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Rund um die Welt Die englische Grafschaft Kent setzt auf Winzer
Reisereporter Rund um die Welt Die englische Grafschaft Kent setzt auf Winzer
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10:52 28.08.2018
Erntezeit: Die typischen Champagner-Trauben wachsen mittlerweile auch gut in Großbritannien. Quelle: Verena Wolff
Westerham

Mitten in den Flitterwochen erreichte Henry Warde aus Westerham ein Anruf, der sein Leben verändern sollte. Am Telefon war sein Vater, der Besitzer der Ländereien in der englischen Grafschaft

Kent.

Und der hatte Besuch von einem Champagner-Produzenten aus Frankreich, der Interesse am Land der Wardes hatte. "In der Champagne wird es langsam zu warm für die Trauben, die sie für ihr Produkt brauchen", erzählt der 42-jährige Henry. Also schaut sich mancher Produzent jenseits des Ärmelkanals nach Land um.

"Die Erde hier ist ähnlich wie in Nordfrankreich, viel Kreide, die Wurzeln der Reben können tief in den Boden wachsen." Und der Klimawandel bringt wärmere Temperaturen mit sich, so dass sich die Trauben auch im britischen Klima wohlfühlen. Land verkauften die Wardes dem Franzosen nicht. Aber Henry begann darüber nachzudenken, selbst Wein anzubauen. "2006 haben wir schließlich die ersten Reben gepflanzt, die wir in Deutschland einkauften", erzählt er. Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier: die Sorten, die man zur Herstellung von Champagner braucht.

Doch so darf sich nur der Schaumwein nennen, der aus der französischen Champagne kommt. Also heißt das Produkt von Henry Warde schlicht Sparkling Wine, Schaumwein.

Doch Henry will nicht nur guten Wein machen - er hat auch die Sache mit dem Marketing verinnerlicht. Schließlich besitzt er dieses große alte Haus, das wunderschön in einem parkähnlichen Garten liegt. Mit ein paar Zimmern voller Gemälde der Ahnen. Also öffnet er die Pforten und kredenzt neben dem eigenen Champagner im Wohnzimmer der Wardes auch Geschichten der Vorfahren, die eine bewegte Vergangenheit haben.

Die Grafschaft Kent im Süden des

Königreichs ist vor allem als der "Obstgarten Englands" bekannt - oder für die Kreidefelsen von Dover und das altehrwürdige Canterbury. Äpfel und Birnen, Kirschen und Erdbeeren - das sind die Früchte, die das Land im Südosten Englands vor allem hervorbrachte.

Doch vor allem die Äpfel waren eine Weile mehr Fluch als Segen, als die Apfelpreise stark sanken und die Gärten nicht mehr genügend einbrachten. Ende der 1960er Jahre war das. Da probierte die Familie Barnes sich einfach an der Winzerei. Auf einer kleinen Fläche pflanzte man die ersten Reben und legte damit den Grundstein der

Biddenden Vineyards. Heute wachsen hier elf verschiedene Sorten auf rund neun Hektar Land, die sich in einem Tal auf den sanften Hügeln am Ortsrand von Biddenden befinden.

Bei den Barnes ist bis heute alles übersichtlich, auch wenn sie sich auf die Fahnen schreiben können, als Erste das Wagnis Wein in England probiert zu haben - und damit Erfolg hatten. In ganz anderen Dimensionen ist die Chapel Down Winery in Tenterden unterwegs: Hier werden pro Jahr mehr als 800.000 Flaschen Wein produziert.

In

Chapel Down ist alles von vorne bis hinten durchgeplant. Auf einer Tour kann man einige ausgewählte Felder besuchen und bekommt im Schnelldurchgang eine Einführung in die Kunst der Weinproduktion.

Ähnlich ist es in

Hush Heath Estate in Tonbridge: Hier hat Richard Balfour-Lynn schon 2001 die ersten Reben gepflanzt. Inzwischen gehört er zu den führenden Anbietern in Großbritannien - und exportiert jede Menge Schaumwein in die ganze Welt. Vor Ort können die Besucher durch die sanften grünen Weinhügel spazieren und sich dann einem Tutored Tasting unterziehen.

"Wenn die Klimaerwärmung so weitergeht, wie es derzeit aussieht, wird es künftig noch viel mehr Wein aus Großbritannien geben", sagt Henry Warde. Und wer weiß - vielleicht müssen sich die britischen Winzer dann gar nicht mehr auf Schaum- und Weißweine konzentrieren. "Dann könnten sogar Rotweine hier funktionieren."

dpa

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