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Heiße Schulter

Sommertrend Schulterfreiheit Heiße Schulter

Schulterfreie Blusen, gern in mediterranem Weiß und Blau gehalten, sind das Mode-It-Piece des Sommers – auch deswegen, weil sie Frauen jeden Alters und jeden Körpertyps schmeicheln.

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Das nächste große Ding: Bloggerin Viktoria Rader im September 2016 mit nackten Schultern.

Quelle: dpa/Runway Manhattan

Hannover. Der kleine, französische Küstenort Cap Ferret ist ein Urlaubsziel wie gemacht für die Leinwand. Nicht ohne Grund hat Regisseur Guillaume Canet der schmalen Landzunge, die das Bassin D’Archachon vom Atlantik trennt, vor einigen Jahren mit “Kleine wahre Lügen“ einen mehrstündigen Kinofilm gewidmet, in dem eigentlich nicht viel mehr passiert als das, was die Bordelaisen dort im Sommer so treiben: Austern schlürfen, durch die Markthalle schlendern, in der Sonne liegen und dann wieder baden.

Die blauweiß gestreiften Hemden und Blusen, die sie dabei tragen, sahen schon vor vielen Jahren so aus, wie die Modelle, die es in diesem Sommer besonders zahlreich in den Filialen der Modeketten gibt: weiß oder blauweiß gestreift, aus kühlender Baumwolle und bei den Frauen schulterfrei. Deshalb wird den Bordelaisen das Beben, das sich vor knapp zwei Jahren in New York um diese Art von Blusen zutrug, vielleicht auch nur ein amüsiertes Kopfschütteln vor dem nächsten Schluck Rosé entlockt haben. Auf der anderen Seite des Atlantiks aber beschäftigten sich gar Analysten ernsthaft mit der “Off-Shoulder“-Thematik.

Geschenk für die Modebranche

Im September 2015 nämlich zeigten angesagte Labels wie Proenza Schouler während der Fashion Week erstmals wieder Blusen mit Carmen-Ausschnitten und Cut-outs auf den Laufstegen. Irgendwie muss professionellen Beobachtern in diesem Moment klar gewesen sein, dass da etwas Großes auf sie zukommt. Die US-amerikanische Trendexpertin Sarah Tam beschrieb es in der “Washington Post“ so: “Ich wusste, dass in diesem Augenblick etwas passiert. Das habe ich auch meinen Kollegen gesagt.“

Was im Anschluss an die Schau geschah, ist für die Modeindustrie, die sich seit vielen Jahren dem gleichzeitigen Auftreten unzähliger, teilweise nur kurzlebiger Trends stellen muss, vermutlich wie ein Geschenk gewesen: Die Branche nahm die Entwürfe auf – wie üblich wurden nicht nur die Originale in den Handel gebracht, sondern zu Hunderttausenden auch Abwandlungen und Kopien, und die Kunden kauften wie verrückt.

Das Modeanalytik-Unternehmen Edited registrierte nach eigenen Angaben allein online für das erste Quartal 2016 einen 110-prozentigen Anstieg von schulterfreien Tops, Kleidern und Blusen im Vergleich zum Vorjahr. Beinahe proportional dazu schnellte die Zahl der Suchen zum Thema in die Höhe. Die Modeblogger zogen auch noch kräftig mit – und riefen die schulterfreie Bluse zum It-Piece aus.

Elegant, alterslos, aufregend

Doch warum hat ausgerechnet ein Oberteil, das beim Tragen die Schultern teilweise unangenehm auskühlen lässt, das Zeug zum Renner? Brooke Jaffe, Modechef des ehrwürdigen New Yorker Nobelkaufhauses Bloomingdale´s, erklärte es gegenüber der “Washington Post“ ganz einfach so: “Ich kenne kaum Frauen, die ihre Schultern hassen.“

Die schulterfreie Bluse nämlich ist so dezent, dass sie die unvorteilhaften Stellen des Körpers nicht berührt: Unterhalb des Schlüsselbeins bleibt sie lässig weit, selbst wer am Bauch etwas angesetzt hat, kann das kaschieren. Man kann sie locker über dem Hosenbund tragen, zum Rock, reingesteckt oder in der Langversion gleich als Kleid. Die Bluse, das sagen auch die Analysten, ist noch dazu alterslos: Schultern haben wenig Falten. Und so sind alle, egal ob Millennial oder Babyboomer, in Off-Shoulders elegant, aber auch ein bisschen aufregend gekleidet. Wer mag, trinkt ein Glas Rosé dazu. So zumindest machen es die Bordelaisen.

Von Dany Schrader

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