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Das Narrenhaus - Neustart im Deutschen Fastnachtmuseum

Brauchtum Das Narrenhaus - Neustart im Deutschen Fastnachtmuseum

Angeblich spielte Frankenwein eine Rolle, als die deutschen Karnevalisten ihr zentrales Museum in Kitzingen ansiedelten. Die in die Jahre gekommene Narren-Ausstellung ist nun gründlich aufgemöbelt worden - pünktlich zur Bewerbung als Unesco-Kulturerbe.

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Neben lebensgroßen Figuren wie der «Allersberger Flecklashexe» machen Videoprojektion den Museumsbesuch spannend.

Quelle: David Ebener

Kitzingen. Die Narrenkappe hat den deutschen Jecken ausgerechnet ein preußischer Militär aufgesetzt. "Das hat sich ein General ausgedacht", sagt die Kulturwissenschaftlerin Birgit Friedel - damals, Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Preußen mit Gardeuniformen und Umzügen Ordnung in die wilde, ungezügelte "fünfte Jahreszeit" brachten. Vor ihr liegt die älteste hierzulande erhaltene Narrenkappe, ein verblichenes Stück bunter Stoff aus dem Jahr 1840 im Stil der französischen Jakobinermütze. "Fasching, Fastnacht und Karneval spiegeln zu allen Zeiten die gesellschaftlichen Gegebenheiten wider", betont Friedel.

Diese Erkenntnis steht im Zentrum des

Deutschen Fastnachtmuseums im unterfränkischen Kitzingen, das am Sonntag (10. November) wiedereröffnet wird. Das Museum des Bundes Deutscher Karneval ist für 4,5 Millionen Euro aus- und umgebaut worden und präsentiert sich nun pünktlich zur Bewerbung der deutschen Narren um den Unesco-Kulturerbe-Titel als moderne Ausstellung in zeitgemäßem Design.

 

Lebensgroße Figuren in prachtvollen Kostümen erwachen dank Videoprojektion zum Leben, es gibt Kamelle und Besucher können sich an einer Ballettstange im Gardetanz probieren - nach Vorbild der Tanzmariechen im Lehrfilm. "Ich habe es schon selbst ausprobiert", sagt Museumsleiter Bernhard Schlereth lachend. "Wenn die Musik anfängt, muss man aufpassen, sich nicht auf die Füße zu treten."

Die Ausstellung gibt einen Überblick über närrische Traditionen in Deutschland, von "Alaaf" (Köln) über "Alleh hopp!" (Saarbrücken) bis "Marn hol fast" (Dithmarschen). Sie berichtet von Goethes Qualen während der tollen Tage in Rom ebenso wie vom Verhältnis der Kirche zum Teufelsspuk der Fastnacht. "Das Bedürfnis der Menschen nach Musik, Tanz und Feiern, das hat es immer gegeben", betont Schlereth.

Die Art der Darstellung - übersichtlich, geräumig, interaktiv - ist nicht mit der früheren Schau im Kitzinger Falterturm zu vergleichen. Diese hatte sprichwörtlich Staub angesetzt - und noch dazu machten sich in dem alten Gemäuer Insekten über die Kostüme her. Als die Stadt dem Museumsbetrieb vor zwei Jahren aus Brandschutzgründen ein Ende setzte, wagten die Karnevalisten den großen Wurf. Sie kauften ein Grundstück zu, verbanden zwei bestehende Baudenkmäler und erweiterten sie um einen Neubau. Finanziert wurde dies vom Bund Deutscher Karneval, dem Fastnacht-Verband Franken und aus zahlreichen Fördertöpfen.

750 Quadratmeter Ausstellungsräume und ebenso viel Fläche für Forschung, Archiv und Bibliothek sind das Ergebnis. Das Haus könnte zusätzliche Bedeutung erlangen, falls die deutschen Karnevalisten es schaffen, den närrischen Frohsinn zum Unesco-Kulturerbe erklären zu lassen. Dies hatten sie vor kurzem angekündigt. "Im Antrag sprechen wir uns auch dafür aus, dass wir künftig Forschung leisten wollen. Dann wäre dieses Museum die zentrale Anlaufstelle", sagt die wissenschaftliche Leiterin Daniela Sandner.

Ein echtes Narrenzentrum also. Dass dies ausgerechnet in der historischen Weinhandelsstadt Kitzingen steht und nicht in einer der jecken Großstädte am Rhein, ist dem langjährigen Museumsleiter Hans-Joachim Schumacher zu verdanken. Der setzte den Standort vor 50 Jahren beim Bund Deutscher Karneval durch. "Manche sagen heute schmunzelnd: Der hat ihnen gut Frankenwein eingeschenkt", sagt Bernhard Schlereth. "Wobei Kitzingen selbst auch eine alte Fastnachtstradition hat." Er hofft, dass das neue Haus auch deutlich mehr Besucher anzieht - vor der Schließung zählte das Museum etwa 3000 Gäste pro Jahr.

 

Service:

 

- Für die Öffentlichkeit ist das Museum von Montag, 11. November, an geöffnet.

 

- Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 13.00 bis 17.00 Uhr, mittwochs bis 18.00 Uhr.

 

- Eintritt: 5,55 Euro, ermäßigt 3,33 Euro

dpa

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