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Ich bin kein Berliner

Foodtrend Spaghetti Donut Ich bin kein Berliner

Der Donut ist spätestens seit Homer Simpson nicht mehr nur bei amerikanischen Cops beliebt, sondern eine transatlantische Erfolgsgeschichte. Jetzt gibt es eine neue angesagte Variante aus New York: Der Donut du jour besteht aus Pasta.

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Kresse mit Karamell

Inspiriert von italienischem Resteessen: Eine Frittata di Spaghetti in Donutform begeistert die New Yorker Foodszene.

Quelle: Instagram

Hannover. Wahrscheinlich haben die wenigsten Menschen in ihrem Leben schon mal einen Cronut probiert. Warum auch? Der Name steht für ein Gebäck, mit dem der Franzose Dominique Ansel vor einigen Jahren Schlagzeilen machte. Der Cronut ist halb Croissant, halb Donut, ein Hybrid sozusagen. Allein deshalb passt das Gebäck ganz gut in unsere globalisierte Welt. Schmecken muss er deshalb allerdings noch lange nicht.

Das Gegenteil soll bei der nächsten Entwicklung aus der internationalen Foodszene der Fall sein. Wieder ist der Donut im Spiel. Allerdings gibt er dieses Mal nur die typische Tora-Form vor, also den Kringel mit dem Loch in der Mitte. Der Rest des Gebäcks ist salzig – und besteht aus Spaghetti und Ei. Die sogenannten Spaghetti Donuts wurden wieder in New York erfunden. Das große Vorbild dieses Mal aber ist ein altes neapolitanisches Resteessen: die Frittata di Spaghetti, für die Pasta vom Vortag mit Ei und Käse in einer Pfanne zu einer Art Omelette gebacken wurde. Und wie so manches Essen vom Vortag schmeckt das manchmal sogar besser als das eigentliche Gericht.

Donuts aus Pasta und in Blütenform

Gastronomen aus dem New Yorker Stadtteil Williamsburg haben die Frittata aus einem einfachen Grund in eine Donut-Form gebracht: Auf diese Weise zubereitet, lässt sich das Gericht zum Mitnehmen verkaufen und unterwegs essen. Ob so wirklich Slow Food und Fast Food verbunden werden, bleibt fraglich. Eine wachsende Fangemeinde aber schwört bereits auf diesen neuartigen Donut.

Mit den mal gelochten, mal ungelochten Kringeln lässt sich in den Vereingten Staaten ohnehin kaum etwas falsch machen. Nicht einmal auf der Met-Gala, dem jährlichen Kostümball des Metropolitan Museums of Art in New York zu wohltätigen Zwecken, fehlte der Donut. Er erschien, dem Anlass angemessen, in Form zarter Rosenblüten. Geliefert hatte sie das Unternehmen Doughnut-Plant, das für seine abgehobenen und kunstvollen Ausführungen des Klassikers berühmt ist.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Donut angeblich im Jahr 1809 in Washington Irvings Satire „Die Geschichte der Stadt New-York“. Der Autor beschreibt darin das Leben der niederländischen Siedler in Nieuw Nederland, aus der die Stadt New York hervorhing. Irving nannte die sogenannten Teig-Nüsse damals noch wenig freundlich “ölige Kekse“, schwärmte aber trotz seiner sonst wenig freundlichen Auslassungen dennoch von ihrem einzigartigen Geschmack.

Gelungene Integration

Die britische “Guardian“-Autorin Rebecca Hardy schreibt, dass es nur wenige Probleme auf der Welt gebe, die sich mit einem gezuckerten Donut und einer Tasse Kaffee nicht lösen ließen. Es ist also kein Wunder, dass US-amerikanische Fernsehserien gern das Klischee des Donut essenden Cops transportieren, der noch dazu stets eine Kaffeetasse in der Hand hält.

Auch Pechvogel Donald Duck backte regelmäßig Donuts, die Übersetzerin Erika Fuchs den deutschen Lesern in frühen Comic-Ausgaben aber noch als Schmalzkringel oder Pfannkuchen schmackhaft machte. Spätestens mit dem donuthungrigen Homer Simpson kam der Teigkringel dann endgültig nach Europa.

Die Integration ist längst geglückt. Und so liegen US-Kringel in deutschen Backfilialen mittlerweile friedlich neben Berlinern und strahlen uns vor Fett und Zucker gleichermaßen an. Fast so, als wollten sie sagen: Wir sind doch alle aus einem Teig.

Von Dany Schrader

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