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"Hausbesuche per Telefon" - ein besonderer Anrufservice aus Bremen

Familie "Hausbesuche per Telefon" - ein besonderer Anrufservice aus Bremen

Telefongespräche zum Wohlfühlen. Elf Bremer Frauen rufen regelmäßig Menschen in ganz Deutschland an, um ihnen den Alltag zu verschönern. Oft ist der Service ein Geschenk von Angehörigen.

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Zeit schenken am Telefon. Das haben sich elf Frauen in Bremen zur Aufgabe gemacht.

Quelle: Carmen Jaspersen

Bremen. Sie plaudern über das Wetter, die Enkelkinder und das Mittagessen. Manchmal ist das Gespräch intensiv, manchmal zäh. Wenn Sieglinde Schmidt-Schäfer beim Verein Ambulante Versorgungsbrücken den Telefonhörer in die Hand nimmt, ist sie bereit, sich ganz auf ihre Gesprächspartner einzulassen. "Wenn sie von früher erzählen, ist es richtig interessant und lebendig", sagt die 65-Jährige, die ehrenamtlich einmal in der Woche sogenannte Wohlfühlanrufe macht. "Da merkt man, wie sie aufblühen."

"Hausbesuche per Telefon" nennt die Vorsitzende des Vereins, Elsbeth Rütten, den nach ihren Angaben bundesweit einmaligen Service. "Es ist kein Angebot für Krisen", erklärt sie. "Wir sind die Dauerbegleiter." Mit ihren Anrufen wollen Rütten und ihre zehn ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Nähe vermitteln und Menschen den Alltag verschönern. Derzeit haben rund 60 Frauen und Männer im Alter von 55 und 95 Jahren Wohlfühlanrufe gebucht. Sie kommen aus ganz Deutschland und können je nach Wunsch bis zu sechsmal pro Woche mit den Bremer Frauen plaudern. Manche wünschen sich feste Uhrzeiten, andere wollen gerne überrascht werden. Die meisten Gespräche dauern bis zu 30 Minuten. "Aber bei uns schaut keiner genau auf die Uhr", sagt Rütten fröhlich.

Die Kosten für ein dreimonatiges Abo liegen je nach Häufigkeit der Anrufe zwischen 35 und 90 Euro. "Die Hälfte der Menschen, die wir am Telefon begleiten, bekommt die Anrufe von ihren Angehörigen geschenkt", erzählt die 65-jährige Rütten, die früher als Kinderkrankenschwester und in einer Suchtklinik arbeitete. Wer zum Beispiel berufstätig sei und eigene Kinder habe, könne seinen alten Eltern oft nicht so viel Zeit schenken wie diese sich wünschten. So rufe sie zum Beispiel dreimal in der Woche eine alte, demente Frau an, die sich immer riesig freue. "Wir singen zusammen, ich lasse mir ihre Geschichte erzählen. Das sind jedes Mal die gleichen Inhalte. Wir spazieren durch ihr Leben, so wie sie es bestimmt." Für die Frau sei dies eine große Freude, für deren Tochter eine enorme Entlastung.

Die Idee für die Wohlfühlanrufe hatte Rütten, als sie bei ihrer Vereinsarbeit merkte, wie viele Menschen einfach nur reden möchten und sich über ein kurzes Telefonat freuen. Sie machte sich auf die Suche nach Freiwilligen und bot für Interessenten Schulungen an, um sie auf die Arbeit vorzubereiten. Einige Frauen wie Schmidt-Schäfer blieben dabei und begannen 2012 mit den Anrufen.

Schmidt-Schäfer, die einmal in der Woche für ein paar Stunden im Büro der Ambulanten Versorgungsbrücken telefoniert, ist nach ihrer Arbeit geschafft, aber zufrieden. Auch wenn es ab und zu schwierige Gespräche gibt, empfindet sie die Wohlfühlanrufe auch persönlich als große Bereicherung. "Man lernt ganz viele Schicksale kennen. Manche sind hart, da kommt man immer wieder auf die Erde zurück", sagt sie. "Die eigenen Probleme sind dann schon gar nicht mehr so groß."

dpa

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