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Was Anleger von Nobelpreisträgern lernen können

Verbraucher Was Anleger von Nobelpreisträgern lernen können

Anleger sollten sich nicht allein auf ihre Berater verlassen, sondern sich auch weiterbilden. So können sie von den Forschungen aktueller Nobelpreisträger lernen.

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Die Entwicklung von Aktien lässt sich nur schwer vorhersagen.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Stuttgart. Der Wirtschafts-Nobelpreis ging in diesem Jahr an Wissenschaftler für ihre Grundlagenforschung an den Finanzmärkten. So hat Eugene Fama gezeigt, dass kurzfristige Preisänderungen an den Aktienmärkten nicht vorhersagbar sind. Die Aktienkurse spiegeln alle verfügbaren Informationen wider - weshalb auch die am besten informierten Anleger die künftige Preisentwicklung nicht voraussagen können. Ebenso nutzlos sei die Charttechnik.

Famas Erkenntnisse sind über 40 Jahre alt und wurden seitdem vielfach bestätigt - aber auch infrage gestellt, insbesondere durch die verhaltensorientierte Finanzierungslehre. Diese haben Ökonomen wie Robert Shiller geprägt. Auch er bekommt 2013 den Nobelpreis.

So ist inzwischen gut belegt, dass private und professionelle Anleger sich gleichermaßen von psychologischen Phänomenen leiten lassen und sich oft nicht vernunftorientiert verhalten. Diese Phänomene tragen zu starken Preisanstiegen über lange Zeiträume und darauffolgenden Kurseinbrüchen in einzelnen Anlagemärkten bei. Finanzprofis verhalten sich dabei oft wie eine Herde Schafe, die alle in dieselbe Richtung laufen, einzig deshalb, weil alle in dieselbe Richtung laufen. Dennoch hält Shiller den Finanzmarkt für einen der effizientesten, den es gibt.

"Für Fondsmanager sind das schlechte Nachrichten, weil sie in gut funktionierenden Märkten kaum Mehrwert für ihre Kunden erbringen können", schließt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg daraus. Tatsächlich belegen Studien, dass die meisten Investmentfonds jedes Jahr schlechter abschneiden als die gängigen Aktienindizes wie der S&P 500 oder der DAX. Fama hat gezeigt, dass diese Ergebnisdifferenz so groß ist wie die Kosten, die die Investmentfonds verursachen.

Aber es kommt noch schlimmer: Diejenigen Fonds, die besonders gut abgeschnitten haben, hatten vor allem eins: Glück. "Das Problem der Anleger ist, dass sie es einem Fondsmanager nicht an der Nase ansehen können, ob er gut oder schlecht ist und ob er Glück oder Pech haben wird", erklärt Nauhauser. "Sicher sind nur die Kosten."

Die Forschungen von Fama, Shiller und vielen anderen sind für Anleger von unschätzbarem Wert. "Gute Börsengeschäfte erfordern weder viel Fachwissen noch großen Zeitaufwand", schlussfolgert Nauhauser. Passive und kostengünstige Indexfonds seien daher attraktiver als teuere aktiv verwaltete Fonds.

Das Wissen der Forscher sei aber längst noch nicht zu den hiesigen Finanzberatern durchgedrungen. "Die Wahrheit ist: Was die Nobelpreisträger herausgefunden haben, stellt das Geschäftsmodell vieler Vermögensverwalter und provisionsfinanzierter Finanzberater auf den Kopf", sagt Nauhauser. "Die Erfolgsformel der Geldanlage ist simpel und sie lautet: breite Risikostreuung und Minimierung der Kosten."

dpa

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