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Ich bin ja so verschossen ...

Sommersprossen im Trend Ich bin ja so verschossen ...

Die Zeiten, in denen man sich für seine Sommersprossen schämte, sind lange vorbei. Inzwischen sind die kleinen Flecken so angesagt, dass sich manche Fashionista gar künstliche Sprossen tätowieren lässt.

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Eine Blume in Gelb

Schwer im Kommen: Sommersprossen liegen im Trend – egal ob natürlich, aufgemalt oder gar tätowiert.

Quelle: Fotolia

Hannover. Wenn die Temperaturen steigen und die Sonne häufiger und stärker scheint, sind die kleinen körpereigenen Vorboten des Sommers wieder zu sehen: Pigmentflecken im Gesicht, am Dekolleté und auf den Armen – Sommersprossen. Vor allem Menschen mit hellem Teint und rotblonden Haaren neigen zu den orangebraunen Färbungen, die in Österreich auch Guckerschecken genannt werden.

Eine minimale Genmutation bewirkt bei den Betroffenen, dass die Sonneneinstrahlung die Haut nicht gleichmäßig färbt, sondern – je nach Typ – sehr individuelle Flecken oder Pünktchen entstehen lässt. Nicht immer entsprach das Phänomen dem geltenden Schönheitsideal. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, als ein blasser und ebenmäßiger Teint als schick galt, schminkten und bleichten sich Frauen darum ihre Gesichter, um den vermeintlichen Makel zu verstecken – teilweise mithilfe von quecksilberhaltigen, also giftigen, Mitteln. Doch weder Verkäufer noch Nutzerinnen hatten große Bedenken, entschieden doch zum Beispiel Richter im Jahr 1930: “Bei der Beseitigung von Sommersprossen handelt es sich (...) um Beseitigung eines anormalen Zustandes.“

Rothaarige als Stilvorbild

So eine Haltung ist glücklichweise lange her und Jugendliche müssen nicht mehr unbedingt mit der alten irischen Weisheit “Ein Gesicht ohne Sommersprossen ist wie ein Himmel ohne Sterne“ getröstet werden. Seit ein paar Jahren sind Sommersprossen sogar regelrecht in Mode gekommen. Hollywoodstars mit natürlichen Flecken wie Emma Stone, Olivia Munn, Emma Watson oder Julianne Moore wurden zu Vorbildern. Auf Modeschauen laufen häufiger roothaarige Models über die Laufstege. Wer von Natur aus kein fleckenloses Gesicht hat, greift schon mal zum Kajalstift, um sich Sommersprossen aufzumalen.

In diesem Jahr nun sind Sommersprossen-Tattoos ein Trend – vor allem in Australien und Kanada. Unter Hashtags wie #freckletattoo finden sich auf Instagram zahlreiche Bilder von jungen Frauen, die sich Punkte ins Gesicht haben tätowieren lassen. Natürlich sieht das allerdings nicht immer aus. Bei manchen Bildern muss man eher an Christine Urspruch mit Wunschpunkten in der „Sams“-Verfilmung denken. Doch ähnlich wie permanentes Make-up für die Augenbrauen gilt das Sommersprossen-Tattoo als modisches „Microblading“, also eine minimale Verschönerung, die ein bis zwei Jahre hält – eine Veränderung auf Zeit. Im Fall der Sommerspossen müssen bis zu vier Stunden für die Prozedur eingeplant werden, bei Kosten von umgerechnet 180 Euro.

Das ganze Jahr wie von der Sonne geküsst

Doch warum das Ganze? Junge Australierinnen, die in einem Youtube-Video zu sehen sind, nennen “niedlich“ und “nicht perfekt“ sein zu wollen, als Gründe. “Vermutlich wollen die Menschen einfach das ganze Jahr über aussehen wie von der Sonne geküsst“, sagte Tätowiererin Gabrielle Rainbow aus Montreal dem Internetmagazin “Coveteur“. Das passt in die Zeit. Im Jahreszeiten-Überlisten ist die westliche Gesellschaft ja schon ziemlich weit. Kaum ist der letzte Nachtfrost vorbei, stehen schon die ersten Erdbeeren auf dem Tisch.

Warum also nicht immer mit Sommersprossen rumlaufen – auch bei Minusgraden und grau verhangenem Himmel? Naturschöne Sommersprossen-Trägerinnen lehnen sich derweil entspannt zurück und summen den alten UKW-Hit “Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen ...“

Von Christiane Eickmann

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