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Wir schrubben uns schön

“Dry Brushing“ im Trend Wir schrubben uns schön

Die gute alte Bürstenmassage ist zurück: Stars und Sternchen schwören seit Neuestem auf “Dry Brushing“ und die verschönernde Wirkung von Naturborsten.

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Schrubbt zwar keine Fettpölsterchen weg, kann aber für Kreislauf und Durchblutung durchaus förderlich sein: Die Bürstenmassage erobert Hollywood.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Sicher, das Wort “Bürstenmassage“ klingt nicht sonderlich sexy. Eher nach Abhärtung, nach Leibesertüchtigung. Nach Reformhausanhängern, die sich vorzugsweise von Quellwasser und Rohkost ernähren und sich mit ebenjener Bürstenmassage auf Trab bringen. Heftet man ein englischsprachiges Etikett an das Ganzkörpergeschrubbe, klingt es gleich nach dem nächsten heißen Trend aus L. A., und prompt sieht man vor dem inneren Auge Stars und Sternchen mit groben Naturborsten hantieren.

“Dry Brushing“ heißt die eigentlich schon recht betagte Massagetechnik denn auch seit Neuestem. Models wie Miranda Kerr und Molly Sims schwören auf die trockene Bürste, Frauenzeitschriften preisen ihre mannigfaltigen Vorzüge als Power-Tool für Gesundheitsbewusste. Angeblich soll die Bürste eines der meistbeklagten weiblichen Schönheitsprobleme wegzaubern: dellige Haut, zumeist an Po und Oberschenkeln, bekannt unter dem Angstwort Cellulite, vulgo: Orangenhaut.

Die Erfolgsaussichten dürften allerdings überschaubar sein, denn die Faktoren, die zu Cellulite führen – dünne Haut, schwaches Bindegewebe, suboptimale Durchblutung, Wassereinlagerungen –, sind in vielen Fällen genetisch bedingt. Zwar können Sport, gesunde Ernährung und Massagen die Makel ein wenig mildern, zum Verschwinden bringen lassen sie sich aber auch mit vorbildlichster Lebensweise zumeist nicht. Auch wird dem Dry Brushing nachgesagt, es könnte Fettpölsterchen gleichmäßiger verteilen. Das ist natürlich ebenfalls Unsinn – es sei denn, man wendet vergleichbare Gewalt an wie der Schönheitschirurg beim Fettabsaugen.

Naturborsten für den Kreislauf

Unbestritten ist indes, dass eine kernige, aber keineswegs unsanft ausgeführte Bürstenmassage den Kreislauf in Gang bringt, die Durchblutung anregt, Verspannungen lindert und einen Hautunreinheiten bekämpfenden Peelingeffekt hat. Die Bürste sollte aus nicht zu harten Naturborsten bestehen (alternativ kann man einen Sisalhandschuh verwenden) und nur mit sanftem Druck eingesetzt werden – dies wie alle aktivierenden Maßnahmen lieber morgens als abends.

Schon beim “Wasserpfarrer“ Sebastian Kneipp genoss die regelmäßige Anwendung der Bürste eine gewisse Wertschätzung. Für den Einsatz der Bürste gilt Kneipp-Anhängern dasselbe wie bei der Anwendung von kaltem Wasser: stets maximal herzentfernt beginnend, also mit dem rechten Fuß. Von dort arbeitet man sich sanft kreisend oder streichend über die Außenseite des Beines bis zur Hüfte vor und auf der Innenseite wieder hinab. Es folgen das linke Bein, das Gesäß, die Arme, Brust, Bauch und schließlich der Rücken. Die Anwendung ist unbedenklich, Menschen mit Hautleiden sollten jedoch Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Fortschritt durch Rückschritt

Aus den Badezimmern der Großeltern war die Bürste nie weg – wohl deshalb passt sie bestens in die immer länger werdende Reihe von Gesundheitstrends, die sich nicht aus Hightech-Medizin, sondern uralten Heil- und Vorsorgemethoden speisen: Demi Moore etwa glaubt an die reinigende Wirkung einer Blutegel-Therapie. Kate Hudson frönt der modischen Variante des Heilfastens, dem Intervallfasten.

Jennifer Aniston und Gwyneth Paltrow lassen sich Schröpfgläser aufsetzen – in Hollywood heißt die durchaus schmerzhafte Prozedur deutlich fescher “Cupping“. Und Yoga, älter immerhin als die Christenheit, wird nicht nur von jedem dritten Promi, sondern gefühlt von der Hälfte der Weltbevölkerung praktiziert. Wahrer Fortschritt, so zeigt sich einmal mehr, erweist sich im Rückschritt.

Von Daniel Behrendt

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