle anderen Spiele-Fans aus der ganzen Welt kennen die Alternativen. Was die Spielewelt für sie Neues zu bieten hat, können sie noch bis Sonntag erkunden und ausprobieren.

dpa

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