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Deutschland Blubberkonzerte für Froschtouristen: Ein Ausflug ins Moor
Reisereporter Deutschland Blubberkonzerte für Froschtouristen: Ein Ausflug ins Moor
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11:46 10.04.2018
Sylvia Becker ist Gästeführerin in der Region Schneverdingen in der Lüneburger Heide. Quelle: Larissa Loges
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Schneverdingen

Die Männer sind mal wieder blau. Sylvia Becker ist ihnen auf der Spur. Im Pietzmoor in der Lüneburger Heide erklärt die Gästeführerin ein ungewöhnliches Naturspektakel: liebestolle Froschmännchen, die sich zur Paarungszeit ein himmelblaues Gewand zulegen.

Die Frösche machen Lärm. "Das Blubberkonzert kann man schon von weitem hören", sagt Sylvia Becker. Froschtouristen durchstreifen mit Stativen und mächtigen Teleskop-Objektiven das Moor. Ein Kranich schreit.

Plötzlich, hinter der nächsten Kehre, stechen wie schillernde Mini-Segel Hunderte Froschköpfchen aus dem Wasser. "Lauter kleine Dreiecke", sagt Becker. Spitznasig. Mit Augen. Die tummeln sich munter nur wenige Meter vom Ufer entfernt. "Dafür hat sich die Fahrt gelohnt", meint Christine Bunse (49), Touristin aus dem von Schneverdingen rund 60 Kilometer entfernten Hamburg.

Rund 8000 Jahre alt ist das Moor. "Ein typisches Hochmoor, seit Mitte der 1970er Jahre steht es unter Naturschutz", erklärt Becker. "Unten ist es abgedichtet mit einer Ton- und Mergelschicht. Wasser bekommt es also nur von oben." Schmale Stege aus Eichenbohlen bilden einen rund fünf Kilometer langen Rundweg.

Eine kleine Kreuzotter sonnt sich an einem Baumstumpf. Mit ihrer silbergrau-bräunlichen Farbe kann sie mit der Pracht der geschützten blauen Froschmännchen aber nicht mithalten.

Letztere sind nur eines der Farbwunder, die Deutschlands Hochmoore bereithalten. Sie sind ein artenarmer Lebensraum, nur für Überlebenskünstler. Wie die fleischfressenden Sonnentaugewächse: Die Drosera rotundifolia ist eine rundblättrige Pflanze, die im Sommer Besuchern einen zarten, roten Teppich ausrollt. Ihre Nährstoffe bezieht sie zum Teil aus Insekten, die sie mit taubenetzen Blättern fängt. Doch auch wenn eine Bezeichnung der Pflanze "Widdertod" ist, dürfte es dem Sonnentau schwerfallen, einen solchen zu verdauen.

Wen schon diese Karnivoren gruseln, der sollte sich eine nächtliche Wanderung durch das Moor in Emsdetten nördlich von Münster gut überlegen. Hier lautet das Motto "Oh, schaurig ist's, übers Moor zu gehen" nach der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Die Veranstalter raten, "einen Schutzengel mitzunehmen". Falls man zwischen Nebelschleiern den Moorhexen begegnet.

Bizarr, unwirklich, die Landschaft der Moore sucht ihresgleichen. Und ist doch immer wieder Leben pur. Bunt treiben es auch die Libellen - etwa im Hochmoor Kaltenbronn. Das rund 400 Hektar große Naturschutzgebiet ist eines der schönsten Wandergebiete des Schwarzwalds. "Etliche Libellenarten legen hier ihre Eier", erklärt die Biologin Marjam Gues. In den Sommermonaten, speziell im Juli, sei eine gute Zeit, viele Libellen zu sehen.

Und dann ist da noch das Wollgras. "Als ob Frau Holle ihre Betten ausschüttelt", beschreibt es Sylvia Becker in Schneverdingen. "Alles weiß überzogen." So gibt es meist im April und Mai in vielen Hochmooren Wattebäusche, so weit das Auge reicht.

dpa

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