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Genuss & Leben Die Dschungelkönigin
Sonntag Genuss & Leben
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20:05 23.06.2017
Sattes Grün, klare Konturen: Die Monstera deliciosa soll schon Picassos Lieblingspflanze gewesen sein – und wird heute als Gewächs ebenso wie als Motiv gefeiert. Quelle: iStockphoto
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Hannover

Zunächst kamen die bunten Blüten, mittlerweile sprießen auch grünblättrige Zimmerpflanzen aller Art auf Stoffen, Tapeten, Schuhen oder gar Teppichen. Die Natur wächst, beflügelt durch unsere Sehnsucht, ins Haus und macht dort vor nichts halt. Eine Pflanze hat es den Designern dabei besonders angetan, und wer sich ein bisschen mit ihr auseinandersetzt, versteht bestimmt auch, warum. Es ist die Monstera deliciosa, auch als Fensterblatt bekannt.

Ihre fleischigen Blätter leuchten so unglaublich speckig und intensiv tiefgrün, wie man es in deutschen Wäldern kaum finden wird. Ihre Stängel sind kräftig und stabil. Viel wichtiger aber ist ein anderes Charaktermerkmal – nämlich die ovalen, immer wieder von Furchen und Einkerbungen durchzogenen Blätter. Keines von ihnen gleicht in seiner Form einem anderen, und so ist jedes von ihnen einzigartig.

“Monsteras sind der Inbegriff von tropischem Grün. Sie können groß und üppig werden, fast gigantisch“, sagt etwa Ina Froehner vom Kreativportal Dawanda, auf dem es zurzeit Hunderte von Produkten rund um die Monstera gibt: Ihre Blätter wuchern über Deko-Stoffe und Bikinis, oder aber sie finden sich wieder in Gestalt eines Kissens oder eines goldenen Ohrrings. Auch Designer wie beispielsweise die der skandinavischen Möbelhersteller BoConcept und Svenskt Tenn haben die Monstera in ihre Produktlinien aufgenommen: Mal ist sie ein goldfarbener Wandschmuck, mal eine Stehleuchte.

Tragbares Dschungelfeeling: Blattwerk mit Monstera auf einem Rucksack von Noon Moon. Quelle: DaWanda

Das passt, schließlich kommt der Monstera in der chinesischen Harmonielehre die wichtige Aufgabe des Ausgleichs und der Ruhe zu – unter einer Voraussetzung: Die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze muss stimmen. Ansonsten kann die Monstera nämlich auch eine echte Diva sein und ordentlich Unruhe stiften.

Doch was reizt uns an dieser Pflanze? “Monsteras sind im dichten Dschungel zu Hause und wecken durch ihre bloße Gestalt die Lust auf Abenteuer und das Unbekannte, aber auch auf Sommer, Sonne und Urlaub“, sagt Froehner. Die Wahl auf ihre Blätter als Motiv fällt ihrer Meinung nach aber noch aus einem anderen Grund: “Die kräftigen Farben und Konturen sowie die ästhetische Gestalt spielen eine große Rolle für ihre Beliebtheit.“

Das ist heute nicht anders als vor Jahrhunderten, als die Monstera aus den tropischen Wäldern Südamerikas nach Europa kam. Zu ihren prominentesten Bewunderern sollen gar Picasso und Matisse gezählt haben. Letzterer widmete den gespaltenen Blättern sogar einige Werke, nachdem er in einem französischen Hotel einem besonders imposanten Exemplar der Pflanze begegnet war.

Edle Konturen: goldfarbener Wandschmuck in Monstera-Blattform von BoConcept. Quelle: BoConcept

Entdeckt wurde die Monstera, die häufig unzutreffend als Philodendron bezeichnet wird, von mehreren Botanikern, die auf Entdeckungsreise in den Dschungel waren. Der Däne Frederik Liebmann schließlich soll der Monstera deliciosa ihren Namen gegeben haben. Seitdem hat die Monstera, die es in zahlreichen Gattungen gibt, immer wieder lange Zeiten der Hochkonjunktur, aber auch Flauten erlebt.

Sie wuchs schon in den Gärten des Potsdamer Schlosses Sans Soucis. In den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts dann wurde sie zu einer Art Ikone des Mid-Century-Designs. Auf nahezu jedem String-Regal machte sich in dieser Zeit ein Ableger breit. Später dann reihte sich die Monstera zwischen Yuccapalmen und Bogenhanf ein – und fristete, umringt von Blähtonkügelchen ein eher liebloses Dasein in tristen Amtsstuben und Lehrerzimmern. Bis jetzt.

Kaum jemand weiß, dass man die Monstera sogar essen kann, obwohl das der Zusatz “deliciosa“ eigentlich schon andeutet. Der Legende nach soll Entdecker Józef Warszewicz die Frucht der Monstera gekostet haben, nachdem er sich auf seiner Expedition ausschließlich von getrockneter Maniokwurzel ernährt hatte. Ihr Geschmack war eine willkommene Abwechselung: Das Aroma wird als lieblich und süß beschrieben, etwa wie das von Banane oder Ananas. Vor langer Zeit wurde die Frucht der Pflanze daher sogar zum Aromatisieren von Champagner genutzt. Das klingt doch sehr glamourös. Wer möchte einen Ableger?

Von Dany Schrader

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